Die Chancen von Videowerbung im Netz
"Wir dürfen Videowerbung nicht unter Wert verkaufen"
08.06.2010 12:42 Tanja Gabler
"Bewegte Bilder sind die Zukunft des Onlinemarketings!" Das Motto der Diskussionsrunde auf den Audiovisual Media Days 2010 in München ist Meinung und Hoffnung zugleich.
Der Umsatz mit Bewegtbildwerbung im Web ist Nielsen zufolge im Vergleich zum Vorjahr um 126 Prozent auf 29,3 Millionen Euro im Jahr 2009 gestiegen. Und schon Ende April 2010 war die Hälfte des Budgets von 2009 erreicht.
"Das Budget ist immer noch klein", so Thomas de Buhr, Head of Media Solutions & Display von YouTube, "aber die Nutzerzahlen sind riesig." In den USA erreiche der Umsatz mit Onlinevideowerbung rund fünf Prozent des Umsatzes der Fernsehwerbung, sagt Christian Baudis, Executive Managing Director von Tremor Media Europe. Und dieser Anteil wachse weiter.
Die Internetnutzer akzeptierten Videowerbung im Web, begründet Christoph Hölzlwimmer, CEO von Stream5 seinen Optimismus für die Branche. Das sei aus dem Fernsehen so gelernt. "Die Preise werden sich so entwickeln, dass auch HD-Inhalte finanzierbar seien." Er kalkuliert mit einem Tausend-Kontakt-Preis von einem bis drei Euro.
Onlinevideos schaffen ein gutes Nutzererlebnis - davon profitierten auch die Werbetreibenden, glaubt Stephan Noller, CEO von nugg.ad: "Wir können besser sein als Fernsehwerbung."
Zu den Motiven für den Einsatz von Onlinevideos zählten E-Commerce und Business-TV, aber auch die Steigerung von Werbeerlösen, Branded Entertainment und Live-Kommunikation, erklärt Hölzlwimmer. "Die Bandbreite der Möglichkeiten ist groß - sie reicht von Werbung bis hin zu Transaktionen."
Bewegtbildwerbung wirke besser als andere Formate, so Noller. "Wir dürfen nur nicht den Fehler machen, die Reichweiten zu verramschen, wie es bei Displaywerbung derzeit der Fall ist." Diese Chance dürfe die Branche nicht verstreichen lassen. "Die Industrie muss beweisen, dass Werbung wirkt - und dann ist es ein sehr schönes Geschäft für uns alle." Die Zeit dränge, da könne man nicht auf die Kollegen von der AGOF warten.
TV-Werbekunden seien grundsätzlich bereit fürs Web, so Baudis. "Online ist da nur ein weiterer Kanal", schließlich unterscheiden Werbetreibende auch nicht zwischen Kabel- und Satellitenfernsehen. Dennoch sei das Wissen auf Kundenseite oft gering. "Der Markt ist deshalb verschlafen, weil die Markenartikler noch nicht verstanden haben, wie man online messen kann." Hier sei Aufklärung gefragt.
Das man viel erklären muss, sieht auch de Buhr. "Wir müssen in Potenzialen denken, nicht in Angst und Sorge." TV und Online könnten gemeinsam viel erreichen.
"Das Inventar muss weiter wachsen", fordert Hölzlwimmer. Dazu seien mehr Premiuminhalte nötig, um attraktive Werbeumfelder zu schaffen. "Das wird den Markt beflügeln."