Neuartige Services 21.01.2016, 15:20 Uhr

Der Online-Immobilienmarkt in Bewegung

Eine Gesetzesänderung und frische Geschäftsmodelle: Der Online-Immobilienmarkt ist in Bewegung geraten, die Marktführer setzen verstärkt auf neuartige Services.
(Quelle: Shutterstock.com/Studiovin)
Die neue Regel im Maklergesetz sollte für mehr Fairness im Mietmarkt sorgen: Seit Juni 2015 gilt bei der Vermietung von Wohnungen das Bestellerprinzip. Mieter sparen seither bis zu zwei Kaltmieten Provision, wenn ein Makler eingeschaltet wird, denn diesen muss nun der Eigentümer bezahlen.
Das Maklergesetz schont nicht nur die Haushaltskasse der Mieter, es brachte vor allem den Immobilienmarkt im Internet in Bewegung, der seit Jahrzehnten wie ­zementiert erschien und weitgehend aus Portalen und Anzeigenmärkten bestand. Mehr als 30 Start-ups bieten hier inzwischen neue Tools und Services an, die Suche, Vermietung und Verkauf erleichtern und die Präsentation von Immobilien verbessern. Mit der Skjerven-Gruppe hat sich zudem ein Investor etabliert, der sich auf diesen Bereich spezialisiert hat.
Vor der Einführung des Bestellerprinzips sank auf den Portalen die Zahl der Mietangebote, weil sich Makler um neue Aufträge bemühen mussten. Außerdem fusionierten die Portale Immowelt und Immonet; die Mutter von Marktführer Immobilienscout24, die Scout AG, notiert heute an der Börse. "Eine Gesetzesänderung in einem so lukrativen Markt ver­ändert die Branche und bringt neue ­Geschäftsmodelle hervor", kommentiert Volker Wohlfahrt, Vice President Consumer Marketing bei Immobilienscout24, die Entwicklung. "Einige kleinere Mietmakler haben ihr Geschäft aufgegeben, bei uns sank die Zahl der professionellen Immobilienvermittler um mehr als 1.500."

Stagnation im Wohnungsbau belebt Anzeigenmarkt

Das Geschäft der Portale blüht weiterhin: Der Bestand an Mietwohnungen hat sich zwar wieder normalisiert, aber steigende Migration, der wachsende Zuzug in Ballungsräume, der stagnierende Wohnungsbau sowie niedrige Zinsen und fehlende Anlagealternativen sorgen dafür, dass Mieter wie Käufer händeringend nach Haus- und Wohnungsangeboten suchen. "Unser Geschäft betrifft das neue Gesetz nicht. Um Aufmerksamkeit für ihre Angebote zu erreichen, werden Makler und Eigentümer weiterhin Anzeigen schalten", sagt Ulrich Gros, Finanzvorstand bei Immowelt. "Sie werden sich aber stärker positionieren und mehr Services entwickeln müssen."
Längst hat sich die Suche nach Wohnungen und Häusern ins Internet verlagert. Bis 2018 sollen 70 Prozent der Angebote nur noch online erscheinen. Laut einer Studie der Münchner Ludwig-Maximilians-Universität suchen 70 Prozent der Kaufinteressenten und Mieter auf Portalen, 61 Prozent in Suchmaschinen und 34 Prozent auf Kleinanzeigenmärkten. Mit zwölf Millionen Besuchern im Monat führt Immobilienscout24 den Anzeigenmarkt an. Doch im Verein mit dem Hamburger Portal Immonet konnte Immowelt den Abstand verringern.

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