Online-Immobilienmarkt 12.01.2016, 08:10 Uhr

Immowelt: "Wir können unsere Reichweite enorm steigern"

Das Bestellerprinzip verändert den Immobilienmarkt: Start-ups bieten Maklern und Mietern neue Services und Werkzeuge. Von den Auswirkungen auf die Portale berichtet Immowelt-Vorstand Ulrich Gros.
Start-ups verändern den Online-Immobilienmarkt und machen die klassischen Portale nervös
(Quelle: Grafik. Daseugen/Shutterstock
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Etwa drei Millionen Haushalte suchen pro Jahr eine neue Wohung und ziehen um: Bisher wurde das teuer, weil gute Wohnungen meist von Maklern vermittelt wurden und diese von den Mietern bis zu zwei Kaltmieten Provision verlangten. Die Dienstleistungen der Vermittler waren meist bescheiden, viele von ihnen öffneten Interessenten lediglich die Tür, nahmen die Selbstauskunft oder eine Verdienstbescheinigung in Empfang und kassierten.
Seit Juni letzten Jahres gilt das so genannte Bestellerprinzip, und seither bezahlen die Vermieter die Maklerrechnung. Das neue Gesetz zum Schutz von Mietern zeigt vor allem im Internet nachhaltig Wirkung: Im vergangenen Jahr enterten mehr als 30 Start-ups auf den Markt, der bislang wie zementiert wirkte und von Portalen wie Immobilienscout24 oder Immowelt beherrscht wurde. Jetzt stehen Mietern, Maklern oder Eigentümern neue Werkzeuge und Dienste zur verfügung, mit denen sie Immobilien suchen, vermieten oder verkaufen, vor allem aber ansprechend präsentieren können.

Algorithmen und Big Data

Start-ups wie Moovin, Room.Me, Rentkit oder Imcheck24 setzen auf Algorithmen und Big Data, um Mietern und Vermietern die Suche und Auswahl von Bewerbern zu erleichtern. Sie bieten viele Tools und Werkzeuge, um Wohnungen per Video, Rundum-Ansicht darzustellen oder Grundrisse in 3-D zu zeigen, außerdem um Besichtigungstermine zu koordinieren und oder die Auswahl von Kandidaten zu erleichtern.
Die neue Konkurrenz, vor allem aber das neue Maklergesetz wirkt auch auf die klassischen Online-Portale wie Immowelt, Immonet oder Immobilienscout24.de. Ulrich Gros, Finanzvorstand der Immowelt-Holding aus Nürnberg, erklärt, wie sich Markt und Gewohnheiten verändern und was sich seit der Fusion von Immowelt mit Immonet im Unternehmen getan hat.
Wie hat sich das Bestellerprinzip auf Immowelt ausgewirkt?
Ulrich Gros: Im Vorfeld der Einführung im Juni 2015 sank die Zahl des Objektbestandes, weil Makler mit Vermietern neue Konditionen aushandeln mussten. Drei Monate später stiegen die Zahlen wieder, und heute verzeichnen wir ein leichtes Plus bei den Mietwohnungen. Unser Geschäft betrifft das Gesetz nicht, die Makler stellen sich gerade darauf ein.
Ulrich Gros zeichnet als Finanzvorstand seit 2008 nicht nur für die Finanzen von Immowelt verantwortlich, sondern auch für Personal und Online-Marketing. Er wechselte von Dresdner Kleinwort Benson zu dem Immobilienportal mit Sitz in Nürnberg.
(Quelle: Unternehmen)
Manche Makler meinen ihre Existenz sei davon bedroht, spüren Sie das bei Immowelt - geht die Zahl der registrierten Dienstleister zurück?
Gros: Nein, wir registrieren auch keine massenhaften Kündigungen. Das Geschäft des Maklers besteht ja nicht nur aus dem Aufschließen von Wohnungen und dem Einkassieren von Provisionen. Weit wichtiger für ihren Erfolg und Einnahmensind die Immobilienverkäufe, und dabei spielt das Bestellerprinzip keine Rolle. Für Verkäufe und Vermietungen werden die Makler weiterhin Anzeigen schalten müssen, um Aufmerksamkeit für Angebote zu erzielen. Die Branche wird sich stärker positionieren und neue Services entwickeln müssen, um in Zukunft bestehen zu können.
Im vergangenen Jahr starteten massenweise Start-ups, die mit Online-Diensten die Suche, die Vermietung oder den Verkauf für Mieter, Vermieter, Verkäufer und Makler erleichtern wollen. Stellen die eine neue Konkurrenz für Immowelt oder Immonet dar?
Gros: Ja, da wachsen Konkurrenten für einige Marktplatzfunktionen von uns heran. Wir beobachten das sehr genau. Viele der neuen Anbieter ziehen mit gut gestalteten, übersichtlichen und wirklich einfachen Diensten Aufmerksamkeit an, aber letztlich müssen auch diese Plattformen zur Nachfrage auch Angebote finden und das wird ihnen sicher nicht leichter fallen als uns. Gerade in Großstädten ist es ziemlich einfach Mietinteressenten zu finden - es hapert aber an ausreichend Wohnungen, und in dieser Hinsicht haben wir mit den reichweitenstarken Portalen ein deutlich breiteres Fundament aufgebaut. Ich schätze, die neuen Anbieter werden langfristig mit uns kooperieren.
Wie reagieren Sie jetzt auf die neue Konkurrenz - mit mehr Werbung?
Gros: Wir haben Anfang 2015 die größte Werbekampagne der Immowelt-Geschichte gestartet und setzen diese 2016 fort. Mit Investitionen in die Marke soll Immowelt noch bekannter werden. Das allerdings ist keine Reaktion auf neue Konkurrenten, sondern Teil unserer Strategie, den Abstand zu Immobilienscout24 weiter zu verringern.

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