Internet World Messe 06.03.2017, 11:00 Uhr

Die Paketlogistik-Trends des Jahres

Autos als Packstationen, Drohnen und Roboter als Paketboten und innovative Verteilzentren in der Innenstadt: Paket- und Kurierdienste setzen gerade technologisch zum ganz großen Sprung an.
Ganz genau so wird sie eher nicht aussehen, die Zukunft der Paketlogistik
(Quelle: Fotolia.com / Lril Makarov)
Am Mittag fällt es Stefan S. ein: Er braucht für heute Abend noch ein weißes Oberhemd. Seit zwei Tagen ist der Key-Account-Manager unterwegs auf Kundentour und langsam wird die eingepackte Wäsche knapp. Vor dem Mittag­essen beim Kunden bestellt er per Handy schnell ein passendes Hemd, sein Lieblings-Shop kennt seine Größe. Und als er drei Stunden später in sein Auto steigt, liegt das neue Hemd bereits im Kofferraum. Während Stefan S. noch im Meeting saß, hat es ein Mitarbeiter eines Logistik-Dienstleisters dort hineingelegt.
Möglich macht das in Städten wie Stockholm ein Service, den der Autohersteller Volvo bereits seit 2014 erprobt. Dabei gibt der Autobesitzer dem Lieferservice Zugriff auf die Verriegelung seines Volvos. Der Kurier findet den Standort des ­Wagens über den eingebauten GPS-Peilsender, und via Internet wird dann das Kofferraumschloss geöffnet. 

250 Städte bis 2025

Roam Delivery nennt Volvo dieses Konzept und hat große Pläne damit. Bis 2025 will der schwedisch-chinesische Hersteller in mehr als 250 Städten weltweit Autos zu Packstationen machen. Inzwischen ist Amazon auf diesen Zug aufgesprungen und testet gemeinsam mit Audi eine vergleichbare Technik. Und auch Smart beteiligt sich in Köln an einem Feldversuch, bei dem der Kofferraum des Kleinwagens von DHL-Boten per Internet geöffnet wird. "Als Innovationsführer in der Paketbranche verfolgen wir mit DHL Paket das Ziel, zu den bereits bestehenden vielfältigen Lösungen immer weitere Ideen zu entwickeln, um das Empfangen und Versenden von Paketen noch einfacher zu machen und individuell nach Kundenwunsch steuern zu können", sagt dazu Konzernvorstand Jürgen Gerdes. 
Die Lieferung in den Kofferraum hat viele Vorteile: Viele moderne Autos erlauben heute bereits eine Fernsteuerung grundlegender Funktionen via Handy-App. Und eine Lieferung der Ware in das Auto des Kunden erreicht diesen direkter und sicherer, als wenn das Paket bei einem Nachbarn oder im Getränkemarkt gegenüber abgegeben werden würde - wichtig bei sensiblen Bestellungen. In Berlin testet derzeit die Online-Apotheke Aponeo eine Zustellung in den Kofferraum, Systempartner heißen auch hier DHL und Smart. 
Das Wichtigste aber: Anders als bei der Zustellung via Flugdrohne oder Auslieferungsroboter gibt es keine gravierenden rechtlichen Hürden, die der Zusteller ­beachten muss. So verbietet das deutsche Luftfahrtrecht pauschal den Flug über belebte Plätze für ferngesteuerte Fluggeräte oberhalb eines bestimmten Gewichts.
Natürlich gibt es bei Roam Delivery auch Nachteile: Steht der Wagen etwa in einer Tiefgarage, ist er nicht nur schwer zu orten, der Paketbote kommt oft auch nicht ins Gebäude. Und wo kein Mobilfunknetz funktioniert, da geht auch das Schloss nicht auf. Vor allem aber eignen sich längst nicht alle Autos für den Zugang via Internet-Fernsteuerung. 

Beim Versand geht erstaunlich viel schief

Egal ob Auto, Drohne oder Roboter: ­Logistikunternehmen forschen unablässig nach Alternativen zur klassischen letzten Meile, also der persönlichen Auslieferung an die Haustür des Kunden. Denn diese klappt erstaunlich oft nicht: Eine Studie des britischen Fachportals Econsultancy berichtet, dass 60 Prozent aller britischen ­Online-Shopper im vergangenen Jahr Lieferprobleme zu beklagen hatten. Und die Royal Mail meldete bereits 2012, dass ihr durch erneute Zustellversuche nach gescheiterter Erstlieferung ein Mehraufwand von rund einer Milliarde Pfund pro Jahr entsteht.   
Scheitert der erste Zustellversuch, weil der Kunde nicht zu Hause angetroffen wurde, bedeutet das nicht nur für den Versender und seinen Dienstleister Unannehmlichkeiten, sondern vor allem auch für den Kunden. Der muss unter Umständen Tage warten, bis seine Sendung erneut zugestellt wird - oder er muss sich gar selbst zu einer Abholfiliale bemühen. So ist E-Commerce eigentlich nicht gedacht.




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