Serie, Teil 2
21.11.2016, 08:10 Uhr

Was das neue Penguin-Update bedeutet

Mit dem Penguin-Update erfasst Google Seiten mit unnatürlichem Link-Aufbau - und stuft sie im Ranking zurück. Seit Anfang Oktober funktioniert das sogar in Echtzeit.
(Quelle: Fotolia.com/Quoolio)
Von Bernhard Ollefs, Gründer und Partner der Internet-Agentur Webworks
Obwohl Google den eigenen Such-Algorithmus laufend verbessert und pro Jahr mehr als 200 Veränderungen vornimmt, geht die große Mehrheit aller Änderungen unbemerkt an den Webmastern vorbei. Nur in seltenen Fällen ist der Einfluss auf die Suchergebnisse durch die Updates derart gravierend, dass sie mit einem eigenen Namen versehen werden - und manche von ihnen sorgen dann für großes Aufsehen.
In diese Kategorie fiel das Penguin-Update, das auf eine Abwertung von Webseiten mit manipulativen Link-Profilen ausgerichtet war. Webseiten, die sich mittels "Webspam-Techniken" auf eine bessere Position in den Suchergebnissen mogeln wollten, sollten einen erheblichen Ranking-Nachteil erfahren.

Begründung für das Penguin Update

Das erste Penguin-Update wurde von Google am 25 April 2012 im eigenen "Webmaster-Zentrale-Blog" angekündigt. Die Überschrift des entsprechenden Blog-Beitrags lautete euphemistisch: "Eine weitere Maßnahme zur Belohnung hochwertiger Websites (Penguin)". Im entsprechenden Blog-Beitrag führte Google folgende Zielsetzung für das Update an:

"… In den nächsten Tagen führen wir eine Algorithmusänderung ('Penguin') durch, die SEO-Methoden ins Visier nehmen, die die Grenze zum Spamming überschreiten. Die Änderung wird das Ranking von Websites herabsetzen, die nicht konform mit unseren Richtlinien für Webmaster sind. Dieser Algorithmus ist eine weitere Maßnahme im Rahmen unserer Bemühungen, Webspam zu reduzieren und hochwertige Inhalte zu fördern."

Zu den Webspam-Techniken, die Google in seinen eigenen Richtlinien aufführte, gehörten folgende Methoden:
  • Automatisch generierte Inhalte
  • Teilnahme an Linktauschprogrammen
  • Erstellen von Seiten ohne oder mit nur wenigen eigenen Inhalten
  • Der Suchmaschine wird eine andere URL präsentiert als dem Leser (Cloaking)
  • Irreführende Weiterleitungen
  • Verborgener Text/verborgene Links
  • Brückenseiten
  • Kopierte Inhalte
  • Teilnahme an Affiliate-Programmen ohne ausreichenden Mehrwert
  • Laden von Seiten mit irrelevanten Keywords
  • Erstellen von Seiten mit schädlichen Funktionen, durch die Phishing-Versuche unternommen oder Viren, Trojaner oder andere Badware installiert werden
  • Missbrauch von Rich Snippet Markup
  • Senden von automatisierten Anfragen an Google
Penguin zielte also nicht nur auf Linkspam ab. Da diese SEO-Methode jedoch die verbreitetste Form der Verstöße gegen die Google-Richtlinien war, wurden primär die Fälle einer Abstrafung in Verbindung mit Linkspam bekannt. 

Abstrafung ohne Benachrichtigung

Eine Seite, die von einem Penguin-Update betroffen war, hatte in der Folge mit einem rapiden Rückgang der eigenen Sichtbarkeit zu kämpfen. Diese Sichtbarkeits­abnahme entsprach in ihrer Intensität den Einbrüchen, die zuvor durch die Verhängung von manuellen Maßnahmen (siehe Teil 1 der Serie in Ausgabe 22/2016) ausgelöst wurden: Über Nacht verschwanden wichtige Suchbegriffe von den vorderen Google-Positionen. Die eigene Webseite rankte plötzlich auf den hinteren Ergebnisseiten oder war überhaupt nicht mehr auffindbar.
Da es sich bei Penguin jedoch um eine algorithmisch bedingte Abstrafung handelte, bekamen die betroffenen Webmaster - anders als bei manuellen Google-Maßnahmen - keine Benachrichtigung durch die Google Search Console darüber, dass ihre Webseite "abgestraft" wurde. Bei ­Algorithmusveränderungen wurde die Webseite von Google "neu bewertet" und rankte gegebenenfalls schlechter in den Google-Suchergebnissen.
Algorithmische Penalties werden niemals "manuell" von ­Google-Mitarbeitern, sondern automatisiert verhängt. Ob eine Webseite durch Google Penguin "abgestraft“ wird, ist somit keine "individuelle", also von einzelnen Personen abhängende Entscheidung. Den Ausschlag geben computergesteuerte Algorithmen.
Dennoch ist das Vorgehen bei einer durch "Linkspam" verursachten Penguin-Abstrafung und bei einer manuellen Maßnahme weitgehend ähnlich: Es müssen sämtliche externen Links unter die Lupe genommen und hinsichtlich ihrer Qualität bewertet werden. Dabei sollten nicht nur die Link-Quelle (Art der Webseite), sondern auch die Link-Weise (Art der Verlinkung/Einbindung des Links auf der Linkgebenden Webseite) genau unter die Lupe genommen werden. Im Rahmen des ersten Teils unserer Serie haben wir exemplarisch aufgezeigt, welche Form der Verlinkung Ihrer Webseite Schaden zufügt. ­Diese muss im besten Fall entfernt, mit dem Zusatz "no follow" versehen, oder aber mittels des Google-eigenen "Disavow Tools" unschädlich gemacht werden.
­Sobald der Prozess der Link-Kontrolle ­abgeschlossen ist, wird - bei der manuellen Abstrafung - ein sogenannter Reconsideration Request gestellt. Dabei handelt es sich, wie im ersten Teil der Serie beschrieben, um einen schriftlichen Antrag zur Aufhebung der Google Penalty. Und genau hier unterscheidet sich eine durch Penguin erhaltene Abstrafung von einer manuellen Maßnahme: Bei der algorithmischen Abstrafung wird keine Recon­sideration Request gestellt.




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