Gastkommentar 02.11.2015, 09:05 Uhr

Bitte bei den Tatsachen bleiben, lieber bevh!

Der öffentliche Streit zwischen Gerrit Heinemann, Leiter des eWeb-Research-Center an der Hochschule Niederrhein, und dem bevh über die E-Commerce-Zahlen aus dem Verband geht in die nächste Runde.
Gerrit Heinemann
Bei allem Disput in der Sache sollte die Sachdiskussion über die Online-Zahlen doch bitte schön bei den Tatsachen bleiben, auch beim bevh! Kritik an der Sache darf einen Verband nicht zu persönlichen Attacken oder gar Diskreditierungen provozieren lassen. Die Darstellung, dass Gespräche verweigert werden, ist schlicht und ergreifend falsch.
Insbesondere in den letzten fünf Jahren wurden regelmäßige Gespräche in der Sache - und auch anderen unterstützenden Themen - mit dem bevh und seinen zuständigen Mitarbeitern geführt, und zwar mit erheblichem Zeit- und persönlichem Kostenaufwand. Deswegen geht es hier nun wirklich nicht (mehr) um eine weitere Diskussion über die Methodik. Diese ist sehr wohl zugänglich und bekannt, auch wenn sie als Basis für Online-Wirtschaftsdaten in hohem Maße angreifbar ist und zudem noch eine Menge Geld aus Mitgliedsbeiträgen kostet.

Falsch und verwirrend

Der bei der INTERNET WORLD Business erschienene Kommentar "Selbstgemachter Zahlensalat im E-Commerce" greift ausschließlich Inkonsistenzen und nachgewiesene Fehler in der Zahlendarstellung auf und spricht mit keinem Satz die Methodik an. Auch die INTERNET WORLD Business bestätigte im Vorfeld die festgestellten Zahlenbrüche und bekräftigte die skizzierten Fragezeichen, die durch die bevh-Studie aufgeworfen werden.
Zu den dazu ganz konkret an ihn gestellten Fragen hat sich der bevh in der Tat bis heute nicht geäußert. Auch nicht in seinem öffentlich gestellten Brief - bis auf den Hinweis zur Mehrwertsteuer, der im Abgleich mit den dargestellten Zahlen leider falsch ist. Oder zumindest verwirrend, weil die Bezugsbasis zur Bruttozahl auf fast jeder Seite der bevh-Studie differiert.
Dass der bevh wochenlang keine Antwort gab und stattdessen schließlich nur wieder ein Grundsatzgespräch über die Methodik anbot, sollte auch erwähnt werden. Aber wie gesagt, um die Erhebungsmethode ging es in diesem Fall nun wirklich nicht (mehr) und bevor nichts zu den "real existierenden" Ungereimtheiten der Zahlendarstellung selbst gesagt oder diese gar richtig gestellt werden, macht ein noch einmal wiederholtes Methodengespräch einfach keinen Sinn.

Verbesserungsvorschläge wurden nicht umgesetzt

Auch vor dem Hintergrund der gewonnen Eindrücke aus den vielen Gesprächen der letzten Jahre, dass die geäußerten Verbesserungsvorschläge keinesfalls umgesetzt wurden. Zum Hinweis des bevh, das eWeb Research Center der Hochschule Niederrhein möge bessere Zahlen liefern, sei der Fairness halber nur gesagt: Als Kompetenz-Center einer öffentlichen Hochschule verfügt es weder über eine personelle Ausstattung, noch über satte Ressourcen bzw. Mitgliedsbeiträge wie der bevh, finanziert sich über öffentliche Drittmittelprojekte selbst und entlastet nicht vom vollen Lehrdeputat, das auch noch als Fulltimejob geleistet werden muss. Zeit und Mittel sind insofern knapp, auch für Gespräche und Reisen.   
 
Grundsätzlich darf nicht verwundern, dass eine fehlerhafte Verbands-Studie, die Wirtschaftsdaten liefert und dabei auch als Entscheidungsgrundlage dienen könnte, wissenschaftliche Kommentare zur Folge haben kann. Dass ein eher harmloser wissenschaftlicher Sachkommentar allerdings einen Verband derart reagieren lässt wie jetzt in diesem Fall, muss mehr als verwundern. Vor allem, wenn dabei auch noch Jahre alte Terminabsagen aus der Schublade geholt werden, die damals begründet sowie entschuldigt erfolgten. Das lässt eigentlich nur einen Schluss zu: Die Kritik hat ins Schwarze getroffen und schmeckt dem bevh jetzt ganz und gar nicht!
Von Gerrit Heinemann

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