Folgen für Online-Händler
29.06.2015, 16:00 Uhr

Post-Streik: Kein Ende in Sicht

Der Streik bei der Deutschen Post geht inzwischen in die vierte Woche - ohne absehbares Ende. Verdi will nun wieder mit dem Konzern verhandeln. Online-Händler fürchten indessen große Umsatzverluste.
(Quelle: Fotolia.com/pedrolieb)
Nach mehr als drei Wochen Streik wollen die Gewerkschaft Verdi und die Deutsche Post offenbar wieder zurück an den Verhandlungstisch. "Wir haben die Deutsche Post aufgefordert, die Verhandlungen mit uns am 3. Juli fortzusetzen", zitiert die Wirtschaftswoche Verdi-Verhandlungsleiterin Andrea Kocsis.
Damit sei ein Ende des Streiks allerdings noch nicht absehbar, Kosics habe angekündigt, Verdi werde den Arbeitskampf, an dem sich über 32.000 Beschäftigte beteiligen, bis zu einer Einigung fortführen. Ziel der Gewerkschaft ist es, insgesamt 49 neue Firmen, in denen die Mitarbeiter niedrigere Löhne als die Stammbelegschaft erhalten, unter das Dach des Konzerns zu holen.
Die Deutsche Post setzt derweil ihre Sonntagszustellungen fort, um liegengebliebene Briefe und Pakete an die Empfänger zu bringen. Verdi bezeichnet diese Einsätze als rechtswidrig, die Post selbst beruft sich dabei auf das Arbeitszeitgesetz.

Online-Händler stark belastet

Online-Händler beklagen indessen die Folgen des Streiks: 76,6 Prozent seien stark oder sogar "extrem" stark davon betroffen, ergab eine Befragung des Bundesverband Onlinehandel (BVOH) unter seinen Mitgliedern. "Insbesondere der mittelständische Onlinehandel ist stark durch den Poststreik belastet. Der enorme Mehraufwand in der Kundenkommunikation sowie der Einbindung neuer Versanddienstleister beziehungsweise der Versand zu höheren Gebühren als kalkuliert, belastet die Unternehmen außerordentlich", so BVOH-Präsident Oliver Prothmann.
Über 40 Prozent der Befragten rechnen damit, dass etwa die Hälfte der bei ihnen gelieferten Waren verspätet bei den Kunden ankommen. Zwei Drittel befürchten der Umfrage zufolge zudem Umsatzeinbußen in Folge des Streiks. Fast ein Fünftel der Händler gehe sogar von einem Umsatzeinbruch über 25 Prozent aus. Und auch unter schlechten Kundenbewertungen haben die Shopbetreiber zu leiden. So gaben fast 60 Prozent an, infolge der verzögerten Lieferungen schlechtere Bewertungen bei Amazon oder eBay bekommen zu haben. eBay habe aber inzwischen reagiert und angekündigt, negative Bewertungen, die auf den Poststreik zurückzuführen sind, wieder zu entfernen. 40 Prozent der befragten Händler gaben an, weitere Versanddienstleister einzubinden, um die Lieferprobleme zu minimieren.
An der Umfrage haben insgesamt 250 Online-Händler im Zeitraum vom 19. bis 25. Juni 2015 teilgenommen.
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Beim E-Commerce-Riesen Amazon ist Streik ein Dauerthema - insbesondere zu Großereignissen. Vor Ostern 2015 hatte die Gewerkschaft Verdi an vier Standorten zu Streiks aufgerufen. Verdi will den Konzern zur Aufnahme von Tarifverhandlungen bewegen.
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