Idealo.de, Check24 und Co 05.10.2015, 08:35 Uhr

Wenn Vergleichsportale zu Marktplätzen werden

Durch Direktkauffunktionen ähneln Vergleichsportale wie Idealo.de oder Check24 immer mehr Marktplätzen. Dies kann das Machtgefüge im E-Commerce beeinflussen.
(Quelle: Dreamstime)
Von Matthias Hell
Check24 macht es seit zweieinhalb Jahren, Idealo hat im Juni damit angefangen und auch der Autoteile-Preisvergleich Daparto tut es: Alle drei Preisvergleicher gingen dazu über, auf der Webseite auch den Kauf der angezeigten Produkte zu ­ermöglichen. Für Shop-Betreiber ­eröffnet diese Entwicklung spannende neue Möglichkeiten, besteht doch durch das Verschmelzen von Preisvergleich und Marktplatz für das Marketing die Chance, zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen.
Dass man mit der neuen Funktion auf dem Weg sei, ein Marktplatz zu werden, das Argument will Jörn Rehse, CTO bei Idealo.de, jedoch nicht gelten lassen: "Ein E-Commerce-Marktplatz fokussiert auf den Kaufabschluss zulasten des neutralen Vergleichs - davon grenzen wir uns klar ab", betont er. Der Direktkauf sorge lediglich dafür, dass der Kunde das beste Angebot auch dann einfach und sicher haben könne, wenn der Weg in den Shop einen zu großen Medienbruch darstelle.
In der Tat stellt der Idealo Direktkauf nur einen vergleichsweise kleinen Eingriff in die Funktionsweise der Vergleichsplattform dar: Das Feature entspricht einem Express-Checkout, bei dem der Kunde über den Payment-Dienstleister Heidelpay die Bezahlung via Paypal, Sofortüberweisung oder Kreditkarte vornimmt. Der Kauf­vertrag kommt dabei zwischen dem Endkunden und dem Händler zustande.
Der Direktkauf nach dem Cost-per-Order-Verfahren stellt für Idealo eine Ergänzung zu dem weiterhin standardmäßigen Cost-per-Click-Modell der Preissuchmaschine dar. Als ausschlaggebendes Motiv für die Einführung der neuen Option macht Jörn Rehse den Wunsch nach mehr Direct ­Traffic aus. So werde auch in Zukunft ­sichergestellt, dass die Handelspartner von Idealo auf einen qualitativ sehr hochwertigen gelieferten Traffic vertrauen können: „Idealo Direktkauf ist ein Baustein auf dem Weg zu diesem Ziel.“

Höhere Konversionsraten dank Marktplatzkonzept

Kein Problem mit dem Begriff Marktplatz hat Check24-Geschäftsführer Timm Sprenger. Da das Portal aus dem Bereich Versicherungen/Finance kommt, habe der reine Preisvergleich für Check24 schon immer eine geringere Rolle gespielt. Als Check24 mit dem Vergleich von Elektronikgeräten startete, gingen reiner Click-Out-Preisvergleich und On-Site-Kauf noch Hand in Hand. Inzwischen erfolgt der Kaufabschluss standardmäßig auf der Seite. Die Kunden werden dabei über den Liefer-, Zahlungs- und Rücknahmeservice des jeweiligen Anbieters informiert. Der Kaufvertrag wird bei Check24 zwischen dem Portal und dem Kunden geschlossen - ein Konzept, das klar weiter geht als das bei Idealo.
"Als Marktplatz ist der Aufwand für Check24 deutlich größer als für klassische Click-Out-Preisvergleiche: Wir sind zum Beispiel der erste Ansprechpartner bei Fragen rund um die Lieferung oder Zahlung", berichtet Sprenger. Doch die Mühe lohne sich: "Wir wissen, dass es ­unseren Nutzern nicht nur um den Preisvergleich geht, sondern dass auch die Kaufabwicklung für sie ein wesentlicher Aspekt ist. Kunden einfach nur auf das Händlerangebot weiterzuleiten, das ist uns zu dünn."
Auch für Händler biete das ­Modell von Check24 nach Ansicht des ­Geschäftsführers klare Vorteile. Statt für jeden Klick - auch ohne Verkauf - müssen diese auf der Plattform nur dann eine Gebühr zahlen, wenn tatsächlich ein Kauf stattfinde. "Außerdem haben wir festgestellt, dass die Conversion für Händler im Marktplatzmodell ungefähr drei bis vier Mal so hoch ist wie im Click-Out-Modell."



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