Expert Insights 26.07.2016, 08:10 Uhr

Pokémon Go: Wie man die Plattform monetarisiert, ohne Nutzer abzuschrecken

Der Hype hört nicht auf: Pokémon Go ist längst mehr als nur ein Mobile Game und erst die Spitze des Eisbergs. Eine umfassende Revolution im Location-Based-Advertising steht bevor.
Julien Gardès, Managing Director for Continental Europe und MENA bei Rubicon Project
"Ich habe auf dem Kurfürstendamm ein wildes Taubsi gefangen!" hat man früher nicht gerade oft gehört. Aber seit Pokémon Go die Welt erobert, fallen solche Sätze häufiger. Möglicherweise sollten Sie sich daran gewöhnen. Viele Werbeexperten sind schwer verwirrt von Pokémon Gos kometenhaftem Aufstieg. Obwohl das Spiel erst seit einer Woche angeboten wird, hat es schon mehr Nutzer pro Tag als Twitter und macht sogar Facebook Konkurrenz.
Als die kostenlose Smartphone-App veröffentlicht wurde, war noch nicht klar, wie sie monetarisiert werden könnte und inwieweit Werbepartner eingebunden würden. Inzwischen aber wissen wir, dass ortsgebundene Werbung (Location-Based-Advertising) im Finanzierungskonzept der Spieleplattform eine wichtige Rolle einnehmen wird. Im Interview mit der "Financial Times" erklärte Niantics CEO John Hanke, dass Werbungtreibende auf "Cost per Visit"-Basis zahlen würden, ähnlich der "Cost per click"-Zahlweise bei Googles Suchmaschinenwerbung.

Location-Based-Advertising und Targeting

Schon jetzt sieht es so aus, als würde Niantic, das Unternehmen hinter Pokémon Go, damit viel Geld verdienen. In Wahrheit ist das Potenzial jedoch noch viel größer. Pokémon Go ist erst die Spitze des Eisbergs. Eine umfassende Revolution im Location-Based-Advertising steht bevor. Technische Fortschritte bei Geo-Targeting, Geo-Fencing und programmatischem Mediaeinkauf sorgen dafür, dass Werbungtreibende ihre Kunden jetzt bis aufs Gebäude, in dem sie sich aufhalten, genau ansprechen können.
So haben sie Gelegenheit, die jeweils passende Werbung auszuspielen, wann und wo es den größten Mehrwert für eben diese Kunden bringt: Führende Unternehmen im Location-Based-Advertising, die Werbungen auf mobile Endgeräte bringen, ermöglichen es Werbungtreibenden, bestimmte Gebäude auf Karten abzugrenzen und diese Auswahl mit den Signalen mobiler Endgeräte abzugleichen. Mittels dieser Technologie entsteht einer gigantische Datenbank von wortwörtlich hunderttausenden Standorten in der physischen Welt, jeder einzelne mit Labeln wie "Fast-Food-Liebhaber" oder "Autoausstellungen" klassifiziert. Werbungtreibende können diese nutzen, um bestimmte Kundengruppen mit mobilen Anzeigen anzusprechen.
Wenn Niantic diese Technologie vollständig integrierte, dann würden die Targeting-Möglichkeiten noch deutlich feingliedriger und eröffneten ein immenses Potenzial. Richtig angewendet würden sie die Pokémon-Go-Nutzer auch nicht abschrecken. Tatsächlich könnte sie das Spieleerlebnis sogar verbessern: Mit einem nativen Werbeansatz - auch in diesem Bereich wird programmatische Technik für eine Revolution sorgen - können Marken ihre Botschaften deutlich kreativer und relevanter vermitteln. Sie integrieren sich zugleich nahtlos in den Content der Umgebung und in das Nutzererlebnis.

Augmented Reality

Werbungtreibende beschäftigen sich zudem seit einiger Zeit mit den Möglichkeiten von Augmented Reality (AR). Für eine Spieleplattform wie Pokémon Go ist das natürlich hochrelevant. Net-A-Porter beispielsweise hat mit Augmented Reality den Schaufensterbummel in ein völlig neues Erlebnis verwandelt: Der Online-Händler für Luxusmode hat AR-Schaufenster in Paris, New York, London, München und Sydney gestaltet, um Karl Lagerfelds neue Kollektion zu bewerben. Die Schaufenster sahen zwar völlig normal aus. Betrachtete man sie aber durch die Karl-App von Net-A-Porter, konnten sich die Käufer Videos vom Laufsteg, Produktinformationen und Rundumansichten anschauen und die Waren kaufen. Net-A-Porter zeigt, dass Marken jedwede Location nutzen können, um Augmented-Reality-Erlebnisse zu erschaffen. Die kreativen Möglichkeiten sind endlos.
Während die Technik sich weiterentwickelt, könnten wir sogar erste markenbasierte Pokémons sehen. Neue Features könnten programmatische Technologie nutzen, um sich ins Spiel zu integrieren, beispielsweise indem sie E-Coupons oder andere Anreize einbinden. Werbungtreibende sollten ihre Lektion aus dem Aufstieg der Adblocker lernen und Anzeigen entwickeln, die sich ins Erlebnis einfügen, statt es zu stören. Dann hat digitale Werbung definitiv einen Platz in der Gaming-Revolution, die Niantic gerade begonnen hat.
Wenn Sie Poménon Go also jetzt schon für eine große Sache halten: Wappnen Sie sich für die noch viel größeren Möglichkeiten, die sich erst am Horizont zeigen. Vielleicht gibt es schon ein programmatisch verbessertes Pokémon-Erlebnis ganz in Ihrer Nähe.





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