Schnittstellen sind eine Chance für Unternehmen
Wie kalkulieren Sie den Traffic?
Otto: Das ist in der Tat bei neuen Features stets eine echte Herausforderung. Deshalb launchen wir zunächst für ein geschlossenes Publikum und schätzen so den Gesamttraffic. Wir haben darüber hinaus Reserven in unseren Rechenzentren, die wir bei Bedarf nutzen können, um unsere Performance auch zu Spitzenlastzeiten stets stabil zu halten.
Zudem haben wir ein spezielles Monitoring für die OpenSocial-Infrastruktur. So können wir beobachten: Wo steigt was an? Wo wird mehr Traffic verursacht, wo wird welche Datenbank stärker benutzt? Um dann so früh wie möglich zu kalkulieren: An welchen Schnittstellen muss man arbeiten, damit die Anwendungen performanter laufen? Das ist ein stetiger Prozess - wenn OpenSocial gestartet ist, ist die Arbeit nicht abgeschlossen, sondern geht erst richtig los.
Wer baut die APPs für Xing?
Otto: Wir wählen aktiv aus, welche Applikationen auf unserer Plattform laufen. Das hat einerseits den Hintergrund, dass wir die Qualität sicherstellen möchten. Zudem wollen wir nur Applikationen zulassen, die auch im Businessumfeld für möglichst viele Mitglieder echten Mehrwert bieten. Darüber hinaus wollen wir keine Anwendungen zulassen, die aus Datenschutzsicht relevante Risiken bedeuten.
Hilft OpenSocial auch bei der eigenen Entwicklung?
Otto: Das ist tatsächlich der Fall. Für neue Features können wir uns nun überlegen - machen wir es selbst als Kernanwendung, lassen wir es extern als OpenSocial-Applikation entwickeln, oder entwickeln wir es selbst mit OpenSocial?
Zudem ist es ein Vorteil von OpenSocial, dass der Kern und die Funktionalitäten der API, Open Source sind, die auch sehr gut dokumentiert sind. Es gibt fertige JavaScript-Bibliotheken die eingesetzt werden können. Es gibt Tools, die das Entwickeln der Anwendungen vereinfachen. Auch gibt es eine große Community, die sich intensiv mit OpenSocial auseinandersetzt. Diese Ressourcen und Ergebnisse können wir mitnutzen.
Warum sind offene Schnittstellen für Communities so wichtig?
Otto: Das Prinzip der „walled gardens" hat sich überlebt. Schnittstellen werden heute weniger als Bedrohung für das eigene Geschäftsmodell gesehen, sondern als Chance, seine Benutzer einzubinden, das Produkt an ihnen auszurichten und letztlich so langfristig zu profitieren. Es gibt inzwischen auch eine Menge an Vorbildern, denen eine Öffnung einen enormen Schub gegeben hat, Twitter und Flickr etwa. Wir sind zwar ein Wachstumsunternehmen und stellen auch laufend zusätzliche Entwickler ein, die eigenen Ressourcen werden aber immer limitiert sein und wir haben weit mehr Ideen für neue Features als Entwicklungsressourcen und das ist sicher besser so als anders herum. Durch offene Schnittstellen kann man dies in einem gewissen Umfang kompensieren.