Gastkommentar 19.06.2017, 14:49 Uhr

Der Relaunch von Twitter: Kein Design-Gewitter

Runde Profil-Fotos, übersichtlichere Apps, schönere Schriften: Twitter hat einen neuen Look, der stark das Feedback der Nutzer berücksichtigt. Carsten Popp, Geschäftsführer Plan.Net Pulse, kommentiert den Fresh-up.
Carsten Popp, Geschäftsführer Plan.Net Pulse
 
(Quelle: Plan.Net Pulse)
Von Carsten Popp, Geschäftsführer Plan.Net Pulse
Ein Design-Update von Twitter und ein Raunen geht durch die iOS Familie... Denn dieser Fresh-up betrifft in erster Linie die Apple-Nutzer. Diese sind bei Twitter nämlich nicht die Speerspitze der Zielgruppe für eine verbesserte Usability, sondern die Nachzügler. Android-Nutzer haben diese optischen Anpassungen größtenteils bereits hinter sich.
 
Die Überarbeitung ist nicht dem Anspruch geschuldet, den Kanal aus Image-Gründen zu verschönern oder einzigartiger wirken zu lassen. Es geht vielmehr um eine Vereinfachung bei der Bedienbarkeit. Insbesondere für Neulinge.

Permanente Testings

Wenn Labortests zeigen, dass sich das Klientel schwer tut mit Ikonographie, Menü-Führung und Zuordnung der Botschaften innerhalb einer Anwendung, sollte man schleunigst optimierend eingreifen. Im Übrigen ein absolut üblicher Vorgang im Tagesgeschäft der Digitalagenturen. Auch hier werden (je nach Kunde) permanent Testings durchgeführt, um den User so einfach wie möglich abzuholen.
Dass Twitter mit dem Vorwurf konfrontiert wird, sich visuell zu stark bei Google Plus inspiriert haben zu lassen weil jetzt alles viel runder sei, ist ziemlich absurd. 
Auch Google Plus ist nicht der Erfinder des runden Profilfotos. Und wenn es bei Twitter immer wieder zu Verständnisproblemen kam, weil User nicht zwischen den rechteckigen Bildern in Tweets und den ebenfalls rechteckigen Profilbildern unterscheiden konnten, ist eine Umstellung nur konsequent.
(Quelle: Twitter)

Design-Neuerungen

Bei den Design-Neuerungen auf Twitter handelt es sich um optische Eingriffe, betreffend Navigation und Funktionalitäten. Es geht um den Einsatz gelernter Ikonografie, welche sich im Verständnis der User verankert hat. 
Wir nutzen nun mal auch kein anderes Symbol als das gelernte Briefkuvert, wenn es darum geht die Bedeutung einer bestimmten Art von Kommunikationsaustausch bildlich zu beschreiben. Daher ist es auch hier konsequent, wenn Twitter sich endlich von seinem (Antwort-)Pfeil verabschiedet zum Wohle einer viel leichter verständlichen Sprechblase.
Auch der Einsatz eines leichteren Schriftbilds gepaart mit plakativeren Headlines unterstützt in erster Linie die Grundsätze der klassischen Typografie-Lehre.
Dass einer Vielzahl der aktuellen Twitter-Nutzer die Änderungen nicht weit genug reichen, weil die Vermeidung von Fake-Accounts und der Kampf gegen Hasspostings davon nicht betroffen sind, kann ich gut nachvollziehen. Diese Themen betreffen aber auch eher moralische Werte denn ästhetische.




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