"Googles Buchdigitalisierung schafft ein De-facto-Monopol"
07.09.2009 15:30 tga
Europäische Verbände machen Front gegen das Projekt des Suchmaschinenanbieters, nicht mehr verlegte Bücher zu digitalisieren. Google hat inzwischen Entgegenkommen signalisiert.
Fünf Organisationen wandten sich heute an die Europäische Kommission, damit diese ihre Einwände gegen die Buchdigitalisierung an die US-Regierung weiterleitet: Initiative for a Competitive Online Marketplace (ICOMP), die sich für Wettbewerb im Internet stark macht, der Börsenverein des Deutschen Buchhandels, die Coordination of European Picture Agencies Press Stock Heritage (CEPIC), die sich für die Wahrung von Bildrechten einsetzt, Internet Archive/Open Book Alliance sowie der Bibiotheksverband EBLIDA – European Bureau of Library, Information and documentation Associations.
"Es gibt den ehrlich gemeinten Wunsch, eine Lösung zu finden, aber die vorgeschlagene Vereinbarung ist nicht der richtige Weg", sagt David Wood, Anwalt der ICOMP. "Sie schafft ein De-facto-Monopol für digitalen Zugang zu Millionen von Arbeiten, darunter viele aus Europa." Es könne nicht sein, dass die US ein internationales Modell fürden Umgang mit Urheberrechten schaffen, so Peter Brantley von der Open Book Alliance, der unter anderem Amazon, Microsoft und Yahoo beigetreten sind.
Google digitalisiert seit 2004 in großem Umfang Bücher, die nicht mehr verlegt werden. Deren Nutzung soll kostenlos sein und sich über Werbung refinanzieren. Nach einer Klage von US-Autoren und Verlagen gegen dieses Verfahren haben sich beide Seiten auf einen Vergleich verständigt, der nun noch von einem Gericht bestätigt werden muss. Er würde weltweit für alle Autoren gelten. Das Gericht will in einer Anhörung am 7. Oktober über den Vergleich entscheiden.
Der Internetkonzern wolle auf die Bedenken eingehen und Vertreter von europäischen Verlegern und Autoren an der Beaufsichtigung des Projekts Google Books beteiligen, sagte Unternehmenssprecher Bill Echikson am Montag anlässlich einer Expertenanhörung bei der Europäischen Kommission in Brüssel. Die Kommission will bei dem Treffen ein "europäisches Konzept für die noch offenen Fragen bei der Bücherdigitalisierung“ entwickeln.
"Europa steht vor einer sehr wichtigen kulturellen und wirtschaftlichen Herausforderung: Bislang sind nur ein Prozent der Bücher in Europas Nationalbibliotheken digitalisiert worden. Eine enorme Aufgabe liegt daher noch vor uns, gleichzeitig eröffnen sich aber auch neue kulturelle Perspektiven und Marktchancen“, teilen die Kommissare Viviane Reding (Informationsgesellschaft und Medien) und Charlie McCreevy (Binnenmarkt und Dienstleistungen) in einer Erklärung mit.
Der Börsenverein des Deutschen Buchhandels hatte bereits am 1. September 2009 gemeinsam mit anderen Verlegerverbänden und Verlagen einen Schriftsatz mit Einwänden gegen den geplanten Google Buchsuche-Vergleich („Google Book Settlement“) beim Gericht in New York eingereicht - ebenso wie Bundesjustizministerin Brigitte Zypries (SPD).