Von wegen Digitalisierung 14.03.2017, 16:05 Uhr

Reiseführer: Print schlägt eBooks

Reisegepäck sollte möglichst leicht sein, andernfalls könnte es mühsam werden im Urlaub. Da liegt es eigentlich nahe, sich als Reiseführer ein eBook herunterzuladen, statt einen dicken Print-Schmöker zu kaufen. Eigentlich.
Bei der Tourismusmesse ITB war die Digitalisierung in der Reisebranche ein großes Thema.
(Quelle: shutterstock.com/sdecoret)
Deutsche Urlauber setzen auf Altbewährtes: Sie kaufen gedruckte Reiseführer. Die Nachfrage nach digitalen Versionen sei verhalten, heißt es aus der Verlagsbranche. Das Geschäft mit den elektronischen Büchern sei auf eher niedrigem Niveau geblieben, teilt der Michael Müller Verlag mit. eBooks hätten keinen Sprung gemacht, so Travel House Media ("Merian"). "Der Verkauf läuft mäßig", sagt die Chefin vom Peter Meyer Verlag, Annette Sievers, über ihre Digitalversionen. Und bei Lonely Planet gehen die Verkaufszahlen für eBooks seit 2014 sogar runter, nachdem sie zuvor gestiegen waren.

Kein innovative Aufbruchstimmung

Bei der Tourismusmesse ITB, die bis zum 12. März in Berlin stattfand, war die Digitalisierung in der Reisebranche ein großes Thema - auch über elektronische Bücher wurde gesprochen. Innovative Aufbruchstimmung herrschte hierbei nicht.
Laut Börsenverein des Deutschen Buchhandels spielen Reiseführer am eBook-Markt kaum eine Rolle, ihr Umsatzanteil liegt bei nur etwa einem Prozent. MairDumont mit Titeln wie Baedeker macht zum Verlauf der Digitalgeschäfte keine Angaben, verweist aber auf stabile Zahlen beim Print. "Apps und mobile Zusatzangebote wie eBooks ersetzten den gedruckten Reiseführer keinesfalls", sagt eine Sprecherin.
Warum eigentlich nicht? Nirgendwo sonst ist das Gewicht eines Buches für Konsumenten so wichtig wie im Urlaub. Reiseführer, Wörterbuch, dazu noch ein Sprachführer mit Small-Talk-Tipps und noch eins, zwei Klassiker-Romane aus der Reiseregion - da ist der Koffer ruckzuck schwerer als beabsichtigt.

Lästiges Pflichtprogramm für die Verlage

Während der Belletristik-eBook-Anteil im Büchermarkt deutlich gestiegen ist, bleiben digitale Reiseführer eher ein lästiges Pflichtprogramm für die Verlage. Davon jedenfalls ist Svenja Hagenhoff überzeugt, Buchwissenschaftlerin von der Universität Erlangen: "Die meisten Digitalprodukte der Reisebuch-Verlage sind schlicht und ergreifend schlecht."
Die Verlage investierten zwar durchaus in digitale Zusatzangebote, dies aber bestenfalls halbherzig. "eBooks sehen genauso aus wie Printversionen, damit lässt man das Potenzial an Zusatznutzen des digitalen Formats ungenutzt", moniert die Professorin. Dass man beispielsweise im eBook genauso blättern müsse wie im haptischen Buch, sei lästig. Besser wäre es, wenn Reisende die für sie relevanten Kapitel bündeln könnten. "Anstatt das Printbuch einfach nur digital zu kopieren, sollte man ein komplett neues Produkt entwerfen", sagt Hagenhoff.
So könnte es hilfreich sein, wenn Reisende ihre Fotos oder Eindrücke im digitalen Führer abspeichern könnten, sagt die Wissenschaftlerin. "Gerade junge Menschen erwarten etwas anderes als ein digitales Abbild des Print-Reiseführers im Bücherschrank ihrer Eltern."




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