Gastbeitrag 16.03.2016, 09:30 Uhr

Drohnen - die neuen Stars am B2B-Himmel

Für den Einsatz von Drohnen gibt es vielfältige Szenarien im B2C-Bereich. Warum die Zukunft der Flugroboter aber vor allem in der B2B-Welt liegt, erläutern Enrico Nebuloni von Click Reply und Peter Krause von Triplesense Reply.
(Quelle: shutterstock.com/Slavoljub Pantelic)
Von Peter Krause, Geschäftsführer Triplesense Reply und Enrico Nebuloni, Partner Click Reply
An das sonore Summen von Drohnen über unseren Köpfen werden wir uns gewöhnen müssen, denn sie sind technisch ausgereift genug, um echte Probleme zu lösen. Das unterstreicht auch die aktuelle CeBIT mit dem ersten Dronemasters Summit. Künftig werden Drohnen beispielsweise mittels Sensoren und Hi-End-Kameras Strandabschnitte nach Haien absuchen und Sonnenanbeter im Falle eines Falles warnen - vielleicht mit einem animierten Hai auf der Apple Watch.
Für solche Anwendungsbeispiele lassen sich Menschen schnell begeistern, denn sie sind einprägsam und bieten auf den ersten Blick einen konkreten Nutzen. Doch auch der eher nüchterne B2B-Bereich erfährt durch Drohnen businessrelevante Impulse: Der Landwirt nutzt eine Smartphone-App, um seinem UAV (Unmanned Aerial Vehicle) beim Spritzen von Pestiziden letzte Anweisungen zu geben und erhält aufschlussreiche Hinweise aus der Luft, wie es um die Pflanzen steht.
Und die Ingenieure in den Wind- und Solarparks können sich auf den Fleiß der Drohnen verlassen, die sie bei Inspektion und Wartung in der Fläche unterstützen. Zudem sorgt Machine Learning dafür, dass die unbemannten Fluggeräte auch Antworten auf Fragen liefern, die ihr Bedienpersonal noch gar nicht gestellt hat. Auf Basis der Daten, die Drohnen über Kameras und Sensoren generieren, werden beispielsweise neue Szenarien berechnet und wertvolle Handlungsempfehlungen geliefert.

Zukünftige Einsatzgebiete

Drohnen im B2B-Bereich haben sich flugs etabliert - in großen Werksanlagen, auf bewirtschafteten Feldern, in Umfeldern also, in denen der Luftraum gut beherrschbar ist. Ein vielversprechendes Einsatzgebiet ist die Logistik. Schon heute gibt es hier spannende Anwendungen: Drohnen transportieren nicht nur Güter, sondern optimieren auch automatisierte Prozesse auf Basis von Echtzeit-Daten und selbstlernenden Systemen. Die Software ist mittlerweile so ausgereift, dass die fliegenden Roboter mitunter besser auf äußere Einflüsse reagieren können, als der Mensch. Dies bringt Drohnen einen entscheidenden Wettbewerbsvorteil gegenüber ihren Kollegen, insbesondere dort, wo Menschen in ihrer Arbeit hohen Risiken ausgesetzt sind.

Konkretes Beispiel: Hochregallager

Die weit verbreitete Meinung ist, dass Drohnen sich besonders gut für den Einsatz im Außenbereich eignen. Tatsächlich spricht aber einiges dafür, sie für Arbeiten innerhalb von Gebäuden einzusetzen. In Lagerhallen und Hochregallagern können die Fluggeräte beispielsweise bei der Inventur oder der Lagerbestandsaufnahme unterstützen.
Künftig sollen sich Drohnen noch besser koordinieren lassen, um einen effektiveren Einsatz in der Intralogistik zu erzielen. Dazu werden sie per Software gesteuert: Die Flugroboter erhalten eine Reihe von Aufgaben, die sie autonom durchführen. Sie erfassen beispielsweise die vorhandenen Bestände, um das Inventar zu kontrollieren und melden die Ergebnisse direkt an das Warenbestandssystem.
 
Für die Aufgaben im Warenhausmanagement bietet der Drohnen-Einsatz zahlreiche Vorteile: Üblicherweise überwacht eine Vielzahl an Beschäftigten die Warenbestände manuell - und das nach Erledigung des Tagesgeschäfts. Mit Hilfe von Drohnen lässt sich dieser Prozess automatisieren sowie auch nachts durchführen, wodurch Stillstandzeiten reduziert werden. Zudem verringert sich das Risiko, dass sich die Mitarbeiter durch Arbeiten in der Höhe verletzen. Im besten Fall kooperieren Mensch und Maschine: Das Lagerhaus wird in Zonen ein- und die Aufgaben entsprechend aufgeteilt. Während die Mitarbeiter alle Tätigkeiten am Boden erledigen, arbeiten die Drohnen selbständig in der Luft. Sie werden zum fliegenden Auge und zum persönlichen Assistenten der Mitarbeiter, die sich anderen, anspruchsvolleren Tätigkeiten widmen können. Insgesamt gewährleistet die permanente Erfassung der Lagerbestände eine bessere Inventurgenauigkeit über das gesamte Jahr hinweg.

Gesellschaftliches Umdenken ist gefragt

Mensch und Maschine - im Falle von Drohnen spricht viel für ein ausbalanciertes Miteinander, das die Stärken der fliegenden Teammitglieder nutzt, um wirtschaftlich sinnvolle Freiräume für den Mensch zu schaffen. Der Drohneneinsatz stellt uns aber auch vor weitgreifende gesellschaftliche Herausforderungen, und so wirft der echte, produktive Einsatz ähnlich große Fragen auf wie zum Beispiel die Self-Driving-Cars: Gibt es bald eine Versicherung gegen abstürzende Drohnen? Kann man seinen Drohnen-Führerschein verlieren? Wie lange werden Drohnen-generierte Daten gespeichert? Das vordringlichste Thema, dem sich alle Marktteilnehmer stellen müssen, ist jedoch die Absicherung gegen Hacker-Angriffe. Denn nur, wenn die Datensicherheit gewährleistet ist, werden die gesellschaftlichen Vorbehalte gegenüber Drohnen fallen und ihre Potenziale ausgeschöpft werden können.



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