Dash Button 04.05.2015, 07:45 Uhr

Internet der Dinge: Amazon geht neue Wege

Das Internet der Dinge zieht in den Handel ein. Und Amazon ist einer der ersten Retailer, der mit "Amazon Dash" und "Amazon Dash Replenishment" die Möglichkeiten auslotet.
(Quelle: shutterstock.Frank Gaertner)
Wenn große Handelsketten und Markenhersteller in ein paar Jahren auf den 1. April 2015 zurückblicken, dann werden sich sicherlich einige von ihnen wünschen, dass Amazons Pressemitteilung über die Einführung des "Dash-Button" nur einen Aprilscherz gewesen wäre.
Denn während klassische Händler und Marken sich noch immer damit abmühen, ihre Webshops für die Kunden zumindest einigermaßen nutzerfreundlich zu gestalten oder mobil zu optimieren, hebt der größte Online-Händler der Welt seine bislang nur für das Web umgesetzte One-Click-Order- und Prime-Strategie auf eine neue Ebene.
Der Webshop auf einem Endgerät wird obsolet. Stattdessen sorgt das Internet der Dinge dafür, dass die Verbraucher ihren Einkauf schneller abwickeln, als sie das Wort "Einkauf" denken können.
Über Amazons Internet-fähigen Dash-Button können Prime-Kunden mit einem Klick vordefinierte Produkte online bestellen. Zwei Tage später erhalten sie ihr Paket dann nach Hause geliefert.
Insgesamt bietet Amazon derzeit Buttons für 260 Produkte von 18 verschiedenen Herstellern an. All jenen, die sich über die Ästhetik von Dash-Buttons im durchdesignten Yuppie-Haushalt mockieren, erklärt Amazon-Sprecherin Kinley Pearsall: "Das langfristige Ziel wird sein, überhaupt ­keine Buttons mehr drücken zu müssen."
Auch Kassenzone.de-Blogger Alexander Graf ist sich sicher: "In ein bis zwei Jahren werden die Nutzungsszenarien andere sein als Amazon und die Presse sie heute ­beschreiben. Und genau hier würde ich meine Kritik an Rewe und Co. ansetzen, ­deren Innovationsbereitschaft beim Web­shop aufhört, wobei es doch noch so viele andere nervige Shopping-Probleme vor dem Besuch des Webshops zu lösen gäbe."
Amazon hat die Problematik erkannt und experimentiert an verschiedenen Stellen mit dem Internet der Dinge. Der Amazon-Dash-Stick, mit dem Barcodes von Produkten gescannt oder Produkte per Sprachbefehl bestellt werden können, war vor einem Jahr der Anfang.
Auch dem vernetzten Lautsprecher "Amazon Echo" könnten Nutzer, die sich nicht davor fürchten, dass Amazon ihr Leben belauscht, im Bedarfsfall einfach zurufen, er möge doch bitte ein Kilo Tomaten bestellen.
Die zurzeit letzte Ausbaustufe des Experimentes mit dem Internet der Dinge, ist der Service "Dash Amazon Replenishment", bei dem Amazon gemeinsam mit Elektronikherstellern wie Whirlpool, Brita, Brother oder Quirky ­damit ­beginnt, Internet-fähige Waschmaschinen, Wasserfilter, Drucker oder Kaffeemaschinen zu entwickeln, die erkennen, wann das Waschpulver oder die Druckerpatrone zur Neige gehen und die Produkte dann automatisch nachordern.
Bei allen Initiativen geht es Amazon unter dem Strich um eines: verstehen lernen, wie der Kunde tickt.
"Google geht es darum, unsere Wohnzimmer mit Kameras und Telefonen zu beobachten, Amazon will unsere Küchen- und Badezimmervorräte mappen", bringt es Richard Doherty, Berater bei der Envisioneering Group, auf den Punkt.
Setzen sich derartige Szenarien durch, wird das Internet der Dinge die Einkaufsprozesse und damit auch die Handelslandschaft, wie wir sie heute kennen, noch einmal gehörig durcheinanderwirbeln.

Bequemlichkeit als Treiber

Das Potenzial dafür ist da: "Bequemlichkeit ist ein sehr starker Treiber", ist sich Kai Hudetz, Geschäftsführer des Instituts für Handelsforschung (IFH) und des dort angesiedelten ECC sicher. Und Amazon ist ein idealer Handelspartner.
"Bei Amazon herrscht der höchste Trust-Faktor, den es im nationalen und ­internationalen E-Commerce gibt", argumentiert Christopher von Hallwyl, Gründer des Rasurbedarf-Versenders Shave-Lab, der sich auf jeden Fall mit seinen Klingen für Amazon Dash akkreditieren will.
Kunden müssen sich hier nicht erst mühsam irgendwo neu anmelden oder Zahlungsdaten hinterlegen. Außerdem werde der Dash-Button "sicherlich leichter angenommen als die Lösungen weniger etablierter Player wie Perfect Shave, die sich ihren Trust-Level erst mittels Bewertungsportalen aufbauen müssen."
Entsprechend alarmiert sollten daher ­eigentlich diejenigen Handelsunternehmen sein, die bislang die Aufgabe übernahmen, Kunden mit Produkten des täglichen Bedarfs zu versorgen. "Natürlich ­sehen beispielsweise die großen Lebensmittelketten, wie Amazon sie herausfordert", sagt IFH-Chef Hudetz. "Doch die Frage ist, ob sie schnell genug eine Antwort haben. Aktuell verteidigen sie reaktiv ihre Pfründe, statt selbst aktiv zu werden."

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