Anti-Adblocker 26.04.2017, 08:10 Uhr

Dominik Reisig von AdDefend: "Wir kooperieren in keiner Weise mit Eyeo"

Adblocker sind ein Dauerbrenner. Maßnahmen dagegen gibt es inzwischen einige, spannend ist die technische Aufrüstung durch "Counter Blocks". Was genau hinter diesem Geschäftsmodell steckt, erklärt Dominik Reisig vom Anbieter AdDefend.
Dominik Reisig, CEO AdDefend
(Quelle: AdDefend)
Was steckt hinter AdDefend, was ist Ihr Geschäftsmodell?
Dominik Reisig: Die AdDefend GmbH gibt es seit Ende 2015, sie ist komplett unabhängig. Wir haben uns auf Adblock Advertising, die Auslieferung von digitalen Werbemitteln an Adblock-Nutzer spezialisiert. Wir reaktivieren und monetarisieren Reichweite, die von Adblockern unterdrückt wird und erreichen damit Nutzer, die normalerweise mit digitaler Werbung nicht mehr erreichbar sind. Anfang 2016 haben wir begonnen, die Reichweite selber zu vermarkten und sie Advertisern anzubieten. Wir sehen, dass diese Kampagnen von den Nutzern gut angenommen werden und erzielen gleichwertige, teilweise im Vergleich zur normalen Reichweite sogar bessere Kampagnenergebnisse. Die meisten der Kunden, die aktuell auf unserer Reichweite laufen, waren immer sehr Performance-orientiert und haben nur gebucht, wenn die Zahlen auch passen. Bei unserem Geschäftsmodell geht es um Premium-Reichweite, die sehr gut konvertiert.
Daneben unterstützen wir vermehrt Publisher und Vermarkter dabei, selbst auf das Inventar zurückzugreifen und Kampagnen an die Adblocker-Nutzer auszuspielen. Das war lange schwierig, da die Advertiser fast schon "Angst" vor der Reichweite hatten und negative Effekte befürchteten, wenn man Adblocker-Nutzern geblockte Werbung wieder ausspielt. Da wir aber nachweisen konnten, dass User die Ads annehmen, wenn man es nicht übertreibt, interessieren sich jetzt auch Advertiser oder Media-Agenturen dafür.
 
Sie arbeiten also letztlich mit der ganzen Branche zusammen?
Reisig: Ja, denn wir verstehen uns als Plattform zur Monetarisierung der Adblocker-Reichweite. Wer diese monetarisiert, ist für uns letztlich nicht wichtig. Über uns können Publisher die zusätzliche Reichweite reaktivieren und wieder vermarkten. Ursprünglich haben wir mit Publishern gesprochen, weil das Problem diesen zuerst bewusst wurde. Dann kamen die Advertiser. Bei allen Teilnehmern gab es anfangs Skepsis, viele wollten auch nicht wahrhaben, dass sie davon betroffen sind und Maßnahmen ergreifen müssen. Das hat sich deutlich geändert, das Interesse wächst. Denn der Nutzer kann inzwischen auf vielen digitalen Kanälen einfach nicht mehr erreicht werden. Wir arbeiten inzwischen mit großen Publishern wie spiegel.de und Chefkoch und Advertisern wie DriveNow, Fernet Branca und StayFriends zusammen. Da Publisher und Advertiser mit dabei sind, steigt auch das Interesse der Vermarkter.
Wie läuft das technisch ab?
Reisig: Wir binden den AdServer der Publisher oder Vermarkter, die auf die AdDefend Reichweite zugreifen möchten, an unsere Plattform an. Über diesen AdServer wird dann Werbung an die Adblocker-Nutzer ausgeliefert. Zudem haben wir auch einen eigenen AdServer. Unsere Lösung identifiziert, ob ein Nutzer einen Adblocker installiert hat. Ist dies der Fall wird ein verschlüsselter Ad Request ausgesandt, den die Adblocker Software nicht als solchen erkennt und ein alternatives Werbemittel, das der Adblocker ebenfalls nicht als solchen identifizieren kann, wird ausgespielt. Wenn wir durch unsere Vermarktung Umsatz für den Publisher generieren, zahlen wir einen Revenue-Share an ihn aus. Wenn der Publisher unser System nutzt, um Anzeigen auszuliefern, zahlt er eine Umsatzbeteiligung an uns.

"90 bis 95 Prozent der geblockten Reichweite kann man zugänglich machen"

Wie viel Prozent der geblockten Reichweite machen Sie zugänglich?
Reisig: Über 20 Prozent der deutschen Internetnutzer haben einen Adblocker installiert und sind digital nicht mehr erreichbar. 90 bis 95 Prozent dieser geblockten Reichweite kann man wieder zugänglich machen. Die restlichen Prozent entfallen auf "Hardcore"-Adblocker-Nutzer, die etwa die Webseite optisch verändern, um keine Werbung eingeblendet zu bekommen.
 
Was unterscheidet Sie von Wettbewerbern?
Reisig: Wir haben uns hier in Deutschland zuerst mit diesem internationalen Thema beschäftigt und bieten Premium-Reichweite. Wir sind keine Copy Cat aus den USA. Auf internationalem Level gibt es natürlich Anbieter wie PageFair oder SourcePoint, diese kamen aber nach uns oder machen keine Werbeauslieferung oder Monetarisierung.
Sind reine Tech-Lösungen wie Ihre der "Heilige Gral“? Wie sinnvoll sind andere Maßnahmen?
Reisig: Ich halte Initiativen wie die "Coalition for Better Ads" grundsätzlich für sehr sinnvoll und wichtig. Denn es gibt durchaus berechtige Gründe für den Einsatz von Adblockern. Man muss erst einmal sehen, dass das Problem nicht größer wird. Da ist Deutschland zum Glück schon recht weit. Daneben muss man versuchen Adblocker nicht weiter zu stärken. Ein Whitelisting bei einem Adblocker führt unweigerlich dazu, dass die Adblocker-Reichweite steigt. Denn wenn man sich von Eyeo auf die Whitelist setzen lässt, kostet das Geld. Dieses Geld wiederum finanziert Eyeo ein weiteres Wachstum. Auf Nutzerseite wiederum muss ein Bewusstsein dafür geschaffen werden, dass die Produktion von qualitativ hochwertigem Content kostenintensiv ist, und die Akzeptanz von Werbung für Nutzer letztendlich bedeutet, dass sie den Zugang dazu mit ihrer Aufmerksamkeit statt mit Geld bezahlen können. Man wird allerdings nie 100 Prozent der Nutzer dazu bringen, den Adblocker zu deaktivieren. Hier glaube ich dann tatsächlich, dass sich Lösungen wie unsere durchsetzen werden.
Mobile ist kein Thema bei Ihnen?
Reisig: Wir haben Mobile auf dem Schirm, aber da wir hauptsächlich in Zentraleuropa unterwegs sind, beschäftigen wir uns technologisch noch nicht damit, auch wenn es technisch dem Desktop-Vorgang sehr ähnlich ist. Wenn das Thema hier eine größere Relevanz erlangt sind wir in der Lage, zeitnah eine Lösung zu entwickeln. Ansonsten kümmern wir uns um die Themen Conversion- und Visibility-Tracking und Programmatic. Wir öffnen unser Inventar im Moment für die automatisierte Werbeauslieferung, was ein sehr wichtiger Schritt bei der Monetarisierung sein wird.
Wie ist Ihr Verhältnis zu Anbietern wie Eyeo?
Reisig: Natürlich wird oft gesagt, dass wir von ihnen profitieren. Die Geschäftsgrundlage unseres Unternehmens ist einfach Anti-Adblocking. Wir kooperieren aber in keiner Weise mit Eyeo. Wenn es Eyeo und Co nicht gäbe, gäbe es das Problem ja auch nicht und dann wäre es auf dem ganzen Markt entspannter. Klar würde unser Geschäftsmodell dann wegfallen, aber dann würden wir uns eben mit etwas anderem beschäftigen.

Zur "Coalition for better ads" gehören Google, Facebook, AppNexus oder die Verbände BVDW und IAB. Sie wollen bessere Online-Werbung schaffen und haben dafür untersucht, welche Desktop- und Mobile-Werbeformate beim Nutzer nicht gut ankommen.





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