Das müssen Führungskräfte bei der digitalen Transformation beachten

Klassische Hemnisse bei Belegschaft überwinden

Aufbauend auf diesen fundamentalen Grundsätzen müssen dann klassische Hemmnisse in der Belegschaft überwunden werden. "Silodenken, eingefahrene Strukturen und die Angst vor Veränderungen", so beschreibt ein erfahrener Branchenkenner die Herausforderung für deutsche Betriebe. "Hinzu kommt, dass in Phasen mit vollen Auftragsbüchern sowohl die Bereitschaft als auch die Ressourcen fehlen." Innovative Unternehmen setzen ­daher zunehmend auf eine neue Managementposition: den Chief Digital Officer, der zentral für die Digitalisierungsstrategie, -planung und -umsetzung verantwortlich ist. Denn nur mit der richtigen Einstellung, da sind sich viele Beobachter einig, können Führungskräfte die digitale Transformation erfolgreich gestalten. "Der Chief Digital Officer sollte idealerweise das Mindset aus einem Digital-Unternehmen mitbringen, das von Transparenz, Kundenzentrierung und der ständigen Bereitschaft zum Wandel geprägt und weitgehend frei von Hierarchiedenken ist", ­beschreibt der Experte die Anforderungen.
Die Unternehmensberatung KPMG hebt in einer aktuellen Studie zum Chief Digital Officer in Deutschland (Position vorhanden/Relevanz für Unternehmen) den menschlichen Faktor hervor: "Die kulturellen Voraussetzungen für die digitale Transformation zu schaffen, ist eine der schwersten Aufgaben." Die Analyse konzentriert sich auf die Medienwirtschaft, denn in dieser Branche ist die Digitalisierung bereits fortgeschritten. Die Kern­ergebnisse, die bei den Medientagen München 2016 vorgestellt wurden: Ein Drittel der befragten 110 Unternehmen beschäftigt bereits heute einen CDO. Der trägt aber nur selten die Hauptverantwortung, sondern wirkt meist vornehmlich unterstützend. Und insgesamt 37 Prozent der befragten Medienhäuser bauen digi­tale Geschäftsbereiche auf.

Keine Lust auf digitalen Wandel?

"Der CDO kann nur Plan B sein", fasste ­indes Patrick Fischer bei der Präsentation der CDO-Studie seine Erfahrungen zusammen. Der Geschäftsführer von Sport1 Media betonte, dass vielmehr alle Beschäftigten im Betrieb die Digitalisierung leben müssten. Dabei ist die Offenheit für neue Technologien seiner Meinung nach unabhängig vom Alter oder Geschlecht. "Es gibt Mitarbeiter, die haben einfach keine Lust auf die digitale Transformation." Aufzuhalten ist die Entwicklung jedoch nicht: "In Deutschland hat sich einiges getan", berichtet Markus Humpert, Bereichsleiter Digitale Transformation beim Digitalverband Bitkom. Nach seinen Beobachtungen nimmt die Zahl der CDOs stetig zu. Allerdings dürften derzeit nur etwa sechs bis 15 Prozent der Unternehmen einen CDO oder einen vergleichbaren Wegbereiter beschäftigen. Humpert fordert: "Der Wandel muss noch stärker in der Unternehmensführung verankert werden."
Einen Überblick über die Aktivitäten in der DACH-Region gibt das Creative Commons Project Cdo-kompass.de, das der Digitalisierungsberater Oliver Merx mit seinem Sohn Leon Anfang 2016 gegründet hat. Inzwischen listet die Datenbank der jungen Online-Plattform knapp 240 Chief Digital Officers auf. Bis Ende 2017, pro­gnostiziert Merx, wird es rund 350 Manager in dieser leitenden Position geben. "Bei größeren Unternehmen und Konzernen in Deutschland erwarten wir einen Trend hin zu multiplen, dezentral vernetzten CDOs." General Electric in den USA beispielsweise zählt zu den international aufgestellten Konzernen, die ihre Digitalisierung auf mehrere Schultern verteilen. Im Mittelstand, so Merx, ist der CDO ­allerdings noch die Ausnahme.




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