Stephan Theiß 09.12.2015, 08:10 Uhr

Gelbe Seiten: "Die Mediengattung ist zweitrangig"

Es gibt sie noch als Buch, längst aber auch schon online: Wie digital die Gelben Seiten inzwischen sind und wie das Verhältnis zu Google ist, erklärt Geschäftsführer Stephan Theiß.
Stephan Theiß, Geschäftsführer der Gelbe Seiten Marketing Gesellschaft
(Quelle: Gelbe Seiten)
Wer ist Gelbe Seiten? Branchensuche, Ratgeber-Portal, Marktplatz?
Stephan Theiß: Gelbe Seiten ist und war schon immer ein Marktplatz. Wir stellen eine Plattform bereit, auf der KMUs ihre Kunden akquirieren können. Auf der anderen Seite kann dort der Endverbraucher und User seinen passenden Anbieter finden. Früher gab es den Marktplatz ausschließlich in Buchform und Kontakte wurden noch recht abstrakt angebahnt. Mittlerweile geschieht das durch die digitalen Produkte viel direkter. Wir führen die Direkttransaktionen aber nicht aus, bahnen sie aber an. Hinter Gelbe Seiten stehen 16 regionalen Medienhäuser und DeTeMedien. Diese sind zum einen Betreiber und Herausgeber von Gelbe Seiten. Zum anderen sind sie aber auch Medienberater für den kleinen und mittelständischen Kunden, sie bieten Werbe- und Kundenakquisitionsleistungen auf Gelbe Seiten und anderen Medien, die der lokale Werbungtreibende braucht, an.
Was sind die Kernpfeiler ihrer Digitalstrategie?
Theiß: Das ist zum einen das Matching von Kunden und Anbietern, das wir stetig weiter optimieren, damit der Endverbraucher schnellstmöglich und bequem den richtigen Ansprechpartner findet. Der zweite Eckpfeiler ist Mobile. Unsere Suche richtet sich primär nach den mobilen Geräten aus. Der dritte Aspekt ist, dass wir auf unserem Marktplatz immer mehr vom Pull- zum Push-Gedanken übergehen. Das heißt, wir werden smarter, intelligenter und empfehlen aktiv - etwa indem wir lokalbasiert Angebote ausspielen.
Das ganze Thema Location Based ist aktuell ihr Marketing-Schwerpunkt?
Theiß: Ja, das ist insofern für uns ein wichtiges Thema, da es sehr gut zu uns und unseren regionalen Anbietern passt. Wir bilden damit eine digitale Brücke. Denn wir verstehen uns als Marktplatz, der sowohl in Buchform als auch in digitaler Form existiert. Aber es ist eben kein klassischer E-Commerce-Marktplatz, der Produkte anbietet. Wir sehen uns als Marktplatz, wo stationäre reale Anbieter, vor allem Dienstleister, ihre Nutzer und Kunden finden. Das heißt, wir bringen reale Kunden mit realen Anbietern zusammen. Und da sind Local based Services für uns die letzte Meile bei der Kundenakquise.
Wie sieht bei Ihnen die crossmediale Verzahnung aus: Würde Online inzwischen auch ohne Print funktionieren?
Theiß: Für mich ist die Mediengattung als solche erst einmal zweitrangig und die mediale Ausprägung spielt bei uns keine Rolle. Wir bringen mit unserem Dienst Nutzer und Gewerbetreibende zusammen. Dafür ist die Mediengattung relevant, die der User gerade nutzen möchte. 48,1 Prozent der Deutschen nutzen das Buch mindestens einmal im Jahr als Informationsquelle und um darüber Kontakt aufzunehmen. Das gleiche macht auch ein User übers Internet, egal ob Desktop oder Mobile. Wir gehen also dorthin, wo der User ist und wo er Kontakt aufnehmen möchte. Deswegen sind wir auch als Verlängerung unseres Dienstes auf Facebook und Co vertreten. Denn dort sind die Kunden unserer Kunden unterwegs.
Wie sieht Ihre Social-Media-Strategie aus?
Theiß: Wir nutzen Google+, auch wenn der Kanal für uns keine große Bedeutung hat, und Twitter für unsere B2B-Kommunikation. Facebook hat für uns zwei wichtige Funktionen: Wir wollen mit den Nutzern in Interaktion treten, einmal über unseren klassischen Brand-Channel von Gelbe Seiten. Hier versuchen wir in den Dialog zu treten und den User direkt anzusprechen. Wir setzen auf Servicethemen, Tipps und Trends oder auch Virales, um Gelbe Seiten als Marke erlebbar zu machen. Daneben gibt es vier zusätzliche Themen-Channels auf Facebook. Das sind Verlängerungen unserer vier Themen-Bereiche von Gelbe Seiten. Der Nutzer kommt inzwischen einfach nicht mehr nur über die Suche oder die Direkt-Eingabe, sondern zunehmend stärker über die sozialen Netzwerke.
Den größten Teil ihres Traffics bekommen Sie aber über Suchmaschinen?
Theiß: In Summe auf GelbeSeiten.de ja. Bei den Themen-Bereichen dauert es etwas bis man sich im Suchindex nach oben gearbeitet hat, daher ist da tatsächlich Facebook unser stärkster Kanal. Wir haben grundsätzlich etwa sechs Millionen Unique User auf Gelbe Seiten und gut 40 Prozent des Gesamt-Traffics kommt von mobilen Geräten.



Das könnte Sie auch interessieren