Connected Cars 08.12.2014, 14:40 Uhr

Das Zalando-Car kommt schneller als gedacht

Der BVDW hat zehn Thesen zur Zukunft von Connected Cars veröffentlicht. Achim Himmelreich, Vizepräsident des Bundesverbandes Digitale Wirtschaft, erläutert die Folgen für E-Commerce und Marketing.
In spätestens fünf Jahren könnte das Zalando-Car Realität sein
(Quelle: Zalando.com)
Das Auto der Zukunft ist vernetzt. Fahrzeughersteller, Telekommunikationsanbieter und US-Riesen wie Apple oder Google liefern sich eine Schlacht um die Hoheit im Connected Car. Der BVDW hat in einem Positionspapier zehn Thesen zur Zukunft von vernetzten Autos zusammengestellt. INTERNET WORLD Business sprach mit Achim Himmelreich, Vizepräsident beim Bundesverband Digitale Wirtschaft (BVDW), über die Folgen für Online-Marketing und Handel.
Herr Himmelreich, wo auf dem Weg zum vollständig vernetzten Auto befinden wir uns denn eigentlich gerade?
Achim Himmelreich: Egal ob Entertainment, Adressbuch oder Verkehrsinformationen - ein immer größerer Anteil der Wertschöpfung im Auto ist digital. Diese Tendenz gab es zwar vor zehn Jahren schon. Doch jetzt sind die OEMS erstmals nicht mehr unbedingt diejenigen, die auch die vollständige Kontrolle über die digitale Entwicklung haben. Kaum ein Konsument will sich für 3.000 Euro ein Extra-Navigations- oder Entertainment-System anschaffen, sondern einfach sein Smartphone mit seinem Auto vernetzen. Damit brechen Branchengrenzen auf, und es stellt sich die Frage, wer die Hoheit über das digitale System im Auto gewinnen wird. Da kämpfen OEMS gegen Telcos und große Internet-Konzerne wie Google oder Apple.
Mir läge da schon fast ein Favorit auf der Zunge.
Himmelreich: Natürlich sind Google und Apple in der Pole-Position, weil sie den Konsumenten hinter sich haben. Trotzdem sehe ich auch Chancen für die Konkurrenz. Den anders als früher, wo die Leute sparten oder einen Kredit aufnahmen, um sich ein neues Auto zu kaufen, fordern sie heute eher Zugang als Besitz. Allein deshalb boomen derzeit Carsharing-Modelle. Doch die neue Mobilität muss irgendwer im Hintergrund vernetzen. Erste Pilotversuche zu Smart Mobility gibt es bereits. Und hier haben nicht Apple und Google automatisch einen Wettbewerbsvorteil. Hier kann man sich auch Konsortien vorstellen, die eine gemeinsame Software-Infrastruktur bauen. Das können dann beispielsweise auch BMW, Sixt, die Telekom und T-Systems sein.
In welchen Segmenten werden sich denn Connected-Car-Anwendungen als erstes durchsetzen?
Himmelreich: Im Auto passiert ja schon einiges. Schauen Sie sich den Opel Adam an: Der wird gezielt als Multimedia-Spaß-Auto positioniert. Vernetzung ist viel wichtiger als Verbrauch oder Motorleistung. Auch Mercedes macht das so mit der A- und B-Klasse. Außerdem gibt es schon Pilot-Regionen, die mit Smart Mobility experimentieren. Hier sind vor allem Schwellenländer mit neuen großen Mega-Metropolen wie Shanghai oder Sao Paolo aktiv. Die müssen derartige Konzepte aus schierer Not vorantreiben, weil ihnen sonst ein Verkehrskollaps droht. Und alle großen deutschen Unternehmen wie T-Systems oder die Telekom, aber auch IBM, sind dort vor Ort präsent. Die in Deutschland traditionell starken Automobilhersteller müssen sich zudem darauf einstellen, dass sie ihre Kalkulation für Innovationsmanagement neu aufsetzen müssen. In der Vergangenheit wurden neue Innovationen wie Airbag oder Seitenaufprallschutz erstmal für teures Geld in die Topmodelle eingebaut und wanderten von dort peu à peu auch in Mittelklasse- und Kleinfahrzeuge. Heute funktioniert dieses Modell, hohe Forschungskosten durch hohe Preise zu refinanzieren, nicht mehr ohne weiteres. Denn der 60-jährige S-Klasse-Fahrer legt auf Vernetzung nicht soviel Wert wie der 20- bis 30-jährige Opel-Adam-Fahrer. Mercedes hat schon reagiert, hier starten die digitalen Innovationen in der A-Klasse.
Wir haben bislang viel von Entertainment und Infotainment geredet. Sehen Sie auch für die Chancen für Marketing und E-Commerce?
Himmelreich: Auf jeden Fall. Indirekt ergeben sich Potenziale dadurch, dass Daten gesammelt werden. Hier muss allerdings erst noch an einem geeigneten Regulierungsrahmen gearbeitet werden, denn noch ist völlig ungeklärt, unter welchen Umständen welche Daten von wem erhoben und genutzt werden dürfen. Aber wenn ein Dienst, sei es Google oder eine Mercedes-Tochter, weiß, wo ich herumfahre, sind das natürlich wichtige Daten. Das ist dann wie ein Indoor-Tracking im Ladengeschäft oder Einkaufszentrum. Im nächsten Schritt können dann auf Basis der Daten, die man gesammelt hat, beispielsweise Marketing-Botschaften im Head-Up-Display ausgespielt werden. Allerdings muss auch hier die Politik aktiv werden und erst einmal die Sicherheitsaspekte klären.



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