Stephan Theiß, Gelbe Seiten 31.01.2017, 10:00 Uhr

"Die KI-Möglichkeiten sind für Mittelständler noch rudimentär"

Themen wie Künstliche Intelligenz sind inzwischen auch für die Gelbe Seiten Marketing Gesellschaft wichtig. Warum die Möglichkeiten aber noch rudimentär sind und welche Bedeutung LB-Services haben, erklärt Stephan Theiß.
Stephan Theiß, Geschäftsführer der Gelbe Seiten Marketing Gesellschaft
(Quelle: Gelbe Seiten Marketing Gesellschaft)
In unserem Interview Ende 2015 sagten Sie zu den Plänen für 2016: "Wir wollen unsere Themen-Bereiche inhaltlich ausbauen, neue Features einbauen und Content erweitern. Außerdem werden wir uns dem Thema Windows 10 widmen." Was ist davon umgesetzt worden?
Stephan Theiß: Wir haben ein sehr intensives Jahr hinter uns. Alle unsere Themenwelten sind inhaltlich sowie optisch überarbeitet. Dadurch ist nicht nur der Content besser vernetzt, sondern unsere Branchensuche ist mit weiteren exklusiven Inhalten wie Videos angereichert. Außerdem ist mit der Themenwelt "Recht & Finanzen" eine weitere neu hinzugekommen. Unsere Apps haben einen kompletten Rebrush hinter sich und in unserer Branchensuche sorgen sowohl neue Filteroptionen als auch eine überarbeitete Ergebnisliste für eine bessere und schnellere Orientierung auf GelbeSeiten.de. Im ersten Halbjahr 2017 folgen dann noch die Karte und die Eintragsseite.

Damals sagten Sie ebenfalls, dass Sie Google als "Wettbewerber und Partner" sehen, da sobald der Nutzer die Suchmaschine verlässt, bei Ihnen schließlich konvertiert. Wie groß ist die Gefahr, dass die Conversion irgendwann nicht mehr bei Gelbe Seiten stattfindet, sondern im Google-Universum bleibt?
Theiß: Die Werbung ist bei Google zwar ein starker Treiber, doch generiert Google mittlerweile auch signifikante Umsätze aus der Vermittlung von Hotels, Reisen oder anderen Freizeitangeboten, vor allem in den USA. In unseren Fokus-Branchen sieht das noch anders aus, aber auch hier ruhen wir uns nicht auf unseren Lorbeeren aus, sondern investieren aktuell massiv in neue Funktionen, insbesondere zur Anbahnung von Transaktionen.

Sie bieten ja schon Hotelreservierungen etc. an. Haben Sie 2016 Ihre Commerce-Pläne weiter ausgebaut?
Theiß: Auf jeden Fall. Wir haben in 2016 zahlreiche Buchungs-Partner, beispielsweise im Bereich der Tischreservierung, eingebunden. Nebenbei testen wir aktuell eine eigenentwickelte Terminanfrage. In einem Pilot-Projekt in Essen und Hannover gehen wir seit Mitte Dezember sogar noch weiter und vermitteln direkt einen sicheren und seriösen Schlüssel-Notdienst zum Festpreis. Der Pilot ist dabei eine Win-win-Situation für Verbraucher und die Monteure gleichermaßen: Verbraucher sind sicher vor Abzocke und die Schlüsseldienste können sich von "den schwarzen Schafen" in dieser Branche deutlich abgrenzen und bekommen ganz nebenbei noch ihre Kundengewinnungskosten in den Griff. 

Im April 2016 ging Ihr Feldversuch "Digitales Durlach" zu Ende. Wie sehen hier die künftigen Pläne aus? Gibt es andere Städte, in denen Sie digitale, interaktive Viertel planen?
Theiß: Der Feldversuch "Digitales Durlach" ging über ein Wochenende. Das Folgeprojekt, das "Digitale Viertel" in Köln, das im Herbst stattfand, erstreckte sich dann sogar über einen Zeitraum von acht Wochen. Das war schon eine Herausforderung, doch auch das haben wir erfolgreich abschließen können: Es wurden 45.000 Push-Nachrichten verschickt und die über 80 Händler konnten pro Tag 284 Besuche in ihren Ladengeschäften verzeichnen. Damit ist die Pilotphase abgeschlossen und das Produkt deutschlandweit einsatzbereit sowohl für den lokalen Händler um die Ecke als auch große Handelsketten mit ihren Filialen.

Auch wenn Ihr Durlach-Projekt ein Erfolg war, im Alltag hat man als Konsument nicht das Gefühl, dass LBS wirklich "angekommen" ist und gut genutzt wird. Woran liegt das?
Theiß:
Das Problem ist durchaus vielschichtig. Viele werbungtreibende Unternehmen wissen noch gar nicht um die Möglichkeiten, die es heute schon gibt. Und die, die es wissen können, die Agenturen nämlich, setzen lieber auf "Standard-Werbeformen". Ob das vor dem Hintergrund eigener Optimierungen oder mangelnder Kreativität geschieht, kann ich nicht beurteilen. Dabei haben gute Kampagnen gezeigt, dass der Service sehr positiv wahrgenommen wird, wenn er mit guten Angeboten verknüpft ist. Conversion-Rates zwischen 15 und 20 Prozent sind da keine Seltenheit.
 
Aktuell ist Künstliche Intelligenz, etwa in Chatbots, ein großes Thema. Für Sie als Marktplatz - aber auch im LBS-Bereich - gäbe es ja durchaus Einsatzmöglichkeiten. Spielen Sie mit solchen Zukunftsvisionen im Moment schon?
Theiß: Ja, wir glauben mit solchen Technologien den Nutzern die Suche zukünftig noch viel einfacher zu gestalten und testen hier auch schon sehr aktiv. Heute sind die verfügbaren Möglichkeiten für einen Mittelständler, wie uns, jedoch noch zu rudimentär. Die "Intelligenz" bedarf noch sehr aufwendigem, manuellem Training. Ich bin aber fest davon überzeugt, dass wir in naher Zukunft riesige Sprünge sehen werden. Vor allem von digitalen Assistenten und ihren Sprach-Interfaces erwarten wir uns zukünftig eine wichtige Rolle an der Schnittstelle zur digitalen Welt. Aktuell testen wir daher beispielsweise mit Amazons Alexa, das unser Kinoprogramm integriert hat.




Das könnte Sie auch interessieren