Brauchen wir ein öffentlich-rechtliches Web?
Blumtritt fordert "virtuellen Rundfunk"
08.06.2010 16:39 tga
Wünscht sich Diskussion: Blumtritt
Brauchen wir ein öffentlich-rechtliches Web? Jörg Blumtritt von Tremor Media hielt auf den Audiovisual Media Days 2010 in München ein Plädoyer für einen virtuellen Rundfunk.
"Eine Website, die auf Google nicht gelistet wird, existiert de facto nicht; ein Buch, dass Amazon nicht anbietet, kann man gleich wieder einstampfen; Musik, die iTunes nicht aufnimmt, wird nicht gehört werden", sagt Blumtrit, der zugleich Vorsitzender der AG Social Media ist. "Deshalb ist es höchste Zeit, dass wir - als Gesellschaft Europas - aktiv werden, Initiative ergreifen, die Stimme erheben."
Die Lösung sei jedoch nicht, über Regelungen und Gesetze alles in den alten Bahnen festzuzementieren. Blumtritt wünscht sich eine aktive Rolle der Gesellschaft - zum Beispiel durch Unterstützung öffentlich geförderter Angebote. Blumtritt: "Was wir brauchen, ist eine Diskussion über 'virtuellen Rundfunk', also ein öffentliches oder öffentlich-rechtliches Internet."
Darunter versteht Blumtritt ein Web, das Folgendes garantiert:
- Diskriminierungsfreier Zugang - alle Informationen stehen allen Nutzern gleichermaßen zur Verfügung
- Netzneutralität - jeder Publisher hat das gleiche Recht, seine Inhalte zu distribuieren
- Pluralismus der Angebote
- Gesellschaftlicher Einfluss - klare Repräsentation ethischer und kultureller Werte
Was denken Sie? Hat Blumtritt Recht? internetworld.de freut sich auf Kommentare.
U. Bemmann am 09.06.2010
Öffentliches Netz
Die Idee an sich ist begrüßenswert, nur ist zu befürchten, dass solch ein Angebot als Vorwand genutzt wird, den "ganzen Rest" des Internets nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten zu gestalten. Also Schluss mit Netzneutralität und Informationsfreiheit. Zudem ist zu befürchten, das Angebote wie terrestrisches Radio wegfallen, weil einige Technikaffine nicht verstehen wollen, dass der Rest der Hörer vielleicht lieber die alten Dudelkisten benutzt...
Helma am 09.06.2010
In erster Linie brauchen wir etwas was den Medien-Pluralismus nicht gefährdet!
wir haben eine wunderbare Situation: Meinungsfreiheit und Medienfreiheit und Medienvielfalt. Das sollte so bleiben. Wir müssen nach Möglichkeiten und Wegen suchen, die uns alle Vorteile der Digitalisierung bei gleichzeitiger Erhaltung von Wettbewerb und unabhängigem Jounalismus gewährleisten. Eine Monopolisierung gleich auf welcher Ebene der Betrachtung ist zu verhindern. Das ist gesellschaftliche und politische Aufgabe aber auch unbedingt eine Aufgabe von jedem Einzelnen.
Jede Initiative die das aufgreift ist wichtig.
Marco am 09.06.2010
Mag ja sein - die Beispiele sind aber Blödsinn
Keine Ahnung was diese Forderung soll - die Beispiele sind allerdings Blödsinn
1. Wer Itunes für Musik nutzt unterwirft sich Apples Zensur --> selber Schuld, es gibt Alternativen, auch für IPhone und IPod Besitzer
2. Ein Buch das Amazon nicht anbietet ... das finde ich dann schon noch bei alternativen Buch-Versendern oder den Verlagen selbst - Google sei Dank
3. Eine Seite die bei Google nicht gelistet wird ... nun ja, da liegt es wohl eher daran dass der Suchenende nicht gründlich genug sucht oder der Seitenbetreiber keine Ahnung hat, wie die minimalsten Anfordeungen von Suchmaschinen sind. Oder man geht zu Yahoo.
(Ausnahmen wie Zensur in China mal ausgenommen)
Und das beste: wie sollte das dann öffentlich rechtlich besser gemacht werden ??? Nimmt man die gerade von Yahoo entlassenen Search Mitarbeiter oder wo soll das Know how herkommen?
Also ich denke, die Erfindung WWW hat wirklich den entscheidenden Durchbruch in Sachen öffentlich / für jeden verfügbar gebracht ... und wird ständig besser.
Andi am 09.06.2010
Er kann's sicher gut gebrauchen
"Tremor Media is the leader in online video, providing advertisers with in-banner & in-stream video advertising opportunities on top-tier publisher sites with a combined 177.6 million unique visitors per month." http://www.tremormedia.com/
Noch fragen?
Fritz am 08.06.2010
Brauchen wir ein öffentlich-rechtliches Web?
"[...]also ein öffentliches oder öffentlich-rechtliches Internet.[...]"
Defakto sollen wir also in Zukunft Gebühren für's Internet zahlen!