Umfangreicher Ausbau 30.03.2016, 10:00 Uhr

Snapchat erklärt Facebook den Messenger-Krieg

Snapchat holt aus und bläst zum Großangriff auf Facebook. Mit zahlreichen neuen Features scheint das Duell zwischen kleinem Geist und blauem Riesen in die entscheidende Phase zu gehen.
Wird der kleine Geist in Zukunft auch die Smartphones in Deutschland erobern?
(Quelle: Shutterstock.com/360b)
Lange Zeit hatte Snapchat Probleme, sich in der breiten Bevölkerung in Deutschland durchzusetzen. Während in der Regel vor allem die ältere Generation mit neuen Apps zu kämpfen hat, kapitulierten beim Dienst mit dem kleinen Geist im Logo auch viele Mitglieder der U30-Generation. Das könnte sich nun innerhalb kürzester Zeit ändern.
Mit dem neuesten Update haben die Macher von Snapchat die Zeiten beendet, in denen die Bedienung und das Chatten zu kompliziert für die Allgemeinheit war. Zugleich behält sich der Dienst trotzdem seine Charakteristika wie Verspielheit und Vergänglichkeit (Dateien verschwinden nach 24 Stunden automatisch) bei. 
Snapchat ermöglicht nun Video-Calls, das Verschicken von Bildern und vieles mehr.
(Quelle: Christian Erxleben)

30. März 2016: Der Kampf beginnt

In der Nacht auf Mittwoch hatte Snapchat die iOS-Version 9.27.0.0 ausgerollt. Und wird damit schlagartig zu einem ernsthaften Konkurrenten für den Branchenprimus Facebook, zu dem WhatsApp und der Facebook Messenger gehören.
Der Konkurrent von Snapchat ist in erster Richtlinie momentan noch der Facebook Messenger. Whatsapp, obwohl es noch mehr Nutzer hat als der Facebook Messenger, verfolgt zur Zeit noch kein klares Business-Modell, obwohl Jan Koum auf der DLD angekündigt hatte, dass ein monetärer Ansatz in Zukunft denkbar wäre. Zur Zeit ist der Facebook Messenger die Spiel- und Ausprobierwiese von Mark Zuckerberg, nicht WhatsApp.
Der Nutzer hat nun bei Snapchat etliche neue Chatmöglichkeiten, die auch für Facebook zum Problem werden könnten.
Um in den Chatbereich zu gelangen, reicht ein Wisch von links nach rechts auf dem Startbildschirm. Anschließend das gewünschte Gespräch auswählen. Dort kann der Nutzer nun:
  1. Bilder vom Smartphone hochladen und an Freunde verschicken
  2. Sprach- und Videoanrufe durchführen
  3. Sticker verschicken
  4. Gruppentelefonate durchführen und Videos minimieren
  5. Textnachrichten in unbegrenzter Länge verschicken

Was sich hinter den Änderungen versteckt

Während die neuen Optionen in erster Linie als Verbesserungen für den privaten Nutzer erscheinen, versteckt sich vermutlich in Wirklichkeit viel mehr dahinter. So bieten Sticker eine neue Einnahme- und Vermarktungsquelle. Ein ähnliches Modell wie mit dem existierenden "Lenses Shop" für Filter ist denkbar.
Außerdem eröffnen Bild-Upload und Sprachtelefonie den Zugang zu einer Zielgruppe, die weniger spielerisch veranlagt aber trotzdem bereit ist, neue Anwendungen zu installieren.

Alle reden nur von WhatsApp, dabei gibt es jede Menge Alternativen. INTERNET WORLD Business zeigt die zehn beliebtesten Messenger-Apps.

Ausblick in die Zukunft

Wer nun glaubt, dass die oben angeführten Spekulationen zur Finanzierung von Snapchat an den Haaren herbeigezogen sind, könnte sich täuschen. Neben dem Funktions-Update erneuerte der Messenger auch seine Datenschutzrichtlinien.
Dort steht nun, dass die User-Informationen genutzt werden, um “personalize the services by, among other things, suggesting friends or profile information, or customizing the content we show you, including ads.” Konkret bedeutet das, dass Snapchat private Daten vermutlich auch Werbungtreibenden und Drittanbietern zur Verfügung stellt. Denn im Vergleich zur letzten Datenschutzrichtlinie wurden lediglich die Wörter "including ads" ergänzt. 
Mit dem letzten Update wird Snapchat den Rückstand auf Facebook in puncto Verbreitung und Attraktivität für Werber in den nächsten Wochen und Monaten spürbar verkürzen. Während Facebook seinen Messenger immer mehr zur Business-Plattform umbaut, setzt Snapchat auf die wichtigen Basics. Weniger ist mehr - auch im Messenger-Markt. Das sollte auch Facebook nicht vergessen.

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