Nutzer ohne Kontrolle
25.01.2010 09:06 tga
"Daten und Identität" - über dieses Thema sprachen heute morgen auf der DLD Conference Vertreter von Facebook, Bit.ly, Simulmedia, Comscore und Proximic.
Plattformen seien so erfolgreich, weil sie nicht von einzelnen Personen abhängen, erklärt Mike Schroepfer von Facebook. Angesprochen auf die Nutzerproteste nach der Veränderung des Designs und der Datenschutzeinstellungen sagte er: "Veränderungen sind für alle hart. Doch damit wir uns auf dem Markt behaupten können, müssen wir dauernd innovativ sein." Das Netzwerk sammle Daten, um die Nutzererfahrung zu verbessern: "Für die meisten ist unser Netzwerk eine sehr individuelle Erfahrung" - Facebook wolle seinen Usern deshalb die Möglichkeit geben, ihre Privatsphäre selbst zu kontrollieren.
"Die Art, wie User Inhalte mit anderen teilen, hat sich durch Dienste wie Facebook völlig verändert", sagt Todd Levy von Bit.ly. Die Menge der gesammelten Daten hat sich vervielfacht: "Der Vorteil des Internets ist, dass man viel über die User weiß", meint Magid Abraham von Comscore. Das gelte vor allem für Firmen wie Facebook, denen die User viel von sich mitteilten. Kleine Websites wüssten jedoch nur, was sie aus den Cookies herauslesen können.
Doch was passiert mit den gesammelten Daten? "Wir manipulieren Daten nicht", betont Philipp Pieper von Proximic, "wir verfeinern sie nur."
Problematisch seien jedoch nicht die Daten, die Firmen sammeln, so Abraham. "Nutzer haben keine Kontrolle darüber, was über sie geschrieben wird." Niemand könne einmal veröffentlichte Informationen wieder einfangen. "Das sind große Probleme, die die Privatsphäre betreffen." Dave Morgan von Simulmedia stimmt Abraham zu: "Die Menschen merken erst jetzt, dass sie ihren Ruf nicht kontrollieren können."
Möglicherweise klären sich die Datenschutzprobleme in Zukunft: "Wir sind in einer Phase des digitalen Erwachsenwerdens", so Pieper. Die Nutzer lernten gerade, wie sie ihren Ruf verbessern können, zum Beispiel, indem sie Inhalte über sich veröffentlichen, die unerwünschte Infos auf die dritte Seite der Suchergebnisse verdrängen.