Gastbeitrag 13.08.2015, 09:35 Uhr

Frankreichs Start-up-Szene und der deutsche E-Commerce

Trotz Hindernissen kann die Start-up-Szene in Frankreich mittlerweile einige Erfolge aufzeigen. Davon können auch deutsche E-Commerce-Unternehmen profitieren, meint Twenga-CEO Bastien Duclaux.
Twenga-Chef Duclaux
(Quelle: Twenga)
Frankreich steht für Sozialismus, Zentralisierung und einem leidenschaftlichen Kampf für Beständigkeit. In diesem Umfeld hatten es besonders junge Technologie-Unternehmen in den vergangenen Jahren nicht leicht: Die Wirtschaftskrise und die schwierige Beschaffung von Eigenkapital machten den Aufbau von jungen Unternehmen zu einer nahezu unlösbaren Aufgabe.
Trotzdem hat es die Start-up-Szene geschafft, nicht nur an Fahrt aufzunehmen, sondern zu einer der wichtigsten Strömungen in Frankreich zu werden, die mittlerweile auch für internationale Geldgeber und Unternehmen interessant sein dürfte. Getrieben wurde die Entwicklung besonders vom Einsatz erfolgreicher Gründer und Unternehmer sowie einer wachsenden Zahl an Unterstützern.
Entrepreneure wie Xavier Niel finanzieren neue Initiativen wie "1000 Start-ups". Niel wurde nicht ohne Grund von Wired auf Platz sieben der 100 einflussreichsten Menschen in der Tech-Szene gewählt. Der Unternehmer will mit "1000 Start-ups" im Jahr 2016 den größten digitalen Business-Inkubator der Welt in Paris entstehen lassen und 1000 Start-ups Platz bieten. Neben der etablierten Szene in Paris bilden sich gleichzeitig in rasendem Tempo lebhafte Communities in Städten wie Toulouse, Lyon oder Marseille - getragen von Tausenden aus der Generation Y, die vom Ruf und den Erfolgen der Start-up-Szene angezogen werden.
Mittlerweile erscheinen in allen wichtigen Medien die Geschichten von Gründern, die durch Erfolge wie vom französischen "Unicorn“ BlaBlaCar noch weiter befeuert werden.

Regierung stärkt Start-ups den Rücken

Die Regierung hat sich von den Erfolgen in der französischen Tech-Szene anstecken lassen und mischt eifrig an mehreren Fronten mit: Der Französische Premierminister und Cisco beschlossen erst kürzlich ein Investitionsprogramm in französische Start-ups über 100 Millionen Euro. Sie startet eigene Initiativen wie "La French Tech", die sich in relativ kurzer Zeit einen beachtlichen Namen gemacht hat, ernannte eine eigene Ministerin für Digitale Angelegenheiten und fördert zahlreiche große Kooperationen, wie etwa die zuvor erwähnte "1000 Start-ups" oder die Zusammenarbeit zwischen dem französischen Wirtschaftsministerium und der Euronext-Börse. Beide haben es sich zum Ziel gemacht, junge Firmen und Investoren zusammenzubringen, um Tech-Unternehmen den Schritt an die Börse zu erleichtern - ein wichtiger Aspekt, um auch ausländische Kapitalgeber für Investitionen in französische Start-ups zu gewinnen.
Natürlich schießt auch die Politik aus Unternehmersicht in einigen Fällen deutlich über das Ziel hinaus, wie etwa bei den Gesprächen zwischen DailyMotion und chinesischen Investoren, bei denen die französische Regierung beide Seiten zur Verzweiflung getrieben hat. Das ist extrem ärgerlich, wird die Start-up-Bewegung in Frankreich aber nicht aufhalten - dafür hat sie mittlerweile zu viel an Dynamik gewonnen.



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