Neue Richtlinien 02.02.2016, 12:30 Uhr

Datenschutz-Dilemma mit der neuen EU-Grundverordnung?

Die neue Datenschutzrichtlinie der EU soll die Gesetze der Mitgliedsländer harmonisieren. Experten befürchten allerdings zusätzliche Belastungen für die digitale Wirtschaft.
Hand überprüft Köpfe mit Lupe
(Quelle: shutterstock.com / Nicescene)
Die Lösung wirkt leicht grotesk: Seit Jahren diskutiert die digitale Wirtschaft mit Datenschützern über das Für und ­Wider von Cookies und darüber, wie der Kunde über die geheimnisvollen Brotkrumen in seinem Browser zu informieren sei. Und dann das: Im Sommer 2015 hat ­Google eine Kennzeichnung von Websites eingeführt, die mit dem hauseigenen Google Analytics verknüpft sind. Nutzern, die eine solche Seite aufrufen, wird der Hinweis eingeblendet, dass sie Cookies verwendet.
Den Hinweis können sie dann per Mausklick bestätigen und sie können auch die Datenschutzerklärung lesen. (Zwischenfrage: Kennen Sie jemanden, der schon einmal eine Datenschutzer­klärung von vorn bis hinten gelesen hat?) Einen "Ablehnen"-Button bietet der eingeblendete Hinweis jedoch nicht. Was der Nutzer mit der ihm gegebenen ­Information anfängt, bleibt ihm überlassen.
Dieser Fall ist symptomatisch für die derzeitige Situation beim Datenschutz in Deutschland. Das bisweilen zähe Ringen zwischen Industrie und Datenschützern scheint an den Interessen der Bürger vorbeizugehen.

Mehr Angst vor Demenz als vor Datenklau

Eine Umfrage des Instituts für Demoskopie Allensbach im Auftrag der deutschen Telekom ergab, dass die Deutschen andere Sorgen haben als den Schutz ihrer Privatsphäre im Internet: Mit 48 Prozent aller Nennungen führt die Angst vor Demenz und Pflegebedürftigkeit im Alter die Liste der Dinge an, um die sich die Bundesbürger 2015 ernsthaft Sorgen machen.
Dicht darauf folgen die Furcht vor Altersarmut (43 Prozent) oder einer lebensbedrohenden Erkrankung (41 Prozent). Die Angst vor Datenbetrug im Internet, speziell davor, dass das eigene Konto von Hackern geleert wird, landete in der Befragung vom Juni 2015 bei 28 Prozent, gleichauf mit der vor terroristischen Anschlägen.
Heute, nach den schrecklichen Ereignissen der letzten Wochen, könnte das allerdings ganz anders aussehen. Angst vor behördlicher Schnüffelei - vor der Datenschutz eigentlich schützen soll - ist bei den Deutschen weniger stark ausgeprägt: 19 Prozent aller Bürger hegen die Befürchtung, dass der deutsche Staat ihnen nachspionieren könnte, die Ausforschung durch die NSA oder andere ausländische Dienste stellt sogar nur für 15 Prozent ein ernsthaftes Problem dar.
Alles halb so schlimm also? Nicht ganz: Jeder vierte Bundesbürger machte sich 2015 große Sorgen, dass seine Daten durch Unternehmen unerlaubt weitergegeben werden - zu viele, als dass die digitale Wirtschaft das ignorienen könnte. In ­Europa, so ergab eine Studie des Security-Anbieters Symantec, sind die Befindlichkeiten der Bürger bezüglich ihrer digitalen Privatsphäre von Land zu Land unterschiedlich stark ausgeprägt.
So sind in Spanien 78 Prozent und in Deutschland 62 Prozent aller Bürger wegen der Sicherheit ihrer persönlichen Daten besorgt, in Groß­britannien sind es nur 49 Prozent. Und gerade einmal acht Prozent aller Deutschen ist bereit zu akzeptieren, dass ein Unternehmen ihre persönlichen Daten an Dritte weitergibt. Die Italiener sind da anders gestrickt: Für 47 Prozent ist das kein Problem.

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