Interview
17.12.2014, 13:20 Uhr

Plädoyer gegen langweilige Webshops

In Printanzeigen oder TV-Spots präsentieren sich Marken bis ins kleinste Detail brilliant. Im Webshop herrscht dagegen schnöde Uniformität. Dass es auch anders geht, zeigt Stefan Sobczak von Netshops.
Stefan Sobczak baut mit seiner E-Commerce-Agentur Netshops einfach schöne Shops
(Quelle: Netshops)
Für die E-Commerce-Agentur Netshops war 2014 ein gutes Jahr: Bei der Verleihung der "INTERNET WORLD Business Shop-Awards" heimsten die Hamburger zwei erste Plätze (für Localgourmet.de und Deutsche See) und einen zweiten Platz (für Donkey Products) ein. Channelpartner kürte die Agenturen beim "Best of E-Commerce" ebenfalls mit zwei Trophäen (für Donkey Products und Deutsche See). Und beim Shop-Usability-Award räumten die Kreativen ebenfalls zwei Preise für Donkey Products und Tambini ab.
INTERNET WORLD Business sprach mit Netshops-Geschäftsführer Stefan Sobczak über Design-Trends im E-Commerce und Differenzierungschancen gegenüber Big Playern wie Amazon und Co.
Herr Sobczak, Sie haben in diesem Jahr bei vielen deutschen E-Commerce-Preisen abgesahnt, weil Sie sich trauen, Online-Shops einfach anders zu bauen als andere. Brauchen Sie gegenüber Ihren Auftraggebern eigentlich Engelszungen?
Erfolgreich anders: Die Deutsche See gewann mit ihrem von Netshops kreierten Online-Shop 2014 zwei E-Commerce-Preise
(Quelle: Deutsche See)
Stefan Sobczak: Engelszungen braucht man immer. Aber wir finden es einfach aus strategischer Sicht sinnvoll, etwas ausgefallener aufzutreten. Den Kampf gegen Amazon gewinnt man nicht mehr, indem man seinen USP auf große Sortimente, günstige Preise oder schnelle Verfügbarkeit ausrichtet. Außerdem sind wir fest davon überzeugt, dass Nutzer ein konsequent über alle Kanäle durchgängiges Einkaufserlebnis erwarten. Wenn sich eine Marke in Printanzeigen oder in Fernsehspots bis ins kleinste Detail brillant darstellt - warum tut sie es dann nicht auch in ihrem Webshop? Das versuchen wir in unseren Designs umzusetzen - auch wenn es technisch manchmal etwas schwierig ist.
Es ist ja nahezu erschreckend, wie sich viele Marken als Shop im Internet präsentieren. Wenn man da die Logos rausstreicht, sind viele Markenshops total austauschbar. Warum ist das so?
Sobczak: Viele Marken nehmen den E-Commerce grundsätzlich noch nicht so ernst wie andere Vertriebskanäle. Gleichzeitig bedeutet es einen hohen Mehraufwand, sein Markenerlebnis online durchzuziehen. Wer hier nur auf die Standardtemplates der gängigen Shopsysteme wie Shopware, Oxid oder Magento setzt und mehr oder weniger nur das Logo austauscht und die eigene Farbe einspielt, hat es schwer. Dabei kann man durchaus bei rund 80 Prozent des Shops auf Standard-Features setzen. Aber wer wirklich erfolgreich sein will, muss bei den restlichen 20 Prozent irgendetwas anders machen - am Design, in der Kundenansprache, in den Features.
Für den Shop von Donkey Products haben Sie in diesem Jahr gleich drei Preise gewonnen. Wie haben Sie es geschafft, das Donkey-Markenerlebnis in den Shop zu bringen?
Donkey Products sahnte in diesem Jahr gleich drei Preise ab
(Quelle: Donkey-Products.de)
Sobczak: Das Konzept ist aus einem Kreativworkshop heraus entstanden. Dort haben uns die Mitarbeiter erzählt, dass sie stationär mit der Produktpräsentation experimentieren. In vielen Kaufhäusern beispielsweise sind ihre Produkte in allen Abteilungen verteilt - ein paar gibt es in der Herrenabteilung, ein paar bei den Spielzeugen, ein paar bei Haushaltswaren, ein paar bei den Schreibwaren. Im Hamburger Alsterhaus hingegen gibt es einen Bereich, wo alle Donkey-Produkte auf einem Haufen präsentiert werden. Mit dem Ergebnis, dass Donkey im Alsterhaus doppelt so viel verkauft wie in anderen Kaufhäusern. Weil die Produkte nur gemeinsam deutlich stärker wirken und dann diesen "Donkey-Effekt" erzeugen. Wer alle Produkte auf einmal sieht, wird geflasht und kauft nicht nur einen, sondern vielleicht gleich drei Artikel. Diese Erkenntnis hat uns dazu gebracht, Donkey so zu bauen, wie er jetzt aussieht. Wir haben zwar auch die in Webshops übliche Kacheloptik, aber wir haben dabei ganz viele Produkte auf einen Haufen gepackt, um den Donkey-Faktor ins Web zu transportieren.
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