Das müssen Führungskräfte bei der digitalen Transformation beachten

Den KMU droht die digitale Spaltung

"Im Unternehmenssektor droht derzeit ­eine digitale Spaltung", warnt denn auch die Expertenkommission Forschung und Innovation (EFI) in ihrem aktuellen Jahresgutachten. Vor allem kleine und mitt­lere Unternehmen (KMU) drohten abgehängt zu werden. Neben Finanzierungsbeschränkungen machen die Experten auch hausgemachte Hürden aus: "Nicht alle KMU scheinen die Bedeutung der anstehenden Veränderungen wahrzunehmen", urteilt das angesehene Gremium, das die Einrichtung eines bundesweiten Programms "KMU Digital" fordert. Im Plattform-Geschäft, dem "zentralen Geschäftsmodell der digitalen Ökonomie" (Digital Economist Dr. Holger Schmidt), dürfte der Zug abgefahren sein. Nur Zalando kann hierzulande mit Amazon, Ebay und Google mithalten.
Haben deutsche Unternehmen und Branchen in die digitale Spur gefunden, eröffnen sich jedoch zahlreiche Chancen. So rührt Baywa-Chef Prof. Klaus Josef Lutz seit Jahren die Trommel, um das Smart Farming zu etablieren: Der Kuhstall der Zukunft beispielsweise ist voll durchdigitalisiert. Die App "Agri-Check" des bayerischen Agrarkonzerns wurde allein mehr als 50.000 Mal für Android-­Betriebssysteme geladen. Sie liefert Landwirten auf einen Blick die wichtigsten ­Informationen für ihren Betrieb: Wettervorhersagen, Pflanzenbauberatung, aktuelle Marktdaten und auch Katastrophenwarnungen. Zudem ist die App der ­direkte Draht zu den Baywa-Beratern vor Ort und stellt ­besondere Angebote in der Region vor. Langfristig, so die Hoffnung, kann die landwirtschaftliche Digitalisierung zum Umweltschutz beitragen und die Effizienz steigern.

Fail Forward in hohem Tempo

Das Internet der Dinge breitet sich auch in Domänen aus, die traditionell von deutschen Qualitätsmarken beherrscht werden. Global Player aus Deutschland wie die Bosch-Tochter BSH Hausgeräte treiben mit Standards wie Home Connect die Vernetzung in Haushalt und Küche voran - seit 2014 maßgeblich von Chief Digital Officer Mario Pieper gesteuert (siehe Kasten). Sein Erfolgsrezept ist die Kunst der Mitarbeiterführung, um alle mit auf die digitale Reise zu nehmen. Sein Kollege Martin Wild, Chief Digital Officer bei Media-Saturn, setzt zudem auf die US-amerikanische ­Management-Philosophie "Fail Forward", die Ingenieursperfektionismus und hohes ­Innovationstempo unter einen Hut bringt.
Zu den Vorreitern der Digitalisierung in Deutschland zählt die Autoindustrie. "Die Digitalisierung und Vernetzung der Produktion, ja der gesamten Wertschöpfungskette, ist die große Herausforderung für die Industrie", sagte Matthias Wissmann, Präsident des Verbands der Automobilindustrie (VDA) bei der Vergabe des Logistik Award 2017. Zum Sieger wurden Audi und der Parkroboter Ray im Ingolstädter Werk gekürt: Das innovative fahrerlose Transportsystem (FTS) erlaubt die ­automatisierte Sortierung von 2.000 Autos pro Tag für die Verladung auf Bahnwaggons. Solche Konzepte zeigen, so Wissmann, dass die deutschen Autobauer auch bei der Digitalisierung "an der Spitze" angekommen sind.
Wie tief die Transformation in alle Wirtschaftsbereiche eindringt, zeigt auch das Transaktionsvolumen bei Logistik- und ­Industrieimmobilien in Deutschland: Mit 4,5 Milliarden Euro stieg hier der Investmentumsatz 2016 um 12,5 Prozent. Vor ­allem der stetig wachsende E-Commerce und die damit einhergehende Nachfrage nach innerstädtischen ­Logistikimmobilien beleben das Maklergeschäft, erklärt der Branchenverband Zentraler Immobilien Ausschuss (ZIA) in Berlin. "Produktion, Distribution und Handel wachsen langfristig in einer Immobilie zusammen", so ZIA-Mitglied Andreas Schulten. Klar ist: Nur mit einem motivierten Team, das den digitalen Wandel als Chance sieht, kann die Transformation gelingen - unabhängig von Branche und Industrie.




Das könnte Sie auch interessieren