Reiseportale und Co 27.07.2015, 08:00 Uhr

Online-Reisebranche: Zersplittert und hart umkämpft

Die Online-Reisebranche ist einer der zersplittertsten und umkämpftesten Bereiche der Internet-Wirtschaft. Jetzt droht eine Konsolidierung - und das Schreckgespenst Google.
Familie mit Gepäck vor einem Flughafen
(Quelle: Tui)
Seit Anfang Juli laufen bei den Online-Reisebüros, den Flugbuchungs­maschinen und den Hotelvergleichern wieder die Server heiß: Der zweite Traffic-Höhepunkt des Jahres, die echte Last-­Minute-Saison, hat begonnen. Vor allem Sonntags sitzen die Deutschen einer aktuellen Reisestudie von Intelli Ad zufolge vor dem Rechner und recherchieren. Und ­dabei lassen sie sich Zeit: 139 Stunden ­stecken Reisewillige im Durchschnitt in die Recherche.
Dass die Deutschen so viel Zeit in ihre Urlaubsplanung stecken, liegt auch an der enormen Auswahl, die die Online-Reisebranche im Internet vor ihnen ausbreitet. Kaum eine Branche im Netz ist so zersplittert, vielschichtig und unübersichtlich wie die Online-Reisebranche. Der globale ­Reisemarkt ist geschätzte 1,3 Billionen US-Dollar schwer, die Marktanteile der größten Teilnehmer liegen im niedrigen einstelligen Bereich. Die weltweit tätige Expedia-Gruppe bringt es beispielsweise auf einen Marktanteil von ­gerade mal vier Prozent.
Es gibt in der Online-Reisebranche die reinen Online-Reisebüros (auch Online Travel Agencies/OTA genannt) wie Opodo, ­Expedia oder Ab-in-den-urlaub.de; aber auch die klassischen Reisebüro-Betreiber wie L’tur, Dertour oder Tui wollen sich ­online nicht die Butter vom Brot nehmen lassen, genauso wenig wie Fluglinien und Hotelketten.
Zu diesen etablierten Playern gesellen sich in der Online-Reisebranche seit einigen Jahren Preis­vergleichs- und Bewertungsportale wie Trivago, Fluege.de oder Holidaycheck, die auf Provisionsbasis Klicks zu den Buchungsportalen vermitteln und so wieder ein Stück von der Marge abknapsen.
Und dann ist da auch noch Google: 82 Prozent aller Kaufprozesse in der Online-Reisebranche beginnen mit einer Suchanfrage - eine Übermacht, die der Suchmaschinengigant bisher noch nicht so ausnutzt, wie die Branche es nach dem Start des Flug-Preisvergleichs Google Flights befürchtet hat. Noch nicht. "Monatlich kommen neue Veranstalter oder Reiseportale auf den Markt, von denen kaum ersichtlich ist, wer eigentlich ­dahintersteckt", so Stefanie Waehlert, CEO von Tui Deutschland. "Der Kunde sucht im verwirrenden Dschungel dieser Angebote nach Kompetenz und Vertrauen."



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