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Liebe oder Verzweiflung?

Liebe oder Verzweiflung?

Kommentar Microsoft-Boss Steve Ballmer lässt sich nicht abhalten: Nachdem er im vergangenen Jahr mehrmals bei Yahoo-Gründer Jerry Yang abgeblitzt ist, versucht er nun, die neue Chefin des Internetportals zu einer Zusammenarbeit zu bewegen. Ist es Liebe? Oder blanke Not?

Wenn jemand lange um einen Partner wirbt, muss er sich seiner Sache sehr sicher sein. Ballmer hat vor mehr als einem Jahr das erste Angebot für Yahoo vorgelegt - und in den folgenden Monaten nachgebessert. Dass Yang hart blieb, ist nur mit persönlicher Abneigung zu erklären, denn sein Internetportal - und dessen Aktienkurs - stehen heute deutlich schlechter da als im Februar 2008. Nun, da Yangs Nachfolgerin Carol Bartz gerade einen Monat im Amt ist, wagt Ballmer einen neuen Anfang. Für seine Hartnäckigkeit gibt es zwei Möglichkeiten.

Erstens: Es ist Liebe! Ballmer und sein Team haben einen Masterplan entwickelt, wie Microsoft und Yahoo gemeinsam den übermächtigen Konkurrenten Google in die Knie zwingen können. Auch wenn wir den Plan derzeit nicht erkennen können: Er ist so genial, dass er auf jeden Fall umgesetzt werden muss.

Zweitens: Es ist die Verzweiflung, die Ballmer treibt. Microsoft hat bereits alles probiert, um seinem schwächelnden Portal- und Suchdienst auf die Beine zu helfen. Nichts hat funktioniert. Gleichzeitig bedrohen lizenzfreie Softwareprodukte und Apple das Kerngeschäft. Da bleibt nur noch, sich mit dem angeschlagenen Mitbewerber Yahoo zu verbünden, um gegen den gemeinsamen Feind zu kämpfen. Wie genau der Softwarehersteller und das Internetportal zusammenpassen sollen, ist dabei zweitrangig.

Die zweite Möglichkeit ist wahrscheinlicher - leider. Gäbe es einen genialen Plan, hätte Microsoft ihn bereits vor einem Jahr veröffentlicht, um den Druck auf Yahoo zu erhöhen. Dass nur vage von Synergien die Rede war, zeigt, dass der Mangel an Alternativen Ballmer antreibt. Und aus Mangel an Alternativen wird Yahoo zustimmen - früher oder später.


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