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"Wir wollen die Nummer eins werden"

Myspace-Deutschlandchef Joel Berger

Joel Berger, Geschäftsführer von Myspace in Deutschland, hat ein Ziel: In den kommenden 18 bis 20 Monaten will er die Nummer eins der deutschen Communities werden. Probleme bei den Werbeeinnahmen sieht er derweil nicht.

Nach dem Hype in vielen englischsprachigen Ländern drängen nun amerikanische Social-Networking-Anbieter verstärkt nach Deutschland. Während Myspace seit dem vergangenen Frühjahr Flagge zeigt, plant Facebook für März 2008 den Markteintritt. Joel Berger, Geschäftsführer von Myspace Deutschland, ist zuversichtlich, mit seinem Konzept gut gerüstet zu sein. In einem Gespräch mit INTERNET WORLD Business erklärt er, warum.

Deutschland wird von StudiVZ, SchülerVZ und Lokalisten dominiert. Ist da noch Platz für Myspace?

Joel Berger: Ich denke schon. Das beweist auch die Anzahl der User, die wir jeden Monat verzeichnen. Laut Comscore haben wir vier Millionen User. Somit liegen wir zwar in Deutschland hinter StudiVZ auf Platz zwei, aber weit vor den Lokalisten. Wir spielen damit in einer Liga mit Websites wie Spiegel.de oder Bild.de.

Heißt das, dass Sie vier Millionen registrierte User haben?

Berger: Nein. Über deren Zahl darf ich nichts sagen. Die vier Millionen sind monatlich wiederkehrende Nutzer, die wirklich aktiv und keine Karteileichen sind. Bei Myspace ist es möglich, Musik zu hören oder Bilder anzuschauen, ohne sich anmelden zu müssen. Das geht bei anderen Social Networks nicht. Dort müssen sich die Nutzer erst registrieren. Deshalb ist die Zahl der registrierten User für mich nicht unbedingt ein guter Vergleichsmaßstab. Ich finde die Zahl der monatlichen Besucher aussagekräftiger, da man somit weiß, wer wirklich auf der Plattform unterwegs ist. Im Übrigen schwankt diese Zahl kaum, sodass sie für Werbekunden ein verlässliches Barometer ist.

Im März kommt auch noch Facebook auf den deutschen Markt. Wie beurteilen Sie die wachsende Konkurrenz?

Berger: Wir sind in dem Punkt entspannt. Der Markteintritt von Facebook wird eher eine Gefahr für die Anbieter, die mit einem von Facebook kopierten Konzept am Markt unterwegs sind. Uns berührt das nicht so sehr.

Was macht Sie da so sicher?

Wir arbeiten mit einem anderen Konzept. Die meisten Social Networks sind doch eigentlich nur ein Telefonbuch mit Bildern, ein soziales Betriebssystem. Das wollen wir nicht sein. Wir wollen die Menschen mit ihren Leidenschaften verbinden. Deshalb stellen wir Content wie Musik, Videos oder Fotogalerien zur Verfügung, über den die User interagieren können. Ein Musikfreund findet somit alles zu seiner Lieblingsmusik, ein Kinofan alles zu seiner Filmleidenschaft. Wir glauben, dass wir über diese Inhalte gut aufgestellt sind.

Wie wird Myspace in Deutschland vermarktet?

Berger: Zum einen über die Suchwortvermarktung, bei der wir mit Google zusammenarbeiten. Zum anderen verkaufen wir Display-Advertising. Mit Dingen wie Pop-ups oder Layern wollen wir unsere User weitgehend in Ruhe lassen. Eine dritte Einnahmequelle sind die Brand Communities. Der Kunde will ein Produkt bewerben und eröffnet zu diesem Zweck eine Community. User, die sich für die Marke interessieren, schließen sich dieser an. Damit treten die Unternehmen in direkten Kontakt mit ihrer Zielgruppe. Wir hatten schon zahlreiche Communitys, zum Beispiel mit Jägermeister, Wrigley oder großen Filmverleihern.

Social Networks, so heißt es, sind schwer zu vermarkten. Was antworten Sie darauf?

Berger: Wir hören dieses Vorurteil auch immer wieder. Allerdings kann ich das nicht bestätigen, da wir bereits in kurzer Zeit Topwerbekunden gewinnen konnten. Das liegt sicher auch daran, dass wir uns selbst vermarkten und nicht über Dritte gehen. Wir sind in direktem Kontakt mit den Kunden und erklären ihnen unser Konzept. Gerade die Brand Communities haben ein großes Potenzial, weil es ein neuer Weg der Markenkommunikation ist. Wir überzeugen unsere Kunden damit, dass die Interaktionsmöglichkeiten einer solchen Werbeform enorm sind.

Können Ihre Kunden steuern, neben welchen Inhalten die Werbung erscheint?

Berger: Bei den Brand Communities sorgen wir dafür, dass keine andere Werbung auf der Seite erscheint. Bucht der Kunde aber einen Banner "run of site", bekommt dieser natürlich keine spezielle Platzierung. Allerdings kann der Kunde bestimmte Bereiche buchen wie die Musik- oder Filmseiten. Außerdem hat er die Möglichkeit, verschiedene Targeting-Formen zu kaufen, zum Beispiel "Frauen, die älter als 25 Jahre sind".

Stichwort Targeting: Setzen Sie bereits Hyper-Targeting wie Ihre Kollegen in den USA ein?

Berger: Nein, noch nicht. Im Moment setzen wir das soziodemografische Targeting ein, nutzen also die Daten, die der User selbst in seinem Profil angibt. Hyper-Targeting ist es erst dann, wenn ein gewisser Algorithmus das Profil selbst liest. Das System nutzt dann zum Beispiel bestimmte Vorlieben des Users als zusätzlichen Parameter für Targeting. In den USA wird Hyper-Targeting gerade eingeführt. Wir werden zum Ende des ersten Quartals dieses Jahres damit starten.

Wie steht es mit dem Datenschutz? Stehen Myspace-Usern Opt-Out-Optionen zur Verfügung?

Berger: Wir haben verschiedene Opt-Out-Optionen. Unsere Nutzer können zum Beispiel entscheiden, dass das eigene Profil nur für ihre Freunde zugänglich ist. Bei einem öffentlichen Profil muss der User mit der Werbung leben. Dafür kann er Features wie Musik, Filme und alle Kommunikationsformen kostenlos nutzen.

Im März wird Myspace Deutschland ein Jahr alt. Welche Ziele haben Sie?

Berger: Wir wollen in Deutschland die Nummer eins bei den Social Networks werden und insgesamt in die Top 5 aller Webseiten aufrücken. Natürlich ist das nicht bis März machbar. Aber innerhalb der nächsten 18 bis 20 Monate können wir es schaffen.

Wie sieht es mit Umsatz und Gewinn aus?

Berger: Fox Interactive Media veröffentlicht keine Umsatzzahlen, auch nicht in Deutschland. Ich kann aber verraten, dass wir bereits jetzt profitabel arbeiten. Und auch unser Umsatzziel werden wir schaffen. Da bin ich zuversichtlich.

Plant Myspace, die Domain Myspace.de zu erwerben?

Berger: Ja, wir befinden uns bereits in Verhandlungen.


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