Online-Handel 11.04.2017, 10:00 Uhr

E-Commerce in Polen: Warum der Markt auch für deutsche Player interessant ist

Polen nimmt im E-Commerce Fahrt auf. 25 Millionen Nutzer und überdurchschnittliche Wachstumsraten machen den Nachbar im Osten auch als Markt für deutsche Player interessant.
Polen: aufstrebender E-Commerce-Markt
(Quelle: Shutterstock.com/Tai11)
Breites Grinsen ist nicht ihr Ding. Kaum ein europäischer Regierungschef schaut in der Öffentlichkeit so ernst, ja grimmig drein wie Beata Szydlo. Selbst auf offiziellen Pressebildern erlaubt sich die 52-Jährige allenfalls den Hauch eines Lächelns. 
Ähnlich verstockt und finster wie die Repräsentantin wirkt die Politik, die ihre rechts­populistische Partei PiS seit der Machtübernahme im November 2015 verfolgt: EU-Flaggen sind von öffentlichen Gebäuden verschwunden, Presse und Verfassungsorgane beklagen Repressionen. 
 Und immer wieder geht es gegen Deutschland: Als jetzt, ausdrücklich gegen Szydlos Widerstand, ihr Vorgänger Donald Tusk erneut zum Präsidenten des Europäischen Rats gewählt wurde, zürnte sie öffentlich, dass Deutschland dies zu verantworten habe. Das deutsch-polnische Verhältnis: Liegt es am Boden?
Polnische Ministerpräsidentin Beata Szydlo
Lächelt selten: Beata Szydlo, polnische Ministerpräsidentin
    

Im Außenhandel jagt ein Rekord den anderen

Betrachtet man die wirtschaftlichen Beziehungen beider Länder, so zeichnet sich ein völlig anderes Bild ab: Deutschland ist für Polen der wichtigste Außenhandelspartner, das Land liegt für Deutschland immerhin auf Platz 8. 2015 wurden Waren im Wert von rund 93 Milliarden Euro gehandelt, das Außenhandelsvolumen jagt seit sieben Jahren von Rekord zu Rekord. Fahrzeuge und Fahrzeugteile führen die Liste der deutschen Ausfuhren nach Polen an, umgekehrt ist es ebenso: Viele Opel, Fiat und Ford, die über deutsche Straßen fahren, sind in Polen vom Band gelaufen.
In Sachen Online-Handel macht Deutschland in Polen keine ganz so gute Figur: Unter den Top 10 der polnischen E-Commerce-Seiten befindet sich nur eine aus Deutschland: Zalando rangiert auf Platz 4. 

Polen orientieren sich im eigenen Land

Ein Blick in die Liste der Top Ten offenbart eine andere Eigenheit der polnischen Kunden: Sie orientieren sich gern im eigenen Land. Die meistbesuchte E-Commerce-Wesite ist nicht etwa Amazon, sondern Allegro.pl. Das Shopping-Portal wurde 1999 in Polen vom niederländischen Unternehmer Arjan Bakker als Auktionsplattform gegründet und hat sich in kurzer Zeit zu einem umfassenden Online-Marktplatz entwickelt und auch andere Märkte in Zentral- und Osteuropa erobert. Nach Unternehmensangaben zählt Allegro monatlich 14 Millionen Nutzer, täglich werden mehrere Millionen Produkte gekauft. Auf Platz 2 rangiert das Preisvergleichsportal Ceneo.pl, das ebenfalls zur Allegro-Gruppe gehört und pro Monat rund sieben Millionen Nutzer zählt. Im Gegensatz zu Allegro hat Ceneo keine deutschsprachige Präsenz und ist deshalb hierzulande allenfalls Polen-Kennern ein Begriff. Das gilt auch für Wettbewerber wie Slapiec.pl, Okazje.info und Nokaut.pl - sie sind im Westen quasi unbekannt.
Dabei ist Polen als E-Commerce-Markt auch für westliche Anbieter hoch attraktiv. Die Zahl der polnischen Online-Shopper wächst beständig und geht auf die 15-Millionen-Marke zu. Und die Umsätze steigen. 2011 betrug das gesamte Umsatzvolumen im B2C-Online-Handel 4,26 Milliarden Euro, 2015 waren es bereits 7,44 Milliarden Euro. Für die nächsten Jahre erwarten Experten für Polen Steigerungsraten im E-Commerce von 15 bis 20 Prozent - deutlich mehr als die 11,5 Prozent, die der deutsche Online-Handel im vergangenen Jahr zulegen konnte.




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