Expert Insights 07.06.2017, 08:10 Uhr

Warum Pinterest immer spannender für Marken wird

Bei Pinterest tut sich derzeit eine Menge: Mit zahlreichen neuen Features wie "Lens" oder "Shop the Look" will das Fotonetzwerk Usern dabei helfen, Kaufentscheidungen zu treffen. Damit wird es immer attraktiver für Marken.
Philipp Thurmann, Gründer und Geschäftsführer Strategie der Berliner Social-Media-Agentur Buddybrand
Bei Pinterest tut sich was. Das soziale Netzwerk ist nach seiner jüngsten Finanzierungsrunde satte zwölf Milliarden US-Dollar wert. Zudem rüstet die virtuelle Pinnwand kräftig auf, um neue User zu gewinnen und ihre Stärken auszubauen. Die neue Anwendung "Lens" zum Beispiel - bislang leider nur in der englischsprachigen Beta-Version verfügbar - bietet eine visuelle Suchmaschine: Einfach ein Objekt mit der Kamera einfangen und Lens liefert passende Pins und Inhalte. "Shop the Look" erkennt auf Fotos solche Artikel oder Gegenstände, die gekauft werden können, und liefert gleich die Links zu den entsprechenden Online Shops mit. Und die Sektion "Explore" bietet Nutzern eine Funktion, mit der sie Trends und Top-Posts nach ihren eigenen Interessen zusammenstellen können, und zwar tagesaktuell.
Wer zum Beispiel noch nicht weiß, wo er Urlaub machen soll, oder nach einem Geburtstagsgeschenk für seine Liebsten sucht, kann sich hier nach bestimmten Themen inspirieren lassen. Das bringt richtig Laune. Und was den Nutzern Spaß macht, hilft auch den Marken, die sich auf Pinterest präsentieren und Mehrwert bieten wollen.
 
Abseits der Social-Media-Dickschiffe wie Facebook oder hipper Plattformen wie Instagram oder Snapchat gibt es soziale Netzwerke, die unterschätzt werden - und Pinterest gehört sicher dazu. Über 150 Millionen Menschen weltweit nutzen inzwischen die virtuelle Pinnwand, in Deutschland könnten es ungefähr drei Millionen Menschen sein (Pinterest ist sehr geizig mit offiziellen Angaben). Zugegeben - das ist nicht viel, da machen andere Plattformen mehr her. Aber diese Zielgruppe hat es in sich: Wer auf Pinterest unterwegs ist, will schauen. Pinterest-User suchen, ähnlich wie bei Instagram, nach visuell ansprechendem Content - also hochwertigen und stilvollen Bildern, die größtenteils Bereiche wie Food, Schmuck, Inneneinrichtung, Mode oder Do it Yourself-Bastelei abdecken. Aber anders als bei Instagram, wo die User selber posten und möglichst viele Follower erreichen wollen, verwenden Pinterest Nutzer die Pins zur Inspiration für Kochen, Kreatives und Co - und vor allem für Kaufentscheidungen. Das bestätigt eine Studie von Millward Brown Digital aus dem Jahr 2015: Sie ermittelte, dass von den 55,4 Millionen Pinterest-Nutzern in den USA ganze 93 Prozent das Netzwerk zur Kaufplanung verwenden. Das macht immerhin rund 40 Prozent des weltweiten Traffics von Pinterest aus.

Pinterest pusht Marken

Ein idealer Tummelplatz für Marken, die etwas zu zeigen haben. Neuerungen wie "Lens" oder "Shop the Look" bieten nicht nur den Nutzern Zusatzinformationen. Auch Unternehmen profitieren, weil sie am Ende direkt Käufer zugeführt bekommen. Und das ist noch nicht alles. Auch viele andere Tools oder Anwendungen helfen dabei, Marken auf Pinterest zu pushen.
Das Tool "Promoted Pins" können Brands nutzen, um dem eigenen Pin mehr Sichtbarkeit zu verleihen. Pinterest bietet auch die Möglichkeit Video-Ads zu schalten - was an einer Pinwand für Bilder sehr aufmerksamkeitsstark ist. Und bei geteilten Fotos kann automatisch die Original-URL hinzugefügt werden, damit die Quelle immer mitgeliefert wird und so direkt auf die Website eines Unternehmens verweist. Gruppen-Pinnwände bieten die Möglichkeit, Bekanntheit und Reichweite zu vervielfachen.
Ein weiteres wichtiges Tool sind die sogenannten "Rich Pins", für die es sechs Kategorien gibt: Apps, Filme, Rezepte, Artikel, Produkte und Orte. Produkt-Pins etwa enthalten Echtzeit-Preisangaben, Verfügbarkeitsstatus und Infos, wo das Produkt erhältlich ist. Via Engagement Retargeting können Unternehmen User gezielt mit Werbung ansprechen, wenn diese vorher entsprechende Pins "geliked" haben. Das nächste Level sind dann "Buyable Pins": Sie ermöglichen einen Kauf direkt aus der App heraus, ohne Pinterest verlassen zu müssen. Und natürlich können Marken auch bei Pinterest den Umweg über Dritte wählen und somit ihre Produkte aufmerksamkeitsstark über Influencer präsentieren. Prädestiniert sind hierfür vor allem die Bereiche Fashion, Beauty, Food und Do-it- yourself.

Inspiration für Suchende

Pinterest ist also längst nicht mehr einfach ein "soziales Netzwerk", sondern eine Plattform, die von den Usern als Inspirationsquelle genutzt wird und von Marken als Präsentationsfläche. Hier kommen User und Brands zusammen - vorausgesetzt, letztere nutzen Pinterest richtig. Und dazu gehört auch, anderen Pinnwänden zu folgen und die Fotos, Filme, Grafiken etc. andere Pinner auf der eigenen Pinnwand - oder Website - zu merken. Am Ende geht es auch auf Pinterest darum, in einer Community Inhalte zu teilen. Relevanz und Mehrwert sind oberstes Gebot. Wer nur platt eigene Inhalte postet, wird schnell überpinnt. Das Ziel sollte es sein, eine interessante Mischung aus eigenen Inhalten und denen anderer Pinner anzubieten.
Einige Marken machen vor, wie es geht: So konnte Maggi innerhalb der ersten sechs Monate auf Pinterest die Interaktion mit den Maggi-Pins verzehnfachen. DaWanda, einem Online-Marktplatz für handgemachte Produkte, gelang es durch die Umsetzung von Pinterest Best Practices, den Pinterest Referral-Traffic um fast 100 Prozent zu steigern. Und Westwing, das mit seinen Wohnimpressionen und Inneneinrichtungs-Kollagen designaffine, vornehmlich weibliche User anspricht, verwendet Pinterest ganz gezielt als wichtigste Kommunikationsplattform. Mit den neuen Features "Lens" und "Shop the Look" verbessert Pinterest noch einmal die Chancen für Brands.

Wer mit seinen Pinnwänden auf Pinterest überzeugen möchte, muss das Auge des Nutzers ansprechen. INTERNET WORLD Business zeigt die schönsten Profile von Marken und Unternehmen.






Das könnte Sie auch interessieren