Gerichte fordern mehr Nutzerfreundlichkeit
Recht und Usability im Shop
17.05.2011 10:30 Johannes Altmann
Johannes Altmann ist Gründer von Shoplupe.de
Für Recht und Ordnung in Onlineshops sorgen seit Jahren die Gerichte, die durch Ihre Entscheidungen nicht nur die Rechtslage klarstellen, sondern zunehmen als Usability-Profis agieren. So verdonnern die Landgerichte die Onlineshops immer mehr zur Nutzerfreundlichkeit. Nicht schlecht für den User, nicht schlecht für den Shopbetreiber.
Immer mehr gerichtliche Entscheidungen decken sich mit den Empfehlungen aus unserem Usability-Expertengutachten und nicht wenige Shopbetreiber suchen mit ihrem Trusted-Shops-Prüfbericht nicht mehr den Anwalt sondern der Usabilityexperten auf. Eine Entwicklung, die uns sehr erfreut aber auch bestätigt, dass ein Richter auch nur ein Mensch ist. Ein Mensch, der klar, offen, übersichtlich und strukturiert im Shop alle Informationen finden will, die er zur Vertrauensbildung und Kaufentscheidung benötigt. Die Richter wollen das richtige Produkt bestellen und nicht irrtümlich das falsche – daher sorgen plötzlich sie für mehr Transparenz und Usability.
Impressum als Grafik
Ein Impressum muss laut Telemediengesetz leicht erkennbar, unmittelbar erreichbar und ständig verfügbar sein. OLG Frankfurt und Landgericht Berlin finden, dass daher das Impressum nicht als Grafik integriert werden darf. Usability-Meinung: Stimmt, denn die Ladezeit erhöht sich, mit mobilen Endgeräten könnte die Lesbarkeit erschwert werden und WC3 konform ist es auch nicht.
Verbindliche Produktbilder
In einem Fall um eine abgebildete Standheizung beim Fahrzeugkauf musste der Verkäufer eine nicht vorhandene Standheizung nachrüsten, weil sie auf dem Produktbild zu sehen war. Für die Richter des BGH eindeutig. Was auf dem Bild ist, ist wie geschriebener Text – ein Leistungsversprechen. Aus Usability-Sicht können wir nur gratulieren. Ein Produktbild ist essenziell wichtig und muss die Ware exakt darstellen. Schlechte oder falsche Produktbilder führen zu Fehlkäufen, Reklamationen und letztendlich Retouren.