Start-ups vorgestellt 17.03.2017, 08:01 Uhr

Die Airbnbs für Gewerbeflächen

Airbnb hat Bewegung in den Miet- und Hotelmarkt gebracht. Jetzt versuchen drei Start-ups das Modell auf Gewerbeflächen zu übertragen: Nach ShareDNC und Setting startete jetzt Optionspace.
 
(Quelle: Shutterstock/Sunny Studio)
Zwei Jahre, sechs Monate: In diesen Zeiträumen kann viel passieren in der Wirtschaft. Doch üblicherweise mieten Unternehmen und Händler Büros, Lager und Läden fünf Jahre, wenn nicht sogar länger an. Oft wünschen sich Vermieter sogar noch längere Mietfristen. "Kurzfristig ein Büro zu mieten, ist in der Regel wegen der fixen Mietverträge nicht möglich", bestätigt Moritz ten Eikelder, Mitgründer von Optionspace. Doch das ändert sich jetzt, von den Unternehmen wird mehr Agilität und Beweglichkeit erwartet: "Mietverträge mit Laufzeiten über mehrere Jahre übersteigen heute oft den Planungshorizont von Unternehmen", beobachtet ten Eikelder. "Start-ups wachsen schnell und sollten kurzfristig ihre Räume ausweiten können. Etablierte Firmen sollten sich flexibel aufstellen, und das betrifft auch ihren Raumbedarf."
Sieben Monate nach Gründung jetzt gestartet: Die Gründer von Optionspace Simon Schütz, Moritz ten Eikelder, Simon Schütz (v. links)
(Quelle: Unternehmen)
Zusammen mit seinen Freunden Simon Schütz und Johannes Lomnitz hat Eikelder daher im August 2016 Optionspace in Berlin gegründet, das jetzt sein Angebot startet. Der Online-Makler bringt Mieter und Vermieter von Gewerbeimmobilien zusammen und spezialisiert sich dabei auf kurz laufende Mietverträge über ein paar Monate bis zu einem oder zwei Jahren. Sogar nur für einen Monat können Büros angemietet werden. Das große Vorbild heißt Airbnb - das Unternehmen aus den USA hat den Mietmarkt von (Ferien)Wohnungen umgekrempelt.

Mitbewerber ShareDNC und Setting

Online-Makler für Unternehmen: Setting richtet sich an Start-ups, Optionspace will alle Gewerbeflächen vermieten, ShareDNC spezialisiert sich auf Büros (von oben).
(Quelle: Unternehmen)
Der Markt der Gewerbeimmobilien, auf dem allein in Deutschland pro Jahr 50 Milliarden Euro umgesetzt werden, bewegt sich. Auch in Köln vermittelt seit vergangenem Jahr ShareDNC kurzfristig Büroräume, 2016 entstand mit Setting in Berlin ein weiterer Konkurrent in diesem Gewerbe.
Beide Start-ups konzentrieren sich aber auf Büros und Arbeitsplätze in Co-Working-Spaces, die in den letzten Jahren in leer stehenden Gewerbeimmobilien von großen Städten und Regionalzentren entstanden sind. Setting spricht dabei insbesondere Gründer an, mit Hilfe von englischen Seiten auch diejenigen im Ausland, die nach Deutschland expandieren wollen. Auch Optionspace hat zurzeit größtenteils Büroraum  zu vergeben, verhandelt aber bereits mit ersten Gesellschaften, um daneben auch andere Gewerbeflächen kurzfristig vermieten zu können.

Mieter suchen online

Bei allen Start-ups suchen Mieter kostenlos online, im Angebot stehen derzeit größtenteils Büros in den Metropolen Berlin, Hamburg, Frankfurt, München oder Köln zur Untermiete. Optionspace will seine 100 Start-Angebote schnell um weitere Gewerbeflächen auch in anderen Städten erweitern: "Die ersten Flächen kamen aus dem erweiterten Bekanntenkreis zusammen", gibt Moritz ten Eikelder zu. "Wir starten jetzt mit der Ansprache von Immobiliengesellschaftern und Eigentümern und haben bereits erste Partnerschaften zur Vermarktung von Testflächen geschlossen."
Vermieter präsentieren ihre Räume kostenlos auf der Plattform, bei Vertragsabschluss werden zehn Prozent der Warmmiete über die gesamte Mietlaufzeit fällig, die Provision ist gedeckelt auf ein Jahr. Sie enthält wie bei ShareDNC und Setting außerdem Versicherungen, oft auch noch Wasser, Strom und Telefonleistungen. Neben den Provisionen können die neuen Gewerbe-Makler so auch von Partnerschaften mit Versicherungs- und Telekomgesellschaften profitieren, mit denen sie Mengenrabatte aushandeln können.

Steigerung der Miet-Effizienz

"Wir steigern die Effizienz der Vermietung", sagt ten Eikelder selbstbewusst. "Vermieter können ihre Mieter durch Sicherheitsnachweise vorqualifizieren, auch der Vertrag wird online abgewickelt." Die zukünftigen Nutzer einer Immobilie speichern Schufa-Nachweise, den Auszug aus dem Handelsregister sowie die betriebswirtschaftliche Auswertung des Unternehmens auf der Plattform - Belege, die ihre Vermieter gerne abrufen, um die Solvenz zu prüfen. "Unser Geschäftsmodell ist interessant für Immobiliengesellschaften, die Gewerbeflächen verwalten, es ermöglicht die Digitalisierung und Flexibilisierung von Vermietungen", erklärt ten Eikelder.
Solche Aussichten locken Investoren: Denn sie versprechen Chancen für einen Exit oder den Weiterverkauf einer Beteiligung. Optionspace hat für eine erste Finanzierungsrunde mit Vito One die Beteiligungsgesellschaft von Heizungsspezialist Viessmann sowie mehrere Business Angels gewonnen. Denen dürfte auch gefallen haben, dass ten Eikelder mehrere Jahre bei Helpling, dem Vermittler von Haushaltshelfern, angestellt war und Simon Schütz zuvor das Unternehmen Awesome Maps mitgegründet hat.




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