Markus Schöberl von Amazon 28.01.2016, 11:20 Uhr

"Erfolgreiche Händler probieren viel aus"

Die Bedeutung des Amazon Marketplace wächst - bei den Händlern, den Kunden und bei Amazon selbst. Inzwischen verkaufen zwei Millionen Händler weltweit über diesen Online-Marktplatz Produkte.
Markus Schöberl verantwortet die Amazon Seller Services im deutschsprachigen Raum
(Quelle: Amazon.de)
Der Amazon Marktplatz gewinnt für Online-Händler immer mehr an Bedeutung. Mittlerweile verkaufen weltweit mehr als zwei Millionen Händler ihre Waren über den Online-Marktplatz. INTERNET WORLD Business hat Markus Schöberl gefragt, wie sich Amazon entwickelt und was erfolgreiche Händler auszeichnet. Eine Antwort des Verantwortlichen für Seller Services bei Amazon im deutschsprachigen Raum lautet: Erfolgreiche Händler probieren viel aus und haben oft große Sortimente eingestellt.
Herr Schöberl, die US-Prognosen könnten den deutschen Einzelhandel das Fürchten lehren. Sehen die Dimensionen für Deutschland ähnlich aus, dass jeder zweite Verbraucher den Großteil der Online-Einkäufe bei amazon.de tätigt?
Markus Schöberl: Uns ist wichtig, dem Amazon-Motto treu zu bleiben, Kunden die größtmögliche Auswahl zu bieten, guten Service und gute Preise. Diskussionen über Anteile finde ich nicht besonders konstruktiv. Am Ende des Tages reden wir vom Einzelhandelsumsatz insgesamt. Ein Teil davon ist online. Ein Teil davon ist Amazon. Statt über Anteile und Wettbewerb zu sprechen, sind wir immer gut damit gefahren, uns am Kunden zu orientieren. Darum kümmern wir uns die ganze Zeit. Das machen Marketplace-Händler auch. Und ihr Geschäft läuft gut. Beispiel Hallingers Schokoladen Manufaktur in Landsberg: Dort wurden die Umsätze in der Vorweihnachtszeit verdreifacht. Und Deutschlands ältestes Spielwarengeschäft Carl Loebner in der Nähe von Dresden verschickte im gleichen Zeitraum über den Amazon-Marketplace 1.000 Pakete pro Tag. 
Wie groß ist aktuell der Anteil der Marktplatzpartner?
Schöberl: Über das Jahr 2015 hinweg lag der Anteil der weltweit über Marketplace verkauften Einheiten bei über 45 Prozent, und in diesem Bereich liegt der Anteil seit einigen Jahren. Das zeigt ganz gut, dass der Marketplace ein essenzieller Bestandteil von Amazon ist und Marketplace-Händler Partner sind. Ohne die Händler mit ihren tollen und spannenden Sortimenten könnte Amazon die Vision der größtmöglichen Auswahl gar nicht erfüllen.
Wenn wir mit Händlern über den Amazon-Marktplatz sprechen, hören wir immer wieder dieselben Beschwerden: Die Provisionen sind teurer als bei eBay, es herrscht ein extremer Preiskampf und Amazon spioniert die Händler aus und listet gut gehende Produkte dann selber und unterbietet die Marktplatzpartner im Preis. Ist das alles nur üble Nachrede?
Schöberl: Wir hören auch viel Positives. Aber wir nehmen Kritik sehr ernst und versuchen diese gemeinsam mit einem unzufriedenen Verkäufer zu verbessern. Nur so können wir uns täglich verbessern. Die allermeisten wissen, dass die Infrastrukturen, die Amazon bietet, gute Chancen bieten. So ist die Anzahl der deutschen Verkäufer, die einen jährlichen Umsatz von über einer Millionen Euro erwirtschaften, in diesem Jahr um 25 Prozent gestiegen.
Wenn die Händler Eigenmarken vertreiben oder Nischensortimente haben. Mit einem Standardsortiment scheinen die Probleme immens zu sein.
Schöberl: Wir denken vom Kunden aus. Wenn Sie ein Geschäft am Münchner Marienplatz aufmachen und nur Handys verkaufen, befinden Sie sich auch in einem Wettbewerb. Egal ob Verkäufer oder Amazon, profitieren soll der, der Kunden das beste Angebot macht. Jeder Händler sollte sich Gedanken darüber machen, was ihn besonders macht und ihn differenziert, das gilt auch für Amazon-Marketplace. Und das kann auch der Preis sein. Aber auch Faktoren wie Warenverfügbarkeit und die Historie sind wichtige Kriterien für die Kaufentscheidung. Das sind Dinge, die man sich über die Zeit erarbeiten kann. Es gibt Händler, die legen Gummibärchen ins Paket und bedanken sich bei ihren Kunden für eine Bewertung. Manche Händler investieren viel Zeit in die Kundenbindung und differenzieren sich so über gute Bewertungen.
Und die Gebühren … ?
Schöberl: Unsere Philosophie ist, dass wir nur dann erfolgreich sind, wenn auch die Händler erfolgreich sind. Das spiegelt sich auch in dem Gebührenmodell wider. Der große Vorteil für Händler ist die umsatzabhängige Provision, die startet bei sieben Prozent. Außer einer monatlichen Gebühr von 39 Euro hat Amazon zudem keine Listinggebühren und sie brauchen keine große Anfangsinvestition, um überhaupt den Online-Handel zu starten. Händler können auf das ganze Know-how und die Technik, die Amazon auch selber nutzt, zugreifen. Da sind elf Amazon-Websites in sieben Sprachen und mehr als 100 Logistikzentren weltweit.
Aber welche Verbesserungen machen Sie nun konkret?
Schöberl: Ein Beispiel ist die "Cyber Monday Week", bei der wir versucht haben, Händler noch stärker miteinzubeziehen. Vor einigen Jahren gab es nur wenige Promotions für Produkte von Händlern. Aber wir bekamen permanent Feedback von den Marketplace-Händlern, dass sie da auch gerne dabei wären. Das haben wir umgesetzt, mit positiver Resonanz, und zwar von Kunden und Händlern. Auch der Prime-Day im Sommer war für Marketplace-Händler ein erfolgreiches Event. Das aktuellste Beispiel ist der neue Shop "Made in Italy". Dort bieten wir Marktplatz-Händler, die in Italien produzieren, die Möglichkeit, unter einem gemeinsamen Motto nach Deutschland und Großbritannien zu verkaufen.
 
Und was ist mit dem Vorwurf, Sie würden die Händler ausspionieren?
Schöberl: Jeder kann sich die Amazon-Website anschauen und sich in jeder einzelnen Produktkategorie die Bestseller ansehen und nach den Bestsellern sortieren. Auch die Sternebewertungen sind eine Orientierungshilfe. Und wir coachen Marketplace-Händler ja auch über den "Verkaufscoach", einer Software, die jedem Händler zur Verfügung steht. Wenn bei Amazon ein Produkt out of stock geht, weisen wir Händler darauf hin, dass sie das verkaufen könnten. Es spielt keine Rolle, ob Amazon oder ein anderer Händler es anbietet.



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