Amazon Automotive 17.02.2017, 08:10 Uhr

Studie: Wie Amazon sich den Automotive-Markt erschließt

Amazon Automotive und Amazon Vehicles sind nur der Anfang: Die Anzeichen für einen massiven Einstieg von Amazon in die Automotive-Branche mehren sich, so eine Studie der E-Commerce-Beratung eTribes.
(Quelle: Pixabay)
Wenn sich Amazon eine neue Branche vorknöpft, dann gibt es dafür im Vorfeld meist untrügliche Anzeichen: So lässt der Handelsriese neue Subfirmen oder Patente eintragen, startet in einzelnen Märkten kleine Pilotprojekte als Testballons oder sucht über das firmeneigene Jobportal nach Managern aus der anvisierten Branche. Wer Augen hat, um zu ­sehen, warnt das E-Commerce-Beratungsnetzwerk eTribes in seiner neuen Marktstudie "Knut im Stau", der kann all diese Vorzeichen gerade in einer Branche feststellen, die man nicht auf den ersten Blick mit Amazon in Verbindung bringt: im Automotive-Markt.

Amazon Automotive, Amazon Vehicles und viele kleine Testballons

Bereits seit 2015 stieg Amazon in den USA mit der Plattform Amazon Automotive in den Online-Markt für Autoteile ein, der seit rund 15 Jahren von eBay Motors beherrscht wird. Im Sommer 2016 ging in den USA Amazon Vehicles an den Start. Dort können sich User über Fahrzeuge, Autoteile und Zubehör informieren und Fahrzeuge bewerten. Autos kaufen kann man dort nicht - noch nicht.
"Im Herbst 2016 sind dann im Amazon-Jobportal Stellenanzeigen aufgetaucht, mit denen das Unternehmen höhere Manager mit OEM-Hintergrund sucht", beobachtet Lennart Paul, ­einer der Mitautoren von "Knut im Stau". "Wie bei Amazon üblich wird also ein ­Management-Team top-down aufgebaut, das sich dann weiter um die Entwicklung von Amazon Automotive kümmern wird." Neben all diesen Aktivitäten hat sich Amazon noch einige neue Domains wie Amazon.auto oder Amazon.car gesichert.
Auch in einzelnen Märkten häuften sich die Amazon-Testballons: So konnten italienische User bereits einen Fiat über Amazon kaufen. Und Mercedes kooperierte letztes Jahr in Deutschland mit Amazon: Auf einer eigenen, aufwendig gestalteten Unterseite können Nutzer seither Probefahrten in der Mercedes E-Klasse via Amazon vereinbaren.

Eine Branche vor der Digitalisierung

Das Interesse von Amazon am Automotive-Markt ist also unbestritten. Und der Zeitpunkt scheint zu stimmen, denn auf Kundenseite schwindet das Vertrauen in die klassische stationäre Vertragswerkstatt und wächst die Bereitschaft zur Recherche im Netz. 6,5 Millionen Online-Käufer kauften 2015 Autoteile im Netz, 15 Prozent mehr als im Vorjahr. Zwei von drei Online-Kunden vergleichen grundsätzlich mehrere Angebote, bevor sie kaufen. Und mehr als die Hälfte erwirbt Autoteile jetzt schon hauptsächlich oder ausschließlich online. So legte der Anteil der im Netz gekauften Teile von Jahr zu Jahr zu, von acht Prozent 2011 auf schätzungsweise 13 Prozent 2016. Bis 2020 dürften diese Werte auf rund 20 Prozent wachsen - das entspricht 3,6 Milliarden Euro.
Nicht nur das Geschäft mit den Autoteilen wandert ins Netz ab, auch der Dienstleistungssektor rund ums Auto - also die Vereinbarung von Werkstattterminen, Probefahrten etc. digitalisiert sich. 12 Prozent der Autofahrer verglichen 2015 online Festpreise für Werkstattdienstleistungen und buchten diese dann auch im Netz. Es spricht also vieles dafür, dass die ­Automotive-Branche nicht nur vor ihrer Digitalisierung, sondern vor allem vor ­ihrer Amazonisierung steht. Noch bleibt Zeit, sich dem neuen Angreifer zu stellen - aber nicht mehr lange.




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