Jahresbilanz 2014/15 18.02.2015, 12:30 Uhr

Otto Group: Mageres E-Commerce-Wachstum

Kein gutes E-Commerce-Jahr für die Otto Group: Trotz der 300-Millionen-Euro-Investition in den Online-Handel wuchsen die weltweiten Web-Umsätze im Geschäftsjahr 2014/15 gerade einmal um 2,5 Prozent.
(Quelle: Otto Group)
Zalando 26 Prozent, Amazon Deutschland 13 Prozent, Otto Group: 2,5 Prozent. So sehen die E-Commerce-Wachstumsraten des vergangenen Jahres der großen deutschen Online-Player aus. In Hamburg kann man damit nicht zufrieden sein. Denn die 300 Millionen Euro, die das Unternehmen in den vergangenen Jahren in den Ausbau des Online-Handels investierte, schlagen sich bislang mitnichten in entsprechenden Umsatzzuwächsen nieder. Wenn in diesem Jahr kein Wunder geschieht, rückt das im Mai 2013 formulierte Ziel, 2015 über den Vertriebskanal Internet die Umsatzmarke von acht Milliarden Euro zu knacken, für die Otto Group in unerreichbare Ferne.
 
Ein Umsatzplus von einer Milliarde Euro ist für die Otto-Group aktuell ein Vier-Jahres-Projekt.
(Quelle: INTERNET WORLD Business)
Für das am 28. Februar zu Ende gehende Geschäftsjahr erwartet die Otto Group insgesamt einen weltweiten Online-Umsatz von rund 6,3 Milliarden Euro. 4,1 Milliarden Euro davon - und damit gerade einmal drei Prozent mehr als im Vorjahr - wurden in Deutschland realisiert. Während Unternehmensangaben zufolge das Online-Geschäft mit Möbeln, Wohnaccessoires und Elektronik "kräftiger" wuchs, tat sich Otto im Textilienversand schwer. Der "schwache deutsche Gesamtmarkt mit Textilien" taugt hier mit Blick auf die Zalando-Bilanz nur bedingt als Ausrede. Als weitere Gründe für die magere E-Commerce-Bilanz nennt Otto die Umstrukturierung von 3Suisse in Frankreich und Benelux zum reinen Online-Händler und die Herausforderungen mit Crate & Barrel in den USA. Auch die Entwicklung in der Ukraine und Russland habe die Gruppe "ebenso kalt erwischt wie alle anderen dort aktiven Unternehmen."
 
Rainer Hillebrand, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Otto Group, bleibt trotzdem optimistisch: "Ausschlaggebend ist, dass wir nach wie vor in der Lage sind, dreistellige Millionenbeträge zu investieren: Wir investieren weiter jährlich mehrere Hundert Millionen in die IT, in den Ausbau der Infrastruktur von Hermes, in bestehende und neue Geschäftsmodelle und das Bezahlsystem Yapital. Das sind Zukunftsinvestitionen, an denen wir festhalten. Wir können bei den Investitionen nicht zurückstecken, ohne zurückzufallen", sagt er auf Nachfrage von INTERNET WORLD Business.
Auch in Startups will die Gruppe in diesem Jahr zweistellige Millionenbeträge investieren.  "Unser Ziel ist es, unsere Innovationskraft durch den kontinuierlichen Zugang zu neuen Ideen, erfolgversprechenden Geschäftsmodellen und qualifizierten, unternehmerisch denkenden Talenten aus dem Business- und Technologiebereich weiter zu sichern und uns mit erfolgreichen digitalen Geschäftsmodellen gegenüber dem Wettbewerb zu behaupten", sagt er. Eines der Beispiele ist der Otto-Sprössling Collins mit Webshops wie Sister Surprise, Edited und About You.
Doch auch wenn Collins schon im ersten Geschäftsjahr "hohe zweistellige Millionen-Euro-Umsätze" erwirtschaftet: Angesichts von 6,3 Milliarden Euro Online-Gesamtumsatz sind die nur ein Tropfen auf dem heißen Stein. "Wir konnten mit dem ganz neuartigen „Open-Commerce“-Konzept Zeichen in der Fachwelt und Begeisterung beim Kunden erzeugen. Das freut uns, zumal uns selbst Kritiker aus der E-Commerce-Branche bescheinigen, dass uns innerhalb der Otto Group ein hervorragendes Start-up gelungen ist. Was aber von denselben Kritikern gerne übersehen wird, ist die Tatsache, dass wir in den letzten Jahren mit einer ähnlich großen Energie traditionelle Unternehmen wie die Otto-Einzelgesellschaft in eine sehr agile E-Commerce-Company mit über zwei Milliarden Umsatz und einem Onlineanteil von über 80 Prozent umgebaut haben", so Hillebrandt.
Andere Online-Pure-Player der Otto-Gruppe wie Schlafwelt.de, Cnouch.de, Naturloft.de, Ekinova.de und Neckermann.de tragen bislang rund 70 Millionen Euro Umsatz bei - bei guten Renditen von rund vier Prozent, wie "Etailment" meldet. Vor wenigen Tagen startete Otto seinen sechsten Spezialshop: Privileg.de bietet Haushaltsgeräte und soll das Wachstum ankurbeln sowie Neukunden generieren.
 
Insgesamt hat die Otto Group inzwischen einen mittleren dreistelligen Millionenbetrag in über 100 Beteiligungen der Digitalwirtschaft in mehr als zehn Ländern investiert. Zu den erfolgreicheren Startups im Portfolio von Eventures zählen Unternehmensangaben zufolge Auctionata, dessen Online-Umsatz 2014 um 163 Prozent auf 31,5 Millionen Euro wuchs, Azimo und Farfetch. Bei Project A sorgen Spryker, Nu3, World Remit und Tictail zu den Startups, die Freude bereiten.
 
Bereits im November warnte die Otto Group vor einer Gewinnhalbierung. Das Ergebnis vor Steuern werde voraussichtlich gerade einmal die 100-Millionen-Euro-Marke überschreiten, kündigte ein Sprecher an.



Das könnte Sie auch interessieren