Inhalt statt Werbefloskel
23.04.2015, 09:30 Uhr

Content Marketing: Vom Advertiser zum Verlag

Content-Marketing wird immer bedeutsamer - vor allem für Werbungtreibende. Immer öfters setzen Unternehmen auf interessanten Content statt bezahlter Werbung.
Notizzettel mit Aufschrift Content
(Quelle: shutterstock.com/Filipe Frazao)
Als im September 2014 Google bekannt gab, künftig Texte weniger nach der Art der Quelle als nach ihrem Inhalt zu bewerten, blieb diese Meldung weitgehend unbeachtet. Was Googles neue Form der Textbewertung in der Praxis bedeutet, wurde Ende Februar 2015 erstmals im Content-Marketing deutlich: Der SIM-Karten-Hersteller Gemalto war plötzlich und unvorbereitet in den ­Fokus der Öffentlichkeit geraten.
Berichten des Whistleblowers Edward Snowden zufolge hatten die NSA und ihr britisches Pendant GCHQ offenbar die Server des niederländischen Unternehmens gehackt und so den geheimen SIM-Verschlüsselungsalgorithmus decodiert. Wer in der Folge auf Google nach Informationen zu dem Vorfall suchte, fand die Gemalto-Pressemeldung vor den Berichten der Weltpresse - in Mountain View hatte man erstmals weltweit sichtbar einer von einem Unternehmen lancierten Meldung den Vorzug gegeben vor Berichten von unabhängigen Medienmarken. Grund genug für Florian Harms, Chefredakteur von "Spiegel Online", via Twitter von ­einem "Dammbruch" zu sprechen.

Content-Marketing: Unternehmen brauchen Journalisten nicht mehr

Für Medienschaffende und Kommunikatoren stellt dieses Ereignis eine Zäsur dar: Ein Unternehmen, das im Netz etwas Wichtiges zu sagen hat, muss sich dafür nicht mehr eines Mittlers bedienen, sondern kann die Nachricht einfach als Content auf der eigenen Website veröffentlichen. Sind Pressestellen und PR-Agenturen, die Journalisten pampern, also überflüssig? Das hört sich zu einfach an, um wahr zu sein - und das ist auch so. Dennoch: Die Kommunikationslandschaft ändert sich derzeit mit rasender Geschwindigkeit, es findet ein Paradigmenwechsel statt.
Für Social-Media-Experten wie Klaus Eck geht es dabei im Kern um Glaubwürdigkeit. In der zunehmend fragmentierten Medienwelt von heute verschwimmen immer mehr die Grenzen zwischen redaktionellen und werblichen Aussagen - und die Rollen der Teilnehmer im medialen Zirkus. Journalisten bei Special-Interest-­Titeln müssen sich des Vorwurfs erwehren, Interessen ihrer Anzeigenkunden in ihre redaktionelle Berichterstattung einfließen zu lassen, und so mancher Fach-Blogger ist in seiner Content-Marketing Strategie mehr von wirtschaftlichen Abhängigkeiten gesteuert, als es nach außen hin den Anschein hat.
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