Expert Insights 26.07.2017, 08:10 Uhr

Das sind die 5 wahren Trends im Performance Marketing 2017

Trend-Artikel basieren meist auf Umfragen, Geschäftsentwicklungen und Ähnlichem, aber ich frage mich manchmal: Könnte man die wahren Trends und Innovationen nicht noch besser da erfassen, wo sie unmittelbar passieren?
Alexander Gösswein, Managing Director Central Europe bei Criteo
Nicht nur zum Jahreswechsel sind die Fachblätter voll von Artikeln mit Marketing-Trends, auch unter dem Jahr sind sie beliebt. Kein Wunder, schließlich verschaffen sie dem Leser einen schnellen und präzisen Überblick über die Entwicklungen der Branche.
Dabei basieren Trend-Artikel meist auf Umfragen, Geschäftsentwicklungen und Ähnlichem, aber ich frage mich manchmal: Könnte man die wahren Trends und Innovationen nicht noch besser da erfassen, wo sie unmittelbar passieren? Ich denke da an außergewöhnliche Kampagnenkonzepte von E-Commerce-Unternehmen, an neue Angebote von Technologieanbietern und innovative Start-ups.
 
Auch unsere Performance Marketing Awards, die im Mai verliehen wurden, boten solche Einblicke. Eine Vielzahl an Einreichungen hatte uns in diesem Jahr erreicht, die ich als Jury-Mitglied direkt sichten konnte. Hier konnte man gewisse Tendenzen herauslesen, die die Branche bewegen.
Daher zum Start des zweiten Halbjahrs hier die vielleicht unmittelbarsten Trends im Performance Marketing:

1. Programmatische Lösungen erreichen den Mittelstand

Schaut man sich den Markt für programmatische Lösungen an, erkannt man schnell, dass zuallererst große Unternehmen mit entsprechenden Marketingbudgets als Zielgruppen gesehen werden. Doch hier ist einiges im Wandel. So bietet Match2One etwa eine Programmatic-Advertising-Lösung für den Mittelstand, inklusive der Möglichkeit, eigene Banner Ads zu gestalten und so Programmatic-Prospecting-Kampagnen im Performance- und Retargeting-Bereich zu starten.
 
Auch Attributionstools sprengen in den meisten Fällen die Budgets kleinerer und mittlerer Unternehmen, weshalb hier meist Google Analytics zum Einsatz kommt. An diesem Punkt knüpft zum Beispiel AdTriba an. Das Unternehmen ermöglicht es Werbetreibenden, ihre Online-Marketing-Aktivitäten durch Data Science und User-Journey-Analysen über verschiedene digitale Marketing-Kanäle hinweg zu erfassen, zu steuern und zu optimieren.
 
Dies sind nur zwei von mehreren Beispielen, die zeigen: Lösungen für den Mittelstand sind ein Topthema 2017.

2. Performance KPIs halten bei Social Media Einzug

Nicht erst seit dem viel diskutierten Interview des Manager Magazin mit Caro Daur, einer von Deutschlands erfolgreichsten Influencerinnen, steht die Frage nach der Messbarkeit von Influencer Marketing im Raum. Schon länger ist im gesamten Social-Media-Bereich die Tendenz zur Gewinnung von exakt messbaren KPIs zu beobachten.
 
Ein spannendes Beispiel, dass gerade Influencer Marketing mehr sein kann als wirkungsvoll in Szene gesetzte Produkte zur Steigerung der Markenbekanntheit, zeigt FinanceAds. Das Netzwerk ist auf Performance-basiertes Online Marketing in der Finanzindustrie spezialisiert und arbeitet erfolgreich mit Banken, Versicherungen oder FinTechs zusammen. Also Unternehmen, deren Produkte als eher unsexy gelten. Doch gerade hier setzt FinanceAds mit einem rein performance-basierten Influencer Marketing an. Bei fachbezogenen YouTube Publishern laufen mit einem Trackinglink versehene Kampagnen, die Finance Advertiser vergüten rein auf Performance-Basis anhand klar messbaren KPIs.
 
Auch im Rahmen von Paid Social sind die Möglichkeiten für Unternehmen sehr vielseitig. Lesara testet bei Facebook Dynamic Product Ads zum Beispiel regelmäßig aktualisierte Produkte auf ihre Werbeattraktivität. Budgets lassen sich somit effizienter auf die erfolgreichen Produkte allokieren und die gewonnenen Erkenntnisse in anderen Marketingkanälen nutzen. Der Einsatz von Feed Ads als Basistool im Onlinemarketing ist außergewöhnlich innovativ und zeigt klar die Möglichkeiten auf, die es bei Social Media zu erschließen gilt.

3. Performance-Aspekte sind bei Content Marketing auf dem Vormarsch

Nicht nur bei Social Media, auch im Bereich Content Marketing sind innovative und exakt messbare Ansätze im Trend. Um nur ein Beispiel zu nennen: Mediaworx berlin entwickelte mit Arag zusammen eine SEO-Kampagne mit dem Ziel, eine nutzerzentrierte und langfristige Markenrelevanz zu schaffen.
Auf dem Blog "Auf ins Leben" wurden daher regelmäßig themenrelevante und qualitativ hochwertige Redaktionsbeiträge gepostet, die auf ein beachtliches Interesse stießen. Die Sichtbarkeit des Unternehmens in den Google-Suchergebnissen stieg enorm, im Ergebnis steht eine Steigerung der monatlichen Besucher um 2.000 Prozent auf heute hunderttausend Besucher.

4. Offline und Online wachsen zusammen

Die geräteübergreifende Kundenansprache war eines der großen Trendthemen der letzten Jahre; heute gehen die Entwicklungen bereits den nächsten Schritt, Cross-Channel-Marketing ist das Thema der Stunde. Offline-Erkenntnisse online nutzbar zu machen und umgekehrt ist so etwas wie der heilige Gral der Marketer heute, um die Werbeeffizienz zu steigern, aber auch um gezielt mehr Umsätze zu generieren. Zu einem 360-Grad-Kundenbild ist es natürlich noch ein weiter Weg, aber es gibt sie schon - die wichtigen und erfolgreichen ersten Schritte; ein Beispiel:
 
Metapeople und Deichmann haben in diesem Feld einen interessanten Ansatz entwickelt, der sich des Geo-Targetings bedient, um besucherschwache Filialen zu stärken. In Testregionen kam Location Based Advertising in Form von Google Local Inventory Ads zum Einsatz, um potenzielle Käufer in die Filialen zu locken. Diese gezielten Online-Maßnahmen dienten zugleich als ideales Messinstrument des Online to Offline Impacts. 

5. Viele Innovationen liegen im Detail

Ein wenig überrascht waren wir bei der Jury letztlich, wie viele Bewerbungen sich mit Optimierungen auf Detail-Level beschäftigt haben. Manches wirkte auf den ersten Blick wie schon lange existent, doch auf den zweiten Blick offenbarte sich, dass selbst in scheinbar breitgetretenen Bereichen doch noch spannende Innovationen auf granularer Ebene möglich sind. Das ist meine vielleicht wichtigste Erkenntnis: Unabhängig von Unternehmensgröße, Branche oder Spezialisierung - es braucht nicht unbedingt die großen Ressourcen, um Innovationen zu treiben.




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