Payment-Dienst der Banken
07.03.2016, 09:30 Uhr

Paydirekt: "Rom wurde auch nicht an einem Tag erbaut"

Die Banken haben noch Mühe, Shop-Betreiber für ihr Bezahlsystem Paydirekt zu gewinnen. Ein verbesserter Prozess zum Vertragsabschluss mit den Banken soll nun Abhilfe schaffen.
Niklas Bartelt ist Geschäftsführer von Paydirekt
(Quelle: Paydirekt)
Ende vergangenen Jahres haben die ersten Shops Paydirekt in ihr Portfolio der Zahlarten aufgenommen, knapp 30 sind es mittlerweile. Zu den bekanntesten gehören die Technik-Shops Alternate und Elektroshop Wagner. Doch viele namhafte Händler haben sich noch nicht für das Payment-System entschieden. Warum das so ist und mit welchen Konzepten dies nun gelingen soll, erklärt Paydirekt-Geschäftsführer Niklas Bartelt im Gespräch mit INTERNET WOLRD Business. 
Herr Bartelt, bislang reagieren die Online-Händler sehr zurückhaltend auf Paydirekt. Liegt das vor allem an der Notwendigkeit, dass ein Händler mit sieben Bankenvertretern eigene Verträge und Preise aushandeln muss, um das Bezahlverfahren anzubieten?
Niklas Bartelt: Ja, das ist sicher ein ganz wesentlicher Punkt. Dieser Prozess, insbesondere das Verhandeln mit den verschiedenen Bankengruppen, dauert oft länger, als wir das erhofft haben. Aber Verhandeln und für sich den besten Preis rauszuholen, ist nun mal auch die Kernkompetenz eines Händlers. Trotzdem sind wir uns sehr ­bewusst, dass das Verfahren so nicht con­venient ist. Wir sind aktiv dabei, das neue Verfahren der Händlerkonzentratoren umzusetzen. Dem Händler, der nicht verhandeln, sondern eine einfache und bequeme Lösung aus einer Hand haben möchte, können wir damit ein gutes Angebot machen.
Was verbirgt sich konkret hinter einem Händlerkonzentrator?
Bartelt: Der Händlerkonzentrator bietet seinem Kunden einen Preis für Paydirekt an. Dazu verhandelt er selbst mit den sieben Bankengruppen, kalkuliert daraus seinen Preis, den er dann inklusive seiner Marge an seine Kunden weitergeben will.
Wer könnte das sein?
Bartelt: Das kann beispielsweise ein Payment Service Provider (PSP) sein, der ­diese Dienstleistung zusätzlich zur technischen Anbindung von Zahlverfahren anbietet. Vor allem für kleine und mittlere Händler wird das sehr interessant sein. Es können aber auch Verbände sein, die für ihre Mitglieder die Konditionen aushandeln. Wir verzeichnen jedenfalls viel Interesse seitens der PSPs, Händlerkonzen­trator zu werden, haben aber auch Anfragen aus anderen Bereichen. Am Ende wird der Markt entscheiden, wo der Händler diese Dienstleistung erwartet und einkaufen will.
Wann werden denn die ersten Händlerkonzentratoren starten?
Bartelt: Fast alle PSPs, mit denen wir in Kontakt stehen, haben ­Interesse am Händlerkonzentratoren-Modell angemeldet. Zum Timing können wir noch nichts sagen, liegen mit den Vorbereitungen aber im Plan. 
Um im Markt ein Signal zu setzen, müssen Sie aber in den kommenden Monaten drei, vier große Händler präsentieren, sonst werden Sie einen sehr schweren Stand haben. Mit welchen „Leuchtturmkunden“ ist zu rechnen?
Bartelt: Die großen Händler sprechen natürlich selbst mit ihrer Hausbank und den beteiligten Bankengruppen. Ich kann Ihnen sagen, dass eine ganze ­Reihe großer Händler zurzeit aktiv Gespräche führt. Wer aber wann Paydirekt einführt, das unterliegt selbstverständlich der Vertraulichkeit.
Dennoch: Werden Sie in drei Monaten ­große Kunden präsentieren können?
Bartelt: Wir haben heute schon mit Alternate und Elektronik Wagner zwei große Shops. Aber klar, wir wollen mehr haben und wir sind da hart dran. Die Händlerakquise liegt letztlich aber bei den Banken. Sie haben den Kundenzugang zum Händler, sie bieten das Produkt Paydirekt ihren Geschäftskunden an. Wir sind Dienstleister der Banken und unterstützen diese bei der Akquise insbesondere dadurch, dass wir ein technisch hervorragendes Produkt betreiben. Ich glaube, dass wir zeitnah eine attraktive Händlerbasis haben werden. Lassen Sie uns bitte ein bisschen Zeit, Rom wurde schließlich auch nicht an einem Tag erbaut. Die Nutzerbasis – die Zahl unserer registrierten Nutzer geht auf die Viertelmillion zu – wird ein wichtiges Argument für die Händler sein, Paydirekt anzubieten.
Das könnte Sie auch interessieren