Werbeträger Social Media 10.11.2014, 08:40 Uhr

"Pinterest ist kein Selbstläufer"

Facebook will mit seiner Werbeplattform Atlas Anzeigenkunden locken, und auch andere soziale Netzwerke hübschen sich auf. Welche Trümpfe Pinterest in der Hand hat, erklärt Deutschlandchef Jan Honsel.
Jan Honsel, Country Manager DACH Pinterest
(Quelle: Pinterest)
Wie können Werbungtreibende Pinterest im Moment nutzen?
Jan Honsel: In den USA gibt es derzeit erste Monetarisierungstests mit Promoted Pins. Die werblichen Pins gibt es in Deutschland noch nicht, sie sind aber perspektivisch denkbar. Werbungtreibende haben im Moment in Deutschland die Möglichkeit, unter anderem mit eigenen Profilen auf sich aufmerksam zu machen.
 
Welche Vorteile bringt das?
Honsel: Unternehmen haben mit Pinterest die Möglichkeit, Zugang zu Zielgruppen zu bekommen, die sie bisher nicht oder nicht ausreichend erreicht haben. Zudem können Sie natürlich auch Ihre Bestandskunden und -user ansprechen und noch besser bedienen. Sie können sich einen Stamm an Followern aufbauen und mit diesen interagieren, das ist wertvolles Direktmarketing. Ein weiterer Vorteil ist, dass sich die Nutzer von Pinterest in einem zukunftsorientierten Verwendungsmodus befinden. Das heißt, sie sind für sich oder für ihr direktes Umfeld auf der Suche nach Themen, die in Kürze sehr relevant und voraussichtlich realisiert werden. Das können Einrichtungsideen sein, das Kochrezept für den Abend oder das passende Kleid für die Hochzeit der besten Freundin. Oftmals durchaus sehr intime und private Momente, an denen Marken mit dem richtigen Content teilhaben können. Die Kontakte, die so zwischen Marke und Kunde entstehen, sind wahnsinnig wertvoll - vor allem im Vergleich zu Interaktionen bei oder mit anderen Social Networks, wo es eher um die Generierung von Zuschreibungen zu einem geht - nach dem Motto ich verbinde mich mit Marken und Themen um entsprechend von der Außenwelt wahrgenommen zu werden.
 
Was ist für einen Erfolg auf Pinterest wichtig?
Honsel: Ich sollte als Werbungtreibender natürlich ein Profil haben und es pflegen. Außerdem sollte ich die Menschen über die verschiedenensten Känale auf mein Pinterest-Profil aufmerksam machen. Ich kann zum Beispiel auch Widgets und den Pinterest Pin-it-Button auf meine Webseite oder andere soziale Kanäle einbinden. Grundsätzlich gilt natürlich wie überall, wenn ich etwas tue, dann sollte ich auch darüber sprechen, beispielsweise indem ich "Die beliebtesten Pins auf Pinterest" auf meiner Unternehmensseite präsentiere.
Wie kommen User mit dem Unternehmens-Content in Kontakt?
Honsel: Dafür gibt es grob vier Möglichkeiten. Der User kann der Marke auf Pinterest folgen oder er kann aktiv nach ihr suchen. Produkte und Pins der Marke erscheinen auch, wenn der Nutzer in einer bestimmten Kategorie unterwegs ist in die mein Markencontent fällt, wie etwa Herrenmode. Zuletzt gibt es natürlich die Option, über Menschen mit denen ich verbunden bin auf diesen Markeninhalt  aufmerksam zu werden, quasi der klassische virale Effekt. Das ist auch einer unserer großen Vorteile. Bei uns gibt es mindestens vier Wege um auf das Unternehmen aufmerksam zu werden, bei anderen Networks im Grunde genommen, vereinfacht gesagt, nur einen über den klassischen Stream, dessen Anordnung meine "Fanseiten/Freunde" und dem Logarithmus geschuldet ist. Wir sehen, dass bei den vier Optionen, mit der Marke in Kontakt zu kommen, gerade bei neuen Usern vor allem der Home-Stream intensiv genutzt wird.
Neben Werbungtreibenden soll Publisher vor allem der zusätzliche Traffic überzeugen.
Honsel: Egal ob für Online-Shops oder Verlage, beide wollen ihre Zielgruppen erreichen. Pinterest kann helfen, das Markenerlebnis neu zu gestalten und mit Leuten in Kontakt zu kommen, die das Magazin am Kiosk beispielsweise erst einmal nicht kaufen würden, aber am Thema interessiert sind. Mit passenden Boards und Pins kann das Unternehmen es schaffen, diese User  zu überzeugen und zu ihren Käufern zu machen. Wir sind einfach eine extreme Traffic-Maschine. Jeder Pin dient als Rückkanal und bringt Nutzer und Reichweite. Für Buzzfeed international sind wir beispielsweise mit Abstand die zweitgrößte Social-Traffic-Quelle nach Facebook.
 
Wie sieht momentan ihre Arbeit mit Werbungtreibenden konkret aus?
Honsel: Wir sind aktuell vor allem beratend unterwegs, das heißt wir erklären, wie man ein Profil aufbaut, welche Themen individuell relevant sind und wie die Unternehmen von den  Nutzern gefunden  werden können. Auch saisonale Anpassungen sind natürlich wichtig oder die Verlinkung zur Webseite. Außerdem ist Mobile bei uns natürlich ein riesen Thema sowie die ständige Optimierung des Content und des Uploading-Prozesses. Zudem kümmern wir uns um unser Partnerschaftsprogramm, wie eben mit Verlagen.
 
Wie sehen Sie die Diskrepanz zwischen der Datenhoheit der Sozialen Netzwerke und dem Verwenden der Information für Werbezwecke?
Honsel: Für mich wie für Pinterest gilt, dass die Privatsphäre der Nutzer stets gewährleistet und die Datenhoheit bei den Nutzern liegen muss. Der Nutzer muss geschützt werden und darf nicht mit schlechter Werbung wie bei mangelhaftem Retargeting belästigt werden. Im Moment befindet sich die Social Media Branche in Sachen Werbung meiner Meinung nach noch in einem Art Zwischenstand, es wird viel ausprobiert, Facebook hat mit Atlas gerade wieder ein spannendes Szenario eröffnet. Was die Nutzer letztlich davon halten und wie sich das Ganze dann in der Praxis auswirkt, bleibt abzuwarten.
 
Ein kurzer Tipp für Werbungtreibende: Wie kann man die Follower-Zahl erhöhen?
Honsel: Man sollte auf jeden Fall den Pin-It-Button in die anderen Unternehmenskanäle integrieren und natürlich kommunikativ sein und darüber sprechen. Pinterest ist kein Selbstläufer, ohne Arbeit und Pflege bringt der schönste Pin nichts.
Schon seit fast einem Jahr testet Pinterest seine Promoted Pins in den USA. Nun will das Unternehmen besser erfassen, wie die Anzeigen bei den Nutzern ankommen. So jedenfalls verkauft Pinterest die Änderungen seiner Privatsphäre-Richtlinien, die das Unternehmen jetzt in einem Blogbeitrag ankündigte.

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