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Die Autoren des "Cluetrain-Manifest" über ihre Thesen zwölf Jahre danach

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Die Autoren des "Cluetrain-Manifest" über ihre Thesen zwölf Jahre danach

"Von Marketingleuten missverstanden"

Die Autoren des "Cluetrain-Manifest" über ihre Thesen zwölf Jahre danach

Vor zwölf Jahren kreierten die vier Autoren des Cluetrain-Manifests den Satz "Märkte sind Gespräche". Der Satz kam bei Marketingleuten gut an - "leider", wie die Manifest-Autoren Doc Searls und David Weinberger im Gespräch mit "Brand eins" bedauern. Das meiste sogenannte Conversational Marketing sei "genau genommen peinlich".

"Einige Unternehmen hören heute besser zu als 1999, weil sie keine andere Wahl haben. Aber die Schwungräder des Business as usual drehen sich weiter, sie betreiben Tracking und Targeting, sie fangen und akquirieren, managen und verwalten "ihre" Kunden, als ob wir Sklaven oder Vieh werden", kritisiert Manifest-Autor Doc Searls. Allein auf Unternehmensseite könne man das nicht reparieren. Jetzt sei es an der Zeit, dass die Kunden die Führung übernehmen und eigene Werkzeuge entwickeln.

David Weinberger fühlt sich von manchen Marketern auch missverstanden. "Längst nicht alle Unterhaltungen sind Märkte, und wir haben auch nicht behauptet, dass jede Art von Marketing im Plauderton erfolgen soll", sagt er. In viel zu vielen Fällen sei der Plauderton auch nur reine Makulatur. "Deswegen spreche ich nicht mehr gern von Märkten als Unterhaltungen. Diesen Satz haben zu viele Leute falsch verstanden", erklärt Searls.

Kritik üben die Autoren auch am so genannten Big-Data-Trend. Die Architektur von Client und Server sei ein fundamental falscher Ansatz, da die Anfrage von Client-Rechnern an einen Server eine Art unterwürfige Beziehung erfordere, die sich auch in der Art und Weise fortsetze, wie Webseiten mit Nutzern umgehen. "Wir sind wie Kälber von den Server-Kühen abhängig, die uns die Milch namens HTML trinken lassen und gleichzeitig sogenannte Inhalte und Cookies ausstellen, sodass sie uns verfolgen und alle möglichen Daten sammeln können", sagt Searls. Bis sich die gesellschaftlichen und technischen Möglichkeiten ändern, würden diese unhöflichen Geschäftspraktiken fortbestehen.

Dennoch sehen die Autoren auch einige gute Entwicklungen in den vergangenen zehn Jahren: "Ich betrachte neue Formen der nicht verbalen Unterhaltung - etwa das Klicken auf eine Ortsmarke als Check-in, auf Gefällt-mir-Buttons oder Pokes auf Facebook - als Experimente", sagt Searls. "Wir stehen noch ganz am Anfang, denn das Internet, mit dem wir vertraut sind, basiert immer noch auf den ersten grafisch orientierten Browsern von 1995. Für mich ist das Internet wie ein Jugendlicher, der noch nicht seinen Führerschein gemacht hat. Habt Geduld!"


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