Handels-Lobby
22.04.2015, 08:00 Uhr

HDE will Staatshilfe für den vernetzten Handel

Der HDE hat zusammen mit Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel die Dialogplattform Einzelhandel gestartet. Zum Auftakt brachte HDE-Präsident Josef Sanktjohanser einen Forderungskatalog mit.
Stephan Tromp, stellvertretender Hauptgeschäftsführer des HDE
(Quelle: HDE)
Viele Handelsunternehmen tun sich schwer in Sachen E-Commerce. Der Deutsche Einzelhandelsverband (HDE) hat sich jetzt im Rahmen der "Dialogplattform Einzelhandel" mit einer Reihe von Forderungen an die Politik gewandt, um stationären Händler bei der Digitalisierung zu helfen und gleiche Rahmenbedingungen für den Online- und Offline-Handel zu schaffen. Im Interview mit INTERNET WORLD Business erläutert Stephan Tromp, stellvertretender Hauptgeschäftsführer des HDE, die Beweggründe.
Herr Tromp, Ihr Forderungskatalog an die Regierung wirkt ein wenig so, als hätte der Einzelhandel verschreckt gemerkt, dass der Zug in Sachen Online-Handel abgefahren ist. Und jetzt ruft man nach der Regierung, damit sie ihn stoppt.
Stephan Tromp:
Den Forderungskatalog bringen wir in die Dialogplattform Einzelhandel ein, die Bundeswirtschaftsminister Gabriel und HDE-Präsident Sanktjohanser heute gestartet haben. Die Verbindung aller Vertriebskanäle - online und offline - wird in den Unternehmen künftig die Regel und nicht die Ausnahme sein. Uns geht es darum, dass die Politik dafür die richtigen Rahmenbedingungen schafft.
Was fordern Sie denn konkret?
Tromp:
Wir erwarten von der Politik, einen fairen Wettbewerb zwischen allen Vertriebskanälen sicherzustellen. Es muss gleiches Recht für alle gelten! Wir brauchen vor allem eine vernünftige Netzinfrastruktur. Auch über das Thema W-LAN und Störerhaftung müssen wir reden. Die Gesetzgebung muss sicherstellen, dass Händler relativ einfach und ohne große Hürden W-LAN zur Verfügung stellen können, ohne sofortige Abmahnungen zu befürchten. Wir wollen ein freies W-LAN, weil es zum Kundenservice gehört. Außerdem fordern wir Förderkredite für den Mittelstand. Der stationäre Handel steht vor  massiven Herausforderungen, die stationäre mit der Online-Welt zu verknüpfen. Eine hohe Priorität hat der Datenschutz. Er darf die Hürden nicht so hoch legen, dass Verbraucher und Händler vor dem Online-Handel zurückschrecken.
Ich habe allerdings meine Zweifel, dass Gelder der KfW die Phantasie der heutigen mittelständischen Händler derart beflügelt, dass sie neue Handelskonzepte maßgeblich mit aufbauen. Glauben Sie denn daran, dass die KfW ihre Gelder jemals wieder zurückbekommt?
Tromp:
Der Handel von morgen wird definitiv ein anderer sein als heute. Die Gelder sind nötig, damit die Geschäftsmodelle umgebaut werden können. Kredite sind immer mit Risiken verbunden. Deshalb schlagen wir in Ergänzung zur KfW auch Bürgschaften des Bundes oder der Länder vor.
Gibt es denn andere Länder, wo die Politik den Strukturwandel aktiv begleitet oder wäre das in Deutschland ein Unikum?
Tromp:
Das wäre ein Novum, das gibt es in anderen Ländern nicht. In den USA werden wirklich nur die Leitplanken gesetzt und die Wirtschaft muss zusehen, wie sie damit klar kommt. Das andere Extrem ist Frankreich. Da wird dann immer gleich ein Gesetz gemacht. Deutschland ist irgendwo dazwischen. Und das ist auch unser Verständnis von Marktwirtschaft.

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