Expert Insights 12.04.2017, 09:10 Uhr

App Stores: Jetzt geht es ums Engagement

Nutzer müssen für ein besseres App Store Ranking verstärkt zur Nutzung der eigenen App motiviert werden. Aber wie lässt sich das Engagement steigern?
Ingo Kamps, freier Online Marketing Consultant und Berater der Electronics Online Group (EOG) der MediaMarktSaturn Retail Group
Im Oktober 2015 habe ich hier in den Expert Insights die Frage aufgeworfen, ob das defekte App Store Ranking wieder heilen kann. Nun - knapp 1,5 Jahre später - sind endlich erste Bemühungen der App-Store-Betreiber erkennbar. Durch sie werden sich App Marketing-Kampagnen signifikant verändern müssen.
Bis heute kann niemand sagen, wie genau die Algorithmen des Apple App Stores und bei Google Play arbeiten. Als sicher darf aber gelten, dass App-Geschwindigkeit, Update-Management und vor allem die Anzahl der Downloads eine zentrale Rolle beim Ranking spielen. Aktuelle App-Marketing-Kampagnen werden daher zumeist darauf ausgelegt, die eigene App massenhaft auf die Smartphones und Tablets der Nutzer zu bekommen und dadurch das eigene Ranking innerhalb der App Stores zu verbessern.
Vieler dieser App-Installationen kommen dann häufig nicht mal von echten Nutzern, sondern werden beispielsweise mit simulierten Install-IDs einfach gefälscht. Der Download-Counter geht schließlich trotzdem nach oben und damit auch das Ranking im App Store.

App Engagement bei Google Play

Bei Google Play kommt jetzt mit dem App Engagement eine weitere Metrik hinzu, die Apps belohnen soll, die von ihren Nutzern auch ausgiebig genutzt werden. Mit diesem neuen Schwerpunkt ist die Hoffnung verbunden, dass es Spammern mit gefakten Downloads und Bewertungen weniger als in der Vergangenheit gelingt, ihre Apps ans obere Ende der Rankings zu bugsieren.
Dies stellt einen klaren Fortschritt gegenüber der alten Download-Messgröße dar, auch wenn zu befürchten ist, dass findige Marketer neue Wege finden werden, auch den angepassten Algorithmus zu ihren Gunsten zu beeinflussen. Daher muss Google seine Ranking-Faktoren kontinuierlich weiterentwickeln und noch weitere Signale hinzunehmen, zum Beispiel Conversion Rates. 

Änderungen bei Apple

Auch bei Apple gibt es Veränderungen: So erschienen bei einem kürzlich durchgeführten Algorithmus-Update plötzlich verschiedene kostenpflichtige Apps in den Top-Charts, die über kein nachgelagertes Abo-Modell oder In-App-Käufe verfügen. Somit lässt sich vermuten, dass Apple Umsatzpotentiale einer App zwar als Metrik heranzieht, wiederkehrende Umsätze (etwa bei Abos) aber nicht mehr gegenüber Apps mit einer Einmalzahlung bevorzugt werden. Dadurch können jetzt auch Apps in die Top-Charts vorstoßen, denen dies bisher durch ihre Monetarisierungsart verwehrt wurde.   
Darüber hinaus hat sich Apple in der Version 10.3 seines Betriebssystems iOS einem Thema angenommen, das in der Vergangenheit immer wieder für Ärger gesorgt hat. Endlich können App Anbieter ihre Nutzer offiziell um die Abgabe einer Bewertung bitten. Allerdings sind die Anfragen jährlich auf Drei limitiert und der Nutzer hat die Möglichkeit, die Anfragen in seinen Einstellungen komplett zu blockieren.
Die Algorithmen der App Stores werden noch lange nicht so ausgereift sein, wie beispielsweise bei der Google-Suchmaschine (und selbst dort werden die Suchergebnisse bis zum heutigen Tag oft manipuliert). Trotzdem zeigen die jüngsten Änderungen, dass die App Store-Betreiber die Notwendigkeit zur Pflege ihre umsatzstarken Ökosysteme erkannt haben, damit auch ehrliche App-Entwickler eine Chance auf Umsatz haben. Und mit Progressive Web Apps und Android Instant Apps stehen schon neue Technologien in den Startlöchern, mit dem die Karten im App-Bereich möglicherweise ganz neu gemischt werden.




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