Expert Insights
29.03.2016, 08:15 Uhr

Das Wachstum der Affiliate-Branche

Die Affiliate-Branche kämpft seit Jahren gegen den Vorwurf, dass ihre Umsätze rückläufig wären. Wie ist es um das Affiliate-Marketing wirklich bestellt? Welche Prognosen lassen sich treffen?
Markus Kellermann, geschäftsführender Gesellschafter bei xpose360
Seit Jahren wird man als Affiliate-Marketer immer wieder mit dem Vorwurf konfrontiert, dass die Umsätze der Affiliate-Branche rückläufig sind und der Kanal zu den aussterbenden Spezies im Online-Marketing-Mix gehören. Woher dieser Vorwurf resultiert, darüber kann man nur spekulieren.
Leider schafft es der BVDW und deren Unit Affiliate-Marketing seit über drei Jahren nicht, Marktprognosen für das Affiliate-Marketing zu liefern. So wurde die letzte Hochrechnung für 2013 abgegeben. So wären doch gerade solche Prognosen für die Branche extrem wichtig, um Online-Marketing-Entscheidern ein sicheres Gefühl für weitere Investitionen in den Kanal zu geben. Warum es der BVDW nicht schafft, darüber kann auch nur spekuliert werden. Zum einen hängt dies sicherlich mit den häufigen Personalwechseln der Mitglieder der Unit Affiliate-Marketing zusammen, aber sicherlich auch an politischen Interessen des OVK, beziehungsweise anderer Verbände und Unternehmen, die gerne den Einfluss des Affiliate-Kanals kleiner reden und das Budget lieber in Display-Advertising oder anderen Kanäle investiert sehen.
Dennoch gehört Affiliate-Marketing mit zu den ältesten und durch das Performance-Modell mit zu den beliebtesten Werbekanälen im Online-Marketing. Im Mutterland des Affiliate-Marketing USA wurden wie jedes Jahr vor Kurzem von Forrester Research wieder die Wachstumsprognosen für die nächsten fünf Jahre veröffentlicht. Demnach rechnet Forrester mit einem jährlichen Wachstum von ca. 10 Prozent und einem Umsatzvolumen der Werbespendings von 4,7 Milliarden US-Dollar in 2016.

Werbeumsatz von 984 Millionen Euro

Und auch PricewaterhouseCoopers hat für Deutschland im Rahmen der "German Entertainment und Media Outlook"-Studie eine Prognose für den Affiliate-Markt veröffentlicht. Demnach soll in 2016 der Werbeumsatz bei 984 Millionen Euro liegen und bis zu 1,03 Milliarden Euro in 2019 steigen.
Zudem hat Axel Springer Anfang März ihren Geschäftsbericht von 2015 veröffentlicht. Demnach konnten in 2015 die Umsätze um 12,8 Prozent gesteigert werden von 517,7 Millionen Euro in 2014 auf 580,7 Millionen Euro in 2015. Auch der Gewinn vor Steuern (EBITDA) konnte um knapp 5,4 Prozent auf 25 Millionen Euro gesteigert werden.
Auch das zur ad pepper media gehörende Affiliate-Netzwerk Webgains hat vor Kurzem ihre Zahlen veröffentlicht. ad pepper beendete dabei das Geschäftsjahr 2015 mit einem Rekordumsatz von 56 Millionen Euro. Hauptwachstumstreiber dabei war Webgains. Die in 2006 gegründete und im selben Jahr von ad pepper übernommene Gesellschaft steuerte mit 73 Prozent den mit Abstand größten Anteil zum Gesamtumsatz der Gruppe bei und ist mit einem Umsatzwachstum von 33 Prozent eines der am schnellsten wachsenden internationalen Affiliate Marketing Netzwerke überhaupt.
Die zahlreichen Fakten belegen also, dass von einer Stagnation oder sogar einem Rückgang der Branche absolut nicht zu rechnen ist.

Steigende Werbespendings

Was unabhängig von der Entwicklung der Netzwerk-Zahlen ebenfalls in den nächsten Jahren der Affiliate-Branche zugutekommt, ist das stetige Wachstum der Internet-Werbespendings im Allgemeinen.
Der Zentralverband der deutschen Werbewirtschaft (ZAW) geht in seiner Prognose für 2016 von weiter steigenden Werbebudgets aus, zeitweise auch angetrieben von Sportereignissen wie der Fußballeuropameisterschaft in Frankreich und den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro. Nach der aktuellen Werbemarktprognose von Zenith-Optimedia wird für das Jahr 2016 weltweit ein Plus von 4,7 Prozent (nominal) erwartet.
Die bisher vorliegenden Prognosen für Deutschland zeigen für die einzelnen Mediengattungen ein differenziertes Bild. ZenithOptimedia erwartet für den Nettowerbemarkt 2016 in Deutschland einen Anstieg um 1,6 Prozent (nominal). Getragen wird das Werbemarkt-Wachstum vor allem von Digital (+7,6 Prozent), TV (+2,5 Prozent) und Outdoor (+3,0 Prozent). Für Zeitungen (-3,4 Prozent), Zeitschriften (-2,1 Prozent) und für den Hörfunk (-0,3 Prozent) wird von ZenithOptimedia ein Rückgang der Nettowerbeumsätze prognostiziert. In den Prognosedaten spiegelt sich weiterhin die strukturelle Umverteilung der Werbeausgaben zugunsten digitaler Angebote wider. Online und Mobile werden ihren Anteil an den Werbeausgaben weiter ausbauen.
Die globalen Trends geben auch für Deutschland die Richtung vor. Das Wachstum des Werbemarktes ist vorwiegend technologiegetrieben. Dank der weiterhin zunehmenden Verbreitung mobiler Geräte, technischer Verbesserungen der Werbeformen und Erhöhung der Werbeformenvielfalt sowie der technischen Innovationen bei der Aussteuerung von geräteübergreifenden Kampagnen wird mit einem deutlichen Zuwachs bei den Werbeinvestitionen gerechnet.
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