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Krise? Strukturwandel!

Krise? Strukturwandel!

Auf dem Podium: Dirk Ippen, Hans Werner Kilz, Markus Peichl und Wolfgang Blau (von links, Foto: news aktuell)

Die Printmedien sind von zwei Seiten unter Druck: Einerseits durch sinkende Werbeerlöse, andererseits durch die Informationsvielfalt im Internet. Die Medienkrise war das Thema des media coffee, den news aktuell am Montagabend in München veranstaltet hat.

„Das ist keine Krise, denn Krise heißt, dass es wieder besser wird - und daran glaube ich nicht", sagte Dirk Ippen, Verleger des Münchener Zeitungs-Verlags. "Es ist eine Entwicklung, dass der Anzeigenmarkt bei den Zeitungen wegbricht. Stellen, Autos, Immobilien sind online viel einfacher zu finden als in den Printmedien."

Das trifft selbst für die überregionale Presse zu: "Die Vertriebserlöse durch den Zeitungsverkauf werden in diesem Jahr erstmals höher sein als die Anzeigenerlöse", sagt Hans Werner Kilz, Chefredakteur der Süddeutschen Zeitung. Eine bedenkliche Verteilung, vor allem wenn man die demografische Entwicklung berücksichtigt: Während 70 Prozent der über 60-Jährigen der Meinung sind, man sollte regelmäßig eine Tageszeitung lesen, glauben dies dem BDZV zufolge nur 29 Prozent der 14- bis 29-Jährigen.

Das bleibt nicht ohne Folgen: "Die Leute werden künftig für Qualitätsjournalismus mehr Geld bezahlen müssen", so Kilz, „da kann es passieren, dass auch die Süddeutsche ihre Auflage nicht halten kann." Print sei dennoch kein Auslaufmodell. „Im Moment subventioniert Print den Internetauftritt - und wie online mit Journalismus Geld verdient werden soll, ist mir nicht klar."

Der Einbruch des Anzeigengeschäfts sei dramatisch, bestätigt Markus Peichl, Vorsitzender der Lead Academy und selbst Verleger des Magazins Liebling. „Das hat drei Gründe: Die strukturelle Verlagerung von Print nach online, die Wirtschaftskrise und hauseigene Probleme, die jahrelang ignoriert wurden." Dazu zählten vor allem die Beliebigkeit der Medien sowie die Austauschbarkeit der Inhalte.

„Das Konzept der Tageszeitung stammt aus dem Industriezeitalter: ein Produkt für alle", sagt Wolfgang Blau, Chefredakteur von Zeit.de und Tagesspiegel.de. Dieser Ansatz sei nicht mehr zeitgemäß. „Diese Krise ist vielleicht hilfreich, weil sie einen längst überfälligen Prozess beschleunigt."

Wie sieht die Zukunft aus? „Wir stehen im Sturm", sagt Ippen, „und im Sturm ist es immer schwierig zu sehen, was Gutes daraus werden kann. Das Gutenbergzeitalter ist vorbei, aber das Neue muss nicht schlechter sein."

Weiter zum zweiten Teil: "Journalismus kann im Netz noch besser werden."

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Kommentare

Michael Rosenthal am 19.06.2009

Journalismus im Net bezahlen

Sehr geehrter Herr Dr. Ippen,

offen und ehrlich mag niemand für den Journalismus bezahlen, der heute in den Printmedien geboten wird.

Einheitsbrei und Fehlerberichtigungen füllen nicht nur Ihre Blätter.

Einseitige Meinungsmache (als Extrem nehmen wir einmal das Parteiblatt "Frankfurter Rundschau"), sowie das Hochleben und Fallenlassen politischer und anderer Prominenter ist leider Tagesordnung der Medien geworden.

Der Medieneinfluß auf politische Meinungsbildung war wohl nie so groß wie heute.
Merkel simst, Obama twittert und Ippen heult.

Money makes the world go round - nicht erst durch die derzeitige Weltwirtschaftskrise ist das Problem der Printmedien entstanden. Wegen der starren Strukturen und des intellektuellen Idealismus haben die Offlinemedien schon lange den Anschluß an die Zukunft verpaßt.

Salman Rushdie beklagte vor Jahren in einem Interview mit dem STERN, "der investigative Journalist wird durch den kommentierenden Kolumnisten ersetzt".
Qualität sieht anders aus.

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