Online-Offensive
17.02.2015, 11:00 Uhr

Expert: Gute erste Zahlen für den Webshop

Mehr Online-Warenkatalog als Online-Shop: Experts Web-Offensive brachte viel Häme mit sich. Jetzt liefert die Verbundgruppe überraschend gute erste Zahlen.
Expert Shop
(Quelle: Expert)
Von Matthias Hell
Eigentlich hatte Expert im Sommer 2014 den Start eines Online-Shops angekündigt. Doch was die Verbundgruppe für Unterhaltungselektronik kurz vor Jahresende an die Endkunden brachte, glich viel eher einem Online-Warenkatalog: Produktseiten ohne Preisangaben, ein umständliches Anfragemodell und Filialabholung statt Warenversand. Das erklärte Ziel der Expert Online-Shop-Offensive war es jedoch, Kunden in die Geschäfte der angeschlossenen Händler zu bringen.
Die Branche sparte nicht mit Häme, doch auf seiner Frühjahrstagung präsentierte ­Expert nun überraschend gute Zahlen zu der "Shop-Lösung". Ihnen zufolge sind seit dem Start des neuen Online-Angebots mehr als 38.000 Kundenanfragen eingegangen, die in etwa die Hälfte des rund 10.000 Artikel umfassenden Warenangebots betrafen. 25 Prozent der Anfragen konnten zu Warenreservierungen konvertiert werden. Ein durchschnittlicher Expert-Gesellschafter mit zehn angeschlossenen Fachmärkten generierte so bereits mehr als 1.000 Aufträge und damit rund 300.000 ­Euro Umsatz.
Dass sich das Online-Angebot zur Verlängerung des stationären Angebots eignet, macht die Expert-Führung an der Beobachtung fest, dass die Hälfte der Anfragen außerhalb der Ladenöffnungszeiten eingehe. "Das zeigt uns, dass der eingeschlagene Weg in die richtige Richtung führt", erklärt dazu Expert-Vorstandschef Volker Müller. "Unser Ziel war es nicht, ­einen zusätzlichen Kaufkanal zu eröffnen, sondern den regionalen Kunden über das Netz regional anzusprechen."

Expert mit eigenem Online Shop statt Verbund

Wie Müller berichtete, wird das Angebot des Expert Online Shops bereits von rund 250 Fachmärkten genutzt. Damit hätten sich 80 Prozent der Expert-Mitglieder für die "Shop-Lösung" entschieden. Doch es gibt in der Expert-Gruppe auch Händler, die beim Thema ­E-Commerce schon deutlich weiter sind als ihre Zentrale.
Zu ihnen gehört Andreas Müller aus Saarwellingen im Saarland. Gemeinsam mit seinem Bruder Philip führt er den Expert-Betrieb seines Vaters fort. Statt wie einst vier Standorte umfasst Expert Müller heute aber nur noch ein einziges stationäres Geschäft. Der Schwerpunkt liegt stattdessen auf dem Online-Handel unter der Marke Deltatecc. Seit Jahren zählt Müller zu den wichtigsten eBay-Powersellern im Elektronikbereich, auch die Umsätze im eigenen Webshop steigen signifikant.
Am Warenkatalog des Online Shops der Verbundgruppe hat sich Expert Müller nicht beteiligt, stattdessen spiegelt man auf der Unternehmenswebseite lieber der Deltatecc-­Online-Shop. "Die derzeitige Strategie der Zentrale zielt vor allem auf ein Abdämpfen der Online-Abwanderung ab. Echte ­Online-Shopper lassen sich damit nicht ­gewinnen", erklärt Müller.
Bei den Verbundgruppen werden auch in Zukunft nur einzelne Händler echten E-Commerce ­betreiben. Initiativen auf zentraler Ebene werden dagegen weiterhin vor allem auf Online-Marketing-Maßnahmen beschränkt bleiben, so seine Einschätzung. Bei Expert Technomarkt, dem zweiten wichtigen Online-Händler innerhalb der Expert-Gruppe, spielt das stationäre Geschäft noch eine größere Rolle. 16 Elektro­märkte betreibt das Unternehmen in Oberbayern.
Vor rund zehn Jahren hat die ­Geschäftsleitung jedoch die Entscheidung ­getroffen, parallel zum Filialgeschäft in den Online-Handel via Shop einzusteigen. Unter Expert-technomarkt.de bietet das Unternehmen seitdem ein Elektronikvollsortiment an und belegt in vielen Produktkategorien bei Preisvergleichen die vorderen Plätze.
Anders als die Expert-Zentrale betrachtet man den Online Shop nicht als Zubringer für den stationären Handel, sondern betreibt das Internet-Geschäft als eigenständige Geschäftseinheit. So bietet Expert Technomarkt zwar seinen Kunden on- und offline die gleichen Preise, verzichtet aber bewusst auf Kanalverknüpfungen wie Click & Collect oder die Anzeige stationärer Verfügbarkeiten.
Für den zurückhaltenden Online-Kurs der Expert-Zentrale hat Co-Geschäftsführer Peter Melzl Verständnis. Dennoch sieht er Nachbesserungsbedarf. So seien im E-Commerce aktive Expert-Mitglieder wie die Technomärkte bislang von dem Multichannel-Angebot der ­Verbundgruppe ausgeschlossen. Aber immerhin sei heute allen Händlern klar, welche Bedeutung der Online Shop inzwischen habe. Melzl ist sich daher sicher, dass sich das zentrale E-Commerce-Angebot kontinuierlich weiterentwickeln wird.
Sie sind ganz neu und vielen noch nicht bekannt: die generischen neuen Top Level Domains (TLDs). Sind sie bereits relevant für den E-Commerce?
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