Geheime Algorithmen 12.03.2015, 08:00 Uhr

Amazon: Marktplatz und Suchmaschine

Fast 40 Prozent der US-Verbraucher starten den Kauf bei Amazon. Der Marktplatz wird zur Suchmaschine und vergibt Spitzenplätze nach geheimen Algorithmen - von denen Amazon selbst profitieren kann.
Picking im Amazon-Lager
(Quelle: Amazon)
Vom Abendkleid bis zum Zirkel - auf Amazon finden sich aktuell rund zwei Milliarden Produkte. 270 Millionen Verbraucher haben sich dort registriert und bestellen regelmäßig. Viele von ihnen starten hier ihren Einkauf. Laut Forrester Research suchen in den USA 39 Prozent der Käufer bei Amazon nach Produkten. "Amazon ist ein Marktplatzsystem, das wie Google stark automatisiert ist und von Algorithmen getrieben wird", stellt Alexander Graf, Blogger von Kassenzone.de und Geschäftsführer von Spryker.com, fest. Um erfolgreich seine Produkte auf dem Amazon Marktplatz verkaufen zu können, muss man lernen zu verstehen, wie die Suchmaschine und deren Algorithmus funktioniert.

Wie Google vergibt Amazon die Spitzenplätze der Suchergebnisse in den viel geklickten Buy-Boxen unter den Warenkörben automatisiert per Algorithmus. Konflikte sind programmiert, denn Amazon ist nicht nur Betreiber von Marktplatz oder Suchmaschine, sondern agiert dort auch als Händler. Amazon könnte also die eigenen Angebote beim Ranking bevorzugen. "Grundsätzlich besteht ein Interessenskonflikt, weil Amazon Plattform und zugleich Händler auf dem Marktplatz ist", bestätigt Franz Jordan, Mitgründer von Marketplace Analytics, einem Berliner Start-up das sich mit den Marktplatzdaten von Amazon beschäftigt und ein Analysetool zum Optimieren von Produktbeschreibungen entwickelt hat. "Für einen funktionierenden Marktplatz ist es entscheidend, Käufer und Anbieter zufrieden zu stellen".

Marktmacht wächst weiter

Wer auf den besten Plätzen in den Buy-Boxen steht, wird im Geheimen ausgelotet. Amazon gibt den Algorithmus nicht preis. Laut Jordan reagiert die automatische Vergabe auf Keywords, Inhalte der Produktbeschreibung sowie Kaufangaben wie Preis oder Lieferzeit. "Für Google ist es schwieriger zu messen, ob eine Produktsuche zu einem Kauf geführt hat", erklärt Jordan. "Amazon hingegen hat volle Transparenz und ist deshalb auch nicht zu manipulieren, es muss um die Optimierung der Produktbeschreibungen gehen".
 
Abzusehen ist, dass Amazons Geheimniskrämerei in Zukunft Gerichte beschäftigen wird. Zumal das Unternehmen als "Shop for Everything" seine Dominanz überall weiter ausbaut. Beispiel Deutschland: Hier hat Amazon 2014 laut Geschäftsbericht 10,8 Milliarden Euro Umsatz erzielt. Das wären 28 Prozent der E-Commerce-Erlöse, die der Handelsverband HDE für das geiche Jahr mit 39 Milliarden angibt. Doch als Marktmacht ist Amazon viel größer: Marketplace Analytics beziffert die Zahl der Amazon-Anbieter in Deutschland auf 40.000, die 2014 bis zu elf Milliarden Euro Einnahmen über den Amazon-Marktplatz erwirtschaftet haben.
 
Zu den 10,8 Milliarden Euro Umsatz von Amazon addiert ergeben sich also rund 22 Millarden E-Commerce-Umsatz in Deutschland, die über Amazon erzielt werden. Und diese machen mehr als 56 Prozent der gesamten E-Commerce-Erlöse in Deutschland aus.

Das Kerngeschäft ist Google und Amazon nicht genug. Da ist es nicht verwunderlich, dass sich die Konzerne immer öfter in die Quere kommen. INTERNET WORLD Business zeigt, wo das der Fall ist.

Auch für alle Shopbetreiber gibt es Neues: Shopbetreiber, die auf dem internationalen Amazon-Marktplatz verkaufen, müssen ab dem 12. März 2015 neue Richtlinien für Retouren akzeptieren. Andernfalls droht ihnen der Verlust der Verkaufslizenz.

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