Gastkommentar
24.02.2016, 10:00 Uhr

Was Googles AMP für Verlage bedeutet

Heute startet Google offiziell seinen Websiten-Beschleuniger AMP. Was die "Accelerated Mobile Pages" für Verlage und Publisher bedeuten, erklärt Schahab Hosseiny von MSO Digital.
Schahab Hosseiny, CEO von MSO Digital
(Quelle: MSO Digital)
Von Schahab Hosseiny, CEO von MSO Digital
Erst stellte Facebook sein Projekt "Instant Articles" vor, kurze Zeit später kündigte Google mit "Accelerated Mobile Pages" (kurz: AMP) ein ähnliches Projekt an. Die AMP gehen nun am heutigen 24. Februar an den Start, Instant Articles werden am 12. April für alle Verlage offen sein.
Die mobile Performance zu erhöhen, den Code von Webseiten auf ein Minimum reduzieren - die Ziele bleiben bei beiden Projekten dieselben. Ein klares Attest für die fokussierte Bearbeitung der Mobile Opportunities im Kampf um die User-Experience sowie Werbe-Etats für Facebook und Google.

Interessante Partner zum Start

Bereits zum Start von AMP hat Google interessante Seiten gewinnen können. Die New York Times, Zeit Online, Twitter, LinkedIn, aber auch Wordpress und Buzzfeed wollen die neue Technik direkt bei Marktstart testen.
Vor allem die Verlagsoffensive durch Google im Rahmen der Digital-News-Initiative hat den Zugang zu der interessanten Zielgruppe an Verlagen sowie dem wertvollen Content erhöhen dürfen. Dennoch testen zumindest die New York Times und Buzzfeed zeitgleich auch Facebooks Instant Articles. Das Tauziehen scheint also gerade erst anzufangen.
Für Publisher bedeuten die Projekte in Zukunft ein Umdenken bei der Erstellung und Verbreitung von Inhalten. Gerade für Verlage, die jahrelang auf die Hoheit eigener Inhalte mit der eigenen Plattform gesetzt haben, wird hier ein noch intensiverer Bruch stattfinden. Obwohl die Inhalte theoretisch auf dem eigenen Webspace gehostet werden, liegt die Cache-Datei - und damit der direkte Abrufpunkt des Artikels - auf den Servern der Tech-Riesen. Ein direktes Abhängigkeitsverhältnis.
Beide Plattformen schränken zudem massiv die Gestaltung der Inhalte ein. Auch wenn über diverse Module, von Fotogalerien, über Videoeinbindung bis zu Tilt-to-explore-Images und Call-to-Actions, Anpassungen am Layout möglich sind, so ist doch ein völlig freies Gestalten nicht möglich. Portalbetreiber müssen sich also auch optisch von einem Stück Selbstbestimmung trennen. Skalierbarkeit sowie Dominanz des Nutzer-Ökosystems spielen hier für beide Player eine zentrale Rolle.

Monetarisierung wird komplexer

Auch die Monetarisierung des Contents wird komplexer. Denn während auf der eigenen Website Werbeanzeigen in beliebigen Formaten angezeigt werden können, sind diese bei den mobiloptimierten Seiten von Google und Facebook deutlich eingeschränkt. Interstitial- und Take-over-Ads sollen nicht möglich sein. Eine ganz klare Adressierung der zunehmend relevanter werdenden User-Experience im Mobile-Segment.
Ein guter Punkt: Die Steuerung sowohl bei Google wie bei Facebook soll mit Googles DoubleClick-Lösungen kompatibel sein. Damit ist zumindest die Einbindung jeglicher Vermarkter möglich, auch Google AdSense und AdExchange sind bei beiden Anbietern einbindbar. Der Publisher hat also die freie Auswahl des Vermarkters.
Es bleibt abzuwarten, wie Publisher auf die AMP- oder Instant-Articles-Seiten reagieren. Für den Nutzer wird das Erlebnis deutlich verbessert, schließlich werden nicht mehr Sekunden, sondern nur Millisekunden zwischen der Anforderung und der Anzeige der Inhalte vergehen. Dennoch begeben sich Content-Lieferanten in eine zunehmend stärkere Abhängigkeit zu Facebook und Google. Das Korsett wird enger, die Rahmenbedingungen, um mitspielen zu dürfen, schärfer und enger gefasst.
Auf der anderen Seite können Verlage ihre Nachrichten weit intensiver distribuieren. Selbst in  internetschwachen Regionen, die vor allem international noch in einer hohen Anzahl vorhanden sein dürften. Die ersten AGOF- sowie IVW-Auswertungen werden sicherlich sehr schnell aufzeigen, ob ein Traffic-Abschwung, vor allem bei newsorientierten Webangeboten, stattfindet.
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