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17 Thesen zum Internet(-Journalismus)

17 Thesen zum Internet

Angelehnt an das Cluetrain-Manifest, das 1999 in 95 Thesen das Verhältnis von Unternehmen und ihren Kunden im Zeitalter des Internets und der New Economnyneu definieren wollte, hat eine Gruppe von Journalisten und Bloggern am Montag das "Internet-Manifest" veröffentlicht. Die Webcommunity freut's.

Den Anstoß gab Thomas Knüwer, Autor des Handelsblatt-Blogs "Indiskretion Ehrensache", der sich über die Hamburger Erklärung geärgert hatte sowie über die Forderung des Deutschen Journalisten Verbandes, eine konzertierte Aktion gegen Google zu planen. Zu den Unterzeichnern gehören unter anderem Sascha Lobo, Kathrin Passig und Stefan Niggemeyer. Das Manifest ist - gemäß seinen Grundsetzen - bereits jetzt gut verlinkt, war jedoch wegen des großen Ansturms zeitweise offline.

Hier die Thesen in einer Kurzversion:

1. Das Internet ist anders: Es schafft andere Öffentlichkeiten, andere Austauschverhältnisse und andere Kulturtechniken - die Medien müssen ihre Arbeitsweise der technologischen Realität anpassen.

2. Das Internet ist ein Medienimperium in der Jackentasche: Es überwindet bisherige Begrenzungen und Oligopole des Mediensystems. Es bleibt nur die journalistische Qualität, die Journalismus von bloßer Veröffentlichung unterscheidet.

3. Das Internet ist die Gesellschaft ist das Internet: Wenn Medienhäuser weiter existieren wollen, müssen sie die Lebenswelt der Nutzer verstehen und sich ihrer Kommunikationsformen annehmen. 

4. Die Freiheit des Internet ist unantastbar: Die offene Architektur des Internet bildet das informationstechnische Grundgesetz einer digital kommunizierenden Gesellschaft und damit des Journalismus.

5. Das Internet ist der Sieg der Information: Bisher ordneten Institutionen wie Medienhäuser, Forschungsstellen oder öffentliche Einrichtungen die Informationen der Welt. Nun richtet sich jeder Bürger seine individuellen Nachrichtenfilter ein.

6. Das Internet verbessert den Journalismus: Durch das Internet kann der Journalismus seine gesellschaftsbildenden Aufgaben auf neue Weise wahrnehmen. Dazu gehört die Darstellung der Information als sich ständig verändernder fortlaufender Prozess; der Verlust der Unveränderlichkeit des Gedruckten ist ein Gewinn.

7. Das Netz verlangt Vernetzung: Links sind Verbindungen. Wir kennen uns durch Links. Wer sie nicht nutzt, schließt sich aus dem gesellschaftlichen Diskurs aus.

8. Links lohnen, Zitate zieren: Referenzen durch Verlinkungen und Zitate – auch und gerade ohne Absprache oder gar Entlohnung des Urhebers – ermöglichen überhaupt erst die Kultur des vernetzten Gesellschaftsdiskurses und sind unbedingt schützenswert.

9. Das Internet ist der neue Ort für den politischen Diskurs: Demokratie lebt von Beteiligung und Informationsfreiheit.

10. Die neue Pressefreiheit heißt Meinungsfreiheit: Das Internet hebt die technologischen Grenzen zwischen Amateur und Profi auf. Deshalb muss das Privileg der Pressefreiheit für jeden gelten, der zur Erfüllung der journalistischen Aufgaben beitragen kann.

11. Mehr ist mehr – es gibt kein Zuviel an Information.

12. Tradition ist kein Geschäftsmodell: Das wettbewerbsintensive Internet erfordert aber die Anpassung der Geschäftsmodelle an die Strukturen des Netzes.

13. Im Internet wird das Urheberrecht zur Bürgerpflicht: Das Urheberrecht darf jedoch nicht als Hebel missbraucht werden, überholte Distributionsmechanismen abzusichern und sich neuen Vertriebs- und Lizenzmodellen zu verschließen. Eigentum verpflichtet.

14. Das Internet kennt viele Währungen: Werbefinanzierte journalistische Onlineagebote tauschen Inhalte gegen Aufmerksamkeit für Werbebotschaften. Die Zeit eines Lesers, Zuschauers oder Zuhörers hat einen Wert. Andere journalistisch vertretbare Formen der Refinanzierung wollen entdeckt und erprobt werden.

15. Was im Netz ist, bleibt im Netz: Online müssen Texte, Töne und Bilder nicht mehr flüchtig sein. Sie bleiben abrufbar und werden so zu einem Archiv der Zeitgeschichte. Journalismus muss die Entwicklungen der Information, ihrer Interpretation und den Irrtum mitberücksichtigen, also Fehler zugeben und transparent korrigieren.

16. Qualität bleibt die wichtigste Qualität: Ein Publikum gewinnt auf Dauer nur, wer herausragend, glaubwürdig und besonders ist. Die Ansprüche der Nutzer sind gestiegen.

17. Alle für alle: Die “Generation Wikipedia” weiß die Glaubwürdigkeit einer Quelle abzuschätzen, Nachrichten bis zu ihrem Ursprung zu verfolgen und zu recherchieren, zu überprüfen und zu gewichten. Nicht der besserwissende, sondern der kommunizierende und hinterfragende Journalist ist gefragt.

Die Kommentare der Webcommunity waren grundsätzlich positiv, auch wenn einzelne Punkte - wie auch die Finanzierung der Onlineangebote - heiß diskutiert wurden. Aber, wie ein User schreibt: "Volle Zustimmung meinerseits. Aber an "uns" ist das ja auch nicht geschrieben. Daher hoffe ich, Hinweise auf URL und Bedeutung sind an genügend Vertreter von Politik und "klassischer" Presse gegangen."


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Kommentare

Wen geht das was an am 09.09.2009

Informationen & Dienste im Web

Grundlegend sollte Leistung im Web bezahlt werden. Sinnlose egomaniche Communities, in denen man irgendwelche menschen verlinkt, die man persönlich nicht kennt, die aber irgendeinen VIP Status haben zeugt von einem erhöhten Minderwertigkeitskomplex.

Dann darf es n ix kosten für den User und Werbung darf auch keine drauf laufen, na dann fragen wir uns doch, wofür ist das ganze Glump alias W-K-W, twitter, facebook myspace & co.

Je mehr ich mich in diesen Communities herumtreibe, desto mehr leidet mein Real Life. Der Nährwert ist beu Null und richtige Freunde kommen persönlich vorbei aufn Bier.

Schön, dass wir drüber gesprochen haben. Danke fürs Gespräch.

Peter Buir am 08.09.2009

Was soll der Quatsch?

Wie können so viele Experten sich so sehr irren?

Das ist doch mal ein Manifest für sich.

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